Bernau/Chiemgau – Trotz Durchfahrtsverbote für den Ausweichverkehr schlängelte sich an einem Freitag Ende August eine bunte Blechlawine durch ganz Bernau. Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber war Augenzeugin der unfreiwilligen Autoschau, „mit lauter fremden“ Autokennzeichen. Sie genoss ein Eis in der Chiemseestraße, der – zum Leidwesen der Bernauer Bevölkerung – beliebten Ausweichroute nach Aschau. Die Rathauschefin griff gleich zum Handy und verständigte die Priener Polizeiinspektion. doch da war keine Streife zur Verfügung, die die Durchfahrtsbeschränkungen, wie es von Polizeiseite heißt, kontrollieren konnte.
Keinerlei Vorwurf
an die Polizei
„Da mache ich der Polizei aber keinerlei Vorwürfe“, betont Biebl-Daiber im Gespräch mit dem OVB. Dabei sieht sie es so, dass die bloße Anwesenheit der Polizei schon ausreichen würde, um als abschreckende Wirkung zu dienen und damit die Einhaltung der Abfahrverbote durchzusetzen. Biebl-Daibers Fazit nach knapp vier Wochen der neuen Regelung im Landkreis Rosenheim: „Es muss kontrolliert werden, dass es funktioniert.“ Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim beantwortet die Presseanfragen zum Thema. Bei der Polizeiinspektion Prien gibt es keine Auskunft zur Schilderung von Bernaus Bürgermeisterin. „Wir machen das aus dem täglichen Streifendienst heraus. Wenn eine Streife gebunden ist, kann sie nicht immer sofort zu den Ausfahrten fahren“, sagt Lisa Maier von der Pressestelle des Polizeipräsidiums. In manchen Fällen fährt auch eine Streife aus einem anderen Dienstbereich hin. Gut möglich, dass im Priener Bereich zu dem Zeitpunkt es einmal nicht funktioniert habe, weil eine Streife gebunden war.
„Im Großen und Ganzen ist es für uns aber gut umsetzbar“, zieht Maier ein Zwischenfazit, betont auch, dass die „Durchfahrtsbeschränkungen noch ganz frisch sind und wir erstmal schauen müssen, wie sich alles entwickelt und je nach Lage neu entscheiden.“ Sollte es zu mehr Aufwand führen, würde auch mehr Personal benötigt. Sobald es zu Stauungen kommt, wolle die Polizei vor Ort sein und Kontrollen durchführen.
Bisher seien Personen mündlich verwarnt und teilweise auf die Autobahn zurückgeschickt worden. „Wir wollen präventiv tätig werden und mit den Leuten sprechen, es ist für alle neu“, so die Polizeisprecherin und ergänzt: „Durch unsere Kontrollen soll keine zusätzliche Gefahr durch mögliche zusätzliche Stauungen entstehen. Wir hoffen, dass die Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer sich an die Beschilderung halten, dass wir nicht so viel kontrollieren müssen.“
Bernaus Bürgermeisterin Biebl-Daiber würde sich nach östereichischem Vorbild zusätzliche Hilfskräfte wünschen, die dann die Kontrollen übernehmen und so die Polizei entlasten. „Wenn die Kontrollen auch abgegeben werden könnten, wäre allen geholfen. Die Polizei kann das auf Dauer nicht immer und überall schaffen“, glaubt die Bernauerin. Der Aufschrei in der Bevölkerung sei verständlicherweise groß, wenn es trotz neuer Regelung nicht funktioniert. „Wir als Landkreis haben das jetzt als erstes erlassen, deshalb wird es eine gewisse Gewöhnungsphase brauchen.
Nur weil es jetzt einmal schief gegangen sei, ist Biebl-Daiber für eine klare Fortsetzung: „Unbedingt weitermachen und unbedingt auch ausbauen, auch unter der Woche, um auf Unfall- oder Baustellenereignisse reagieren zu können“. Jedoch im saisonalen Rahmen. Dass Berchtesgaden die Regelungen ebenfalls eingeführt hat, zeige, dass „wir nicht auf dem falschen Dampfer sind“. Dabei wisse sie, dass Bernau durch den Verkehr „generell unglaublich belastet ist“. Der Ort habe alles: Autobahn, Bundesstraße, Kreisstraße und Eisenbahn. Auch die B305 sei ein großes Problem. Einzige Lösung sei nur eine Untertunnelung, „aber das ist unbezahlbar. Ich bin mir der Verkehrsproblematik auch total bewusst“, so Biebl-Daiber, die grundsätzlich dafür plädiert, dass sich alle überlegen sollten, ob sie für eine Strecke das Auto brauchen oder nicht. Zuletzt war die Situation um den Bernauer Bahnhof auch Thema im Gemeinderat, da dieser auch „völlig überlastet“ sei. „Bernau ist der erste Halt im MVV, deshalb ist der Parkplatz voll. Ich hoffe, dass der Landkreis Traunstein dem MVV beitritt, dann sind ganz viele Pendler, die jetzt in Bernau parken, in Übersee“, sagt Biebl-Daiber. Dazu komme aber generell das Problem, dass die Bahn zu unzuverlässig sei und für sehr viele das Auto noch alternativlos ist. Die Bürgermeisterin hat das Thema Verkehr und Mobilität im Blick, wenn auch nicht immer aus der ersten Reihe bei einer Kugel Eis.