„Täglich erkranken neue Tiere“

von Redaktion

Das Blauzungenvirus bei Schafen und Rindern hat den Landkreis Traunstein erreicht – und die Situation scheint unübersichtlich: Das Veterinäramt weiß von sieben betroffenen Betrieben, aber es werden täglich mehr.

Landkreis Traunstein – Es schien immer nur eine Frage der Zeit: Seit Herbst 2023 breitet sich die Blauzungenkrankheit von Holland über Deutschland aus. Vor rund einem Jahr dann die ersten Fälle in den Landkreisen Mühldorf und Rosenheim – jetzt hat es auch die Tiere von Bauern im Kreis Traunstein erwischt. Das Virus wird über blutsaugende Gnitzen, eine Mückenart, übertragen. Am gefährlichsten ist es für Schafe, auch Rinder, Ziegen und andere Wiederkäuer können erkranken. Für Menschen ist das Virus in jeder Hinsicht unbedenklich.

„Erst der Beginn
des Geschehens“

Im Landkreis Traunstein stellt sich die Situation noch unübersichtlich dar. Am vergangenen Donnerstag vermeldete das Veterinäramt die ersten Fälle. Auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen gibt die Behörde jetzt bekannt: Sieben Betriebe, über den ganzen Landkreis verteilt, sind betroffen – mindestens. „Zusätzliche Betriebe werden uns täglich gemeldet. Wir befinden uns erst am Beginn des Krankheitsgeschehens, täglich erkranken neue Tiere“, so Pressesprecher Michael Reithmeier. Die Zahl der betroffenen Tiere lasse sich deshalb nicht abschließend feststellen.

Tierhalter können am besten mit einer Impfung vorbeugen. Sie wird auch von der Ständigen Impfkommission der Veterinärmedizin empfohlen. Laut Reithmeier sind im Landkreis Traunstein über 22000 Rinder bereits gegen das Blauzungenvirus geimpft. Das entspricht etwa 22 Prozent des gesamten Tierbestands.

Impfquote zwischen
20 und 25 Prozent

„Bei Schafen gehen wir derzeit von einer Impfquote zwischen 20 und 25 Prozent aus.“ 675 Schafe sind nachweislich geimpft. Das Virus wird nur über die Gnitzen übertragen. Eine direkte Ansteckung von Tier zu Tier findet nicht statt.

Am gefährlichsten ist die Krankheit für Schafe. „Bei Schafen verläuft das Virus häufiger tödlich, während Rinder oft Leistungseinbußen hinnehmen müssen“, so Stephanie Geischeder vom Tiergesundheitsdienst Bayern im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen im Oktober 2024. Rinder zeigen oft hohes Fieber, offene Stellen im Maul sowie Schwellungen im Klauenbereich, die zu Lahmheit führen. Die Milchleistung kann bis zu 20 Prozent sinken. Auch Rehe und Hirsche können betroffen sein, reagierten aber meist stabiler auf das Virus.

Milchleistung kann
bei Kühen sinken

Die Kosten für die Impfung belaufen sich im Schnitt auf etwa zehn Euro pro Tier und Impfung. Sie werden von der Bayerischen Tierseuchenkasse bezuschusst. Bundesweit sind inzwischen rund 18000 Fälle der Blauzungenkrankheit registriert. Das Virus bleibt in den Tieren ungefähr 70 Tage aktiv. Noch keine Fälle sind momentan aus den Landkreisen Altötting und Berchtesgadener Land bekannt. Für Menschen besteht keine Gefahr. Auch Fleisch, Milch und Milchprodukte können ohne Einschränkungen verzehrt werden.

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