Oberreith/Chiemgau – Ein seltenes und faszinierendes Himmelsschauspiel erwartet die Menschen in der Region am Sonntag, den 7. September 2025. In der Abenddämmerung wird eine totale Mondfinsternis stattfinden, bei der der Mond in ein kupferrotes Licht getaucht wird. Der Verein Astronomie im Chiemgau lädt aus diesem Anlass ab 19.30 Uhr zu einer öffentlichen und kostenlosen Beobachtung in die Solarstromsternwarte im Wildpark Oberreith ein. Das Besondere an diesem Ereignis sei der Aufgang des bereits verfinsterten Mondes, erklärt Thomas Hilger, Erster Vorsitzender des Vereins. „Der Mond erscheint gleich zu Beginn ungewöhnlich dunkel und rötlich gefärbt über dem Horizont“, so Hilger.
Dieses Schauspiel wirke besonders stimmungsvoll, da die Dämmerung noch nicht vollständig vorüber sei und der Mond sich fast „mystisch“ über die Landschaft erhebe.
Die charakteristische rote Färbung, die dem Phänomen im Volksmund den Namen „Blutmond“ eingebracht hat, entstehe durch die Erdatmosphäre.
Wie Hilger erläutert, werde das Sonnenlicht in der Atmosphäre gebrochen und der rote Lichtanteil in den Kernschatten der Erde gelenkt. „Der blaue Anteil des Lichts wird in der Atmosphäre gestreut und absorbiert“, fügt der Experte hinzu. Der Verein, der 1998 gegründet wurde und heute rund 90 Mitglieder zählt, stellt für die Beobachtung mehrere Teleskope zur Verfügung. Vereinsmitglieder werden den erwarteten 100 bis 150 Besuchern den Blick auf den Mond ermöglichen und für Fragen zur Verfügung stehen. „Neben dem Mond wird auch der Saturn am Himmel stehen“, kündigt Hilger an.
Der Ringplanet sei gegen 22 Uhr so weit aufgestiegen, dass er im Teleskop ein imposantes Bild abgebe.
Die Veranstaltung findet in der „Solarstromsternwarte“ des Vereins statt, die sich durch eine Besonderheit auszeichnet: „Die Anlage wird tatsächlich mit Solarstrom betrieben. Nachhaltigkeit ist uns wichtig“, betont Hilger.
Für alle, die das Ereignis nicht in Oberreith verfolgen können, empfiehlt der Verein jeden Ort mit freiem Blick zum Osthorizont. Besonders stimmungsvoll seien Seeufer, etwa am Chiemsee oder am Waginger See. „Auch von einer erhöhten Position, wie den Aussichtspunkten auf der Ratzinger Höhe oder vom Hochberg, lässt sich der Mondaufgang besonders gut verfolgen“, rät Hilger. Als weitere Alternative nennt er die Aussichtsplattform beim Fernsehturm Schnaitsee sowie eine geführte Beobachtung im Sternenpark Winklmoosalm.
Tipps für
Fotografen
Wer das Himmelsschauspiel fotografieren möchte, dem rät der Experte, den Mond nicht zu stark heranzuzoomen, sondern ihn mit einer Landschaft im Vordergrund zu kombinieren. Ein Stativ oder eine feste Auflage sowie das manuelle Fokussieren auf den Mond per Fingertipp auf dem Smartphone-Display würden zu besseren Ergebnissen führen.
Für ambitionierte Fotografen mit Spiegelreflex- oder Systemkameras bietet die totale Mondfinsternis eine besondere fotografische Herausforderung und zugleich die Chance auf spektakuläre Aufnahmen.
Ein stabiles Stativ ist dabei unerlässlich, um Verwacklungen bei den erforderlichen längeren Belichtungszeiten zu vermeiden. Idealerweise kommt ein Teleobjektiv mit einer Brennweite von mindestens 200 mm, besser noch 400 mm oder mehr, zum Einsatz, um den Mond formatfüllend abzubilden.
Ein Fernauslöser oder die Nutzung des Kamera-Selbstauslösers (Zwei-Sekunden-Timer) verhindert zusätzlich Vibrationen beim Betätigen des Auslösers. Fotografiert werden sollte im manuellen Modus (M), um die volle Kontrolle über die Belichtungseinstellungen zu haben. Der Autofokus wird bei diesen Lichtverhältnissen und dem geringen Kontrast des roten Mondes in der Regel versagen. Es ist daher entscheidend, auf manuellen Fokus (MF) umzuschalten.
Als Ausgangspunkt für die Belichtungseinstellungen während der Totalität empfiehlt sich folgende Kombination: Öffne die Blende so weit wie möglich (zum Beispiel auf f/2.8, f/4 oder f/5.6, je nach Objektiv), um maximal viel Licht einzufangen. Der ISO-Wert muss ebenfalls deutlich angehoben werden; Werte zwischen ISO 800 und 3200 sind je nach Kamera und Rauschverhalten ein guter Startpunkt.
Die Verschlusszeit ist der variabelste Faktor und hängt stark von der tatsächlichen Helligkeit des Mondes ab. Richtwerte liegen hier zwischen einer und vier Sekunden.
Die nächste, vom Chiemgau aus gut sichtbare totale Mondfinsternis wird es nach Angaben des Vereins erst wieder am 31. Dezember 2028 geben.