Chieming/Chiemsee – Der Chiemsee und seine umliegende Naturlandschaft sind nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Touristen, sondern auch ein artenreicher Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Aus diesem Grund wird dem Umweltschutz auch bei den Feuerwehren ein hoher Stellenwert beigemessen. Vor wenigen Tagen simulierten Spezialkräfte der Feuerwehr in einer mehrstündigen Übung einen Ölaustritt auf dem See, um die Abläufe zur Schadensbeseitigung zu trainieren. Eine zentrale Rolle spielte dabei das neue Feuerlöschboot, das der Landkreis Traunstein in Zusammenarbeit mit dem Freistaat Bayern beschafft hat.
Einsätze
keine Seltenheit
Kreisbrandrat Christof Grundner, der die Übung federführend ausgearbeitet hatte, erklärte, dass die Feuerwehren rund um den See zwei- bis dreimal jährlich zu Ölwehreinsätzen gerufen werden. Meist handele es sich dabei um Verunreinigungen, die beispielsweise durch Unfälle auf der Autobahn verursacht wurden. Um für Schadensfälle mitten auf dem See gewappnet zu sein, wurde nun diese umfangreiche Übung durchgeführt.
Simuliert wurde ein größerer Ölverlust eines Motorbootes, dargestellt durch das Boot der Feuerwehr Übersee, das manövrierunfähig etwa 500 Meter vom Ufer entfernt trieb und einen Ölteppich verursachte. Beteiligt waren die Feuerwehren aus Chieming mit dem Feuerlöschboot, Waging mit einem Mehrzweckboot, Tacherting und Truchtlaching mit kleineren Booten, Traunstein mit der Ölschadensausrüstung sowie Übersee und Tacherting mit den Ölsperren.
Die Koordination der Einheiten erfolgte durch Martin Hölzle, Kommandant der Feuerwehr Chieming, der im „Kommandostand“ des neuen Bootshauses die Einsatzleitung übernahm. Kreisbrandinspektor Martin Schupfner und Kreisbrandmeister Albert Rieder unterstützten die Einsatzleitung seitens des Landkreises und sorgten für die Lagedarstellung und Dokumentation.
Nach dem Übungsbeginn rückte das Chieminger Feuerlöschboot „Flori“ aus, um sich ein Bild von der Lage und dem Schadensausmaß zu machen. Gleichzeitig führte die Bootsbesatzung eine Menschenrettung durch. „Je genauer wir das Schadensausmaß abschätzen können, desto zielgerichteter können die notwendigen Maßnahmen durchgeführt werden“, so Philipp Mittermaier, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Chieming und Abschnittsleiter auf dem See.
Parallel dazu begannen die Aktiven der Feuerwehr Traunstein am Ufer mit dem Aufbau einer Ölseparationsstelle. Hier kamen Spezialgeräte zum Einsatz, die es ermöglichen, Öl von Wasser zu trennen und in großen Behältern aufzufangen. „Diese Ausrüstung wird normalerweise bei Hochwassereinsätzen benötigt, wenn sich Heizöl und Wasser in Kellern vermischt haben“, erklärte Christian Schulz, Abschnittsleiter der Ölseparationsstelle. „Aber die Technik funktioniert natürlich auch bei solchen Aufgaben.“
Wenige Meter weiter begannen die Einsatzkräfte aus Tacherting und Übersee mit dem Zusammenbau der Ölsperren, die vom Landkreis Traunstein beschafft wurden. Anschließend wurden die Schläuche mit den kleineren Booten zur Schadensstelle gezogen und in Position gebracht. Nach etwa 45 Minuten war der Ölteppich samt dem verursachenden Boot eingekreist und die Gefahr einer weiteren Ausbreitung gebannt.
Nun konnte mit dem Absaugen des Ölfilms begonnen werden. Dazu wurde auf dem Chieminger Feuerlöschboot ein Sauger samt Auffangbehälter installiert. Ein 1000 Liter fassender Behälter wurde auch auf dem Boot der Feuerwehr Waging installiert, in den das Öl-Wasser-Gemisch gepumpt und zur Separationsstelle an Land transportiert wurde. Die kleineren Boote aus Truchtlaching und Tacherting kümmerten sich um die fortlaufende Positionierung und Verankerung der Ölsperren.
Nach rund drei Stunden intensiven Übens konnten die Verantwortlichen ein positives Fazit ziehen. „Dank der Ausrüstung und modernen Technik ist ein solches Szenario seitens der Feuerwehren rasch in den Griff zu bekommen“, freute sich Christof Grundner. Er betonte jedoch auch, dass es bei der Ausrüstung und Einsatzplanung noch Verbesserungspotenzial gibt. Chiemings Bürgermeister Stefan Reichelt, der selbst als Einsatzkraft an der Übung teilnahm, unterstrich die Bedeutung eines effektiven Umweltschutzes für die Chiemseegemeinden am Ostufer, insbesondere aufgrund der häufigen Windrichtungen. Seiner Meinung nach sind die passende Ausrüstung sowie das Wissen und die Fertigkeiten der Einsatzkräfte gleichermaßen wichtig. „Daher bin ich sehr dankbar, dass die Kreisbrandinspektion zusammen mit unserer Feuerwehr diese Übung durchgeführt hat“, so Reichelt.