Grassau – Zufrieden zeigten sich Thomas Lecke-Lopatta und Anna Kraus, die vor einem Jahr die Führung übernommen haben. Viele neue Ideen haben die zwei, sind stolz auf das Erreichte und weiterhin voller Tatendrang.
„Integration ist nie einseitig“, sagt der Vorsitzende Thomas Lecke-Lopatta. Es müsse die Menschen geben, die sich integrieren wollen, aber auch die, die Integration ermöglichen. Seit knapp 40 Jahren gibt es in Grassau die Gemeinschaftsunterkunft und seither ein unaufgeregtes Miteinander.
Viele haben
sich integriert
Viele, die vor vielen Jahren als Geflüchtete Asyl, Schutz und Perspektive gesucht haben, fanden diese, stehen mitten im Leben, arbeiten, haben sich integriert. Die Angebote des Vereins, neben den Sprachkursen auch der „Kleiderschrank“ und die Radlgarage, fördern Integration und helfen.
Beide Einrichtungen laufen sehr gut, dies bestätigt Anna Kraus, zuständig für den Kleiderschrank. Zu ihrem engagierten Team gehören auch ukrainische Frauen, die beim Verkaufen, Sortieren, der Präsentation und vielem mehr helfen. Und doch könnten es noch mehr helfende Hände sein, mehr jüngere modeaffine Frauen oder Männer, die gerne ihre Freizeit sinnvoll investieren. „Man bekommt so viel zurück. Geben ist wirklich seliger als nehmen“, sagt Anna Kraus.
Sie sieht ihren Laden nicht als Sozialkaufhaus, vielmehr als einen gut sortierten Secondhand-Laden mit sozialer Ausrichtung. „Wir bekommen sehr viele hochwertige Markenwaren gespendet, die ein zweites Leben verdienen.“ Auch im Sinne der Nachhaltigkeit sollte die kaum getragene Bekleidung nicht weggeworfen werden.
Mit welcher Liebe der Kleiderschrank mit Leben gefüllt wird, zeigt sich an der Dekoration, an der Präsentation modischer Accessoires. Mittlerweile werden auch Haushaltsartikel, wie Porzellan und Gläser, angeboten. Jeder, alteingesessener oder neuer Grassauer, darf im Kleiderschrank einkaufen.
Da der Kleiderschrank keine kommerzielle Einrichtung ist, mit den Einnahmen jedoch viele Aktionen und Projekte des Vereins Integer finanziert werden, werde von Menschen mit mehr finanziellen Möglichkeiten über den Mindestpreis hinaus eine Spende erbeten. Gerne würde man die Öffnungszeiten des Kleiderschranks ausweiten. Doch dafür fehlt noch Unterstützung. Dafür fehlt es aber nicht an modischer Sommerware. „Wir haben uns eine Sommerschlussaktion für den Kleiderschrank und die Radlgarage ausgedacht“, so Lecke-Lopatta.
Fahrräder werden in der Radlgarage im vierzehntägigen Rhythmus verkauft, das nächste Mal am 13. September. Sommerware ist montags von 9 bis 11 Uhr und mittwochs von 15 bis 17 Uhr, in der Bahnhofstraße 108, 3. Stock, im Angebot. „Wir brauchen dringend Platz für die Herbst- und Wintermode“, so Anna Kraus.
Zurückblickend auf das erste Jahr als Vorsitzender ist Lecke-Lopatta sehr zufrieden. Vor allem die wichtige Kooperation mit der Grassauer Schule laufe sehr gut und trug im vergangenen Jahr bereits Früchte in Form eines gemeinsamen Festes, bei dem die Schüler ihr internationales Kochbuch vorstellten.
Überhaupt liegt dem Vorsitzenden die Jugend sehr am Herzen. So gelang es, ein Theaterprojekt „Kleine Bühne Achental“ ins Leben zu rufen. Die junge Schauspielerin Lorena Steffl engagiert sich und leitet die Kinder und Jugendlichen. Gefördert wurde vom Verein auch das Theaterprojekt an den Grundschulen Grassau und Staudach-Egerndach.
„Wir müssen es schaffen, mehr junge Leute ins Ehrenamt zu bekommen. Dafür braucht es aber auch Angebote, die die Jungen interessieren“, weiß der Vorsitzende. Verschiedene Veranstaltungsreihen sind geplant, für deren Durchführung junge Leute benötigt werden.
„Einer der emotionalsten Momente im vergangenen Jahr war das überkonfessionelle, überparteiliche Fastenbrechen am Tag der offenen Tür“, erinnert sich Lecke-Lopatta. Das Miteinander, das gemeinsame Feiern und Genießen stand dabei im Mittelpunkt.
Lecke-Lopatta möchte, dass Integer mehr in den Achentalraum rückt, mehr Integration über die Gemeindegrenzen hinaus bietet und dies nicht nur Geflüchteten, sondern auch Menschen mit Migrationshintergrund sowie Menschen mit Behinderung. Hierfür soll auch die neue Reihe „Zuhören – die kleine Schule der Demokratie“ dienen, die sich mit Diskussionsbeiträgen auch an junge Menschen richtet. „Wir driften gesellschaftlich auseinander und das darf nicht sein“, sagt Lecke-Lopatta.
Eine weitere Veranstaltungsreihe und diese dann explizit für junge Leute sind Partys in den Sheddachhallen. Im Achentalraum gibt es kaum Möglichkeiten für junge Leute, zu feiern, zu tanzen, sich ohne Handy zu treffen. Dem möchte der Verein Integer mit diesem Angebot abhelfen. Gespräche diesbezüglich wurden schon geführt und man sei auf einem guten Weg, so der Vorsitzende.
Dies sind konkrete Vorhaben des Vereins. Doch gäbe es noch so viel mehr. Geplant ist zudem ein Repair-Café, eine Möglichkeit, altes Gerät wieder zum Laufen zu bringen, anstatt es wegzuwerfen. Auf die Reparatur kann dann mit einer Tasse Café und Gesprächen gewartet werden. Hierfür werden handwerklich begabte Menschen gesucht, die mitwirken wollen und etwas Zeit erübrigen können.
Begabte
Menschen gesucht
Weiterhin werden begabte Menschen gesucht, die sich im Nähstüberl oder im Werkraum sowie im Musikzimmer einbringen wollen. Alle drei Räume sind gut ausgestattet und warten darauf, genützt zu werden.
Es gibt noch so viel zu tun und doch ist ein weiteres Projekt bereits umgesetzt worden: das gemeinsame Gärtnern an der Gemeinschaftsunterkunft. Wie der Vorsitzende beschreibt, brauchte es nicht viel, um die Bewohner zum Gärtnern zu animieren, nur ein paar Hochbeete und ein paar Gartengeräte.
Von vielen Spaziergängern und Radfahrern werden die Hochbeete mit dem unterschiedlichsten Gemüse bewundert. Gepflegt und gehegt werden die Hochbeete besonders von einer syrischen Familie mit grünem Daumen.