Seeon-Seebruck – Keine drei Wochen ist es her, dass das Landratsamt Traunstein als untere Naturschutzbehörde ein Verfahren einleitete, dass die „Betreten Verboten“-Schilder am Badeplatz Malerwinkel entfernt werden könnten. Es klang zunächst nach einem langwierigen Prozess.
Schreiben vom
Landratsamt
Das Traunsteiner Landratsamt informierte unsere Zeitung: „Seitens des Grundeigentümers erging die Mitteilung, dass er bereit ist, die Sperrschilder und den Zaun zum See zu beseitigen, und dies veranlassen wird. Das Landratsamt wird kontrollieren, ob die Sperre des Ufergrundstücks tatsächlich beseitigt wurde.“
Am Donnerstag, 4. September, waren die auffälligen gelben Schilder noch immer angebracht – jedoch mit einem ebenso auffällig gelben wie wirkungsvollen Klebeband modifiziert. „Privatgrundstück“ ist dort in schwarzen Buchstaben noch zu lesen. Mehr nicht. Also kein Betretungsverbot mehr? Die Wiese ist leer, Radbegeisterte fahren immer wieder zwischen Liegewiese und altem Hotel auf dem Chiemseeradrundweg vorbei.
Der Test: Handtuch ausgeworfen, rein ins Wasser. Der Weg in tiefere Chiemsee-Gefilde ist durch größere Steine am Grund etwas erschwert. Die Abkühlung bei strahlendem Sonnenschein im bayerischen Meer wie immer herrlich. Noch mal den Kopf unter Wasser tauchen, dann geht‘s wieder raus. Das Handtuch liegt noch da, die Wiese ansonsten leer.
Ein aufblasbares Kanu nähert sich am Steg entlang der Wiese. Das jetzt nicht mehr paddelnde Pärchen steigt aus, leert das Kanu und erfrischt sich im kühlen Nass.
Zwei Frauen halten ihre motorisierten Drahtesel kurz an, blicken auf die malerische Liegewiese, fahren dann aber weiter. Auch nach einer halben Stunde taucht niemand auf, um auf ein Betretungsverbot hinzuweisen.
Bereits Ende August erlebte Stefan Engelsberger einen seiner „schönsten Badetage des Lebens“. Der Chef der Umweltschutzorganisation Wildfleck hatte sich an das Landratsamt Traunstein gewandt, um auf das bayerische Recht auf die Nutzung der Natur hinzuweisen. Über sein Badeerlebnis am Malerwinkel schreibt Engelsberger dem OVB: „Weder Hausmeister noch Polizei ließen sich blicken und ich konnte für einige Stunden ein Gefühl für die Natur herum bekommen. Es kamen dann auch andere Leute auf die Wiese. Es war wie früher sehr chillig. Man hörte nur ein leises Rauschen des Windes, der Verkehr hinten ebbte ab.“
Warum jetzt alles so schnell ging und das Betretungsverbot vom Grundstückseigentümer innerhalb von drei Wochen kassiert wurde, bleibt unklar.
Bürgermeister
als Vermittler?
Franz Hofmann, Raiffeisenbank-Vorstand und zugleich Geschäftsführer der Hotel-Restaurant „Malerwinkel“ GmbH, war für ein Treffen vor Ort verhindert und antwortete bisher nicht auf eine OVB-Anfrage zum Abkleben der Schilder. Seeon-Seebrucks Bürgermeister Martin Bartlweber dürfte als Vermittler einen Einfluss gehabt haben, dem OVB schrieb er Ende August: „Aufgrund der derzeitigen Prüfung durch das Landratsamt, ob ein Zugang zum See ermöglicht werden muss, haben wir als Gemeinde noch einmal mit dem Grundbesitzer Kontakt aufgenommen und zur Beruhigung der Situation um Öffnung gebeten.“