Traunstein – „In jedem anderen Landkreis gibt es das schon, nur in Traunstein nicht. So viele Leute schmeißen alles in den Restmüll“, schreibt vor sieben Jahren eine Leserin an die Chiemgau-Zeitung und wundert sich, warum im Landkreis Traunstein noch keine gelben Säcke oder eine gelbe Tonne eingeführt wurde. Geändert hat sich seitdem nichts.
Großer
Aufwand
Immer noch bringen Bürger ihre Plastikabfälle zum nächstgelegenen Wertstoffhof, nachdem sie zu Hause akribisch ihren Müll getrennt haben: Hohlkörperflaschen, Styropor, Verbundverpackungen, Pe-Folien, Hartplastik, sonstige Verpackungen – was tut man nicht alles für die Umwelt. Dazu kommen Papier, Weißblech, Glas – von Vorteil: genügend Platz, um seine Abfälle entsprechend aufzubewahren, bis die nächste Fahrt zum Wertstoffhof ansteht. Das nächste Problem: Was tun, wenn man kein Auto hat oder aufgrund von Alter oder Handicap nicht mobil ist?
„Gerade für ältere oder weniger mobile Menschen kann die Abfallentsorgung eine Herausforderung sein.“ Auch Traunsteins Landrat Andreas Danzer (FW) ist sich der Problematik bewusst. Auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung bestätigt er, dass sich zahlreiche Bürger an ihn gewandt hätten, mit der Bitte um Einführung einer gelben Tonne oder gelber Säcke. Ein Blick in die Nachbarlandkreise zeigt verschiedene Möglichkeiten auf:
Im Landkreis Rosenheim gibt es über das Stadtgebiet verteilt sogenannte Wertstoffinseln an insgesamt 71 Standorten. Hier können neben Gartenabfällen, Glas und Papier auch Plastikabfälle entsorgt werden. Immer noch kein Holsystem, aber doch für viele fußläufig die Möglichkeit, den Müll wegzubringen. Eine Petition für einen gelben Sack ist 2021 gescheitert. Alle zwei Wochen wird im Landkreis Altötting der gelbe Sack abgeholt und auch im Berchtesgadener Land gibt es ein Abholsystem.
Nun soll auch im Landkreis Traunstein noch mal geprüft werden, ob die Einführung von gelben Säcken oder einer gelben Tonne sinnvoll ist: Daher hat Landrat Danzer die zuständige Fachstelle im Landratsamt mit einer umfassenden und ergebnisoffenen Prüfung und Aufbereitung des Themas beauftragt. Auf dieser Grundlage wird das Thema gegebenenfalls zunächst in den Kreisgremien und anschließend mit den Kommunen beraten Es handle sich laut Landratsamt um eine grundlegende und weitreichende Entscheidung, die sorgfältiger Beratung bedürfe. Auch die Einführung der Biotonne im Jahr 2020 wurde vorher lange diskutiert, mittlerweile würde sie bereits gut angenommen werden: „Der aktuelle Anschlussgrad liegt bei rund 53 Prozent und steigt weiter an.“
Kompostierung
im eigenen Garten
Da die Biotonne ohne Mehrkosten angeboten wird, so der Sprecher des Traunsteiner Landratsamtes weiter, würden sich zunehmend mehr Haushalte für diese Möglichkeit entscheiden. Dass nur etwa jeder zweite Haushalt eine Biotonne aufstellt, obwohl dies eigentlich verpflichtend gedacht war, liegt womöglich auch daran, dass viele Bürger weiterhin die Eigenkompostierung im Garten vorziehen. Inwieweit künftig auch der Plastikmüll vor der Haustüre abgeholt wird, ist nach wie vor nicht entschieden.