Prien-Stock – Die Chiemsee-Schiffsprozession präsentierte sich als modernes Gegenstück zu den traditionellen Prozessionen, bei denen bis 1971 Menschen in „Klosterrennen“ über den See zur Fraueninsel ruderten. Das Fahrgastschiff „MS Edeltraud“ brachte gut 250 Menschen zu einem Gottesdienst auf dem Wasser, ein besonderes Erlebnis, bei dem die „Fatima-Pilgermadonna“ im Mittelpunkt stand. Die mit Blumen geschmückte Marienfigur strahlte hinter dem Altar auf dem Oberdeck im Sonnenlicht. Die Gottesmutter Maria erschien 1917 in Fatima drei Hirtenkindern und offenbarte sich als „Unsere liebe Frau vom Rosenkranz“, indem sie zu Umkehr, Buße und täglichem Rosenkranzgebet aufrief. Die Initiative „Deutschland betet den Rosenkranz“ erwarb die Statue der „Fatima-Pilgermadonna“ aus Portugal, die mit Reliquien der Seherkinder Jacinta und Francisco ausgestattet ist.
Martin Strasser, Leiter des Pfarrverbandes Oberes Achental und Initiator der Neuauflage der Schiffsprozession, begrüßte an der Statue auf dem Oberdeck die Teilnehmer, darunter Priester, Ordensschwestern und -brüder aus der Region. Er erinnerte an das heilige Jahr 2025 und bezeichnete die Anwesenden als „Pilger der Hoffnung“, entsprechend dem Motto des heiligen Jahres.
Pfarrer Thomas von Rechberg, Leiter des Pfarrverbands Siegsdorf-Eisenärzt-Hammer, wählte für seine Predigt die Geschichte eines jungen Soldaten, der am 4. Mai 1945 über den dunklen Chiemsee floh. Nur von einem Stern geleitet, hörte er nach Stunden die Glocken der Fraueninsel und erkannte, dass der Krieg vorbei war. Von Rechberg nutzte diese Geschichte als Gleichnis für die sieben Punkte der Nachfolge Jesu: Aufbrechen, sich orientieren, dem eigenen Leitstern folgen. Er betonte, dass die Nachfolge Jesu nicht das Kreuz des Lebens nehme, sondern es fruchtbar mache. Pfarrer Martin Strasser dankte abschließend für einen „Gottesdienst zum Genießen“.
Die Formation „Gleichklang“ aus Obing gestaltete die Schiffsprozession musikalisch mit Gitarren, Keyboard und Gesang. Gemeinsam sangen die Pilger neue geistliche Lieder und Marienlieder. Nach dem Gottesdienst setzten die Pfarrer das Allerheiligste aus und begannen die Anbetung, während Kapitän Otto Strasser die MS Edeltraud zur Fraueninsel steuerte, wo die stimmungsvoll beleuchtete Fatima in der Dämmerung zu sehen war.
Am Anleger in Prien-Stock stellte Manfred Benkert aus Altötting die Initiative „Deutschland betet Rosenkranz“ vor. Er erklärte, dass die Fatima-Statue durch Deutschland reist, um öffentliche Zeichen des Gebets zu setzen und Deutschland sowie die Welt der Gottesmutter Maria anzuvertrauen.
Jeden Mittwoch um 18 Uhr betet die Initiative an zentralen Orten den Rosenkranz. Pfarrer Strasser bedankte sich am Ende des Abends bei Gitti Winkler und ihrem Team für die Vorbereitung der Prozession sowie bei den vielen Helfern und der Chiemsee-Schifffahrt. Die Teilnehmer beleuchteten mit Kerzen den Weg über den Steg, über den die Pfarrer die Fatima zum Fahrzeug begleiteten.
Ludwig Flug