„Wen retten wir zuerst?“

von Redaktion

Übung für den Ernstfall: Wasserwacht und Feuerwehr in Prien im Großeinsatz

Prien – Hilfeschreie gellen über den Chiemsee. Eine Frau in gelber Jacke winkt hektisch. Minuten später ist Hochbetrieb am Seeufer und auf dem See: Vier Boote, je zwei von Wasserwacht und Feuerwehr, zwei Einsatzleiterfahrzeuge, ein Lösch- und ein Mehrzweckfahrzeug tummeln sich um den Steg der Familie Reiter. 29 Wasserretter, Sanitäter, Bootsführer und Feuerwehrleute aller Altersklassen machen sich zügig ans Werk. Da können sich die Wasserschutzpolizisten auf den Beobachterposten zurückziehen.

Werner Vietz ist am Donnerstagvormittag bestens gelaunt. Samuel Witt auch. Die Einsatzleiter der Wasserwacht Prien-Rimsting und der Feuerwehr Prien sind höchst zufrieden mit der vorabendlichen Arbeit ihrer Einsatzkräfte.

Es dauerte gerade eine Zigarettenlänge, da waren die vier Verunglückten in Sicherheit am Ufer, das brennende Boot war gelöscht.

„Gewinnbringend
für alle Teilnehmer“

Die Großübung war erfolgreich über die Bühne gegangen. „Es war eine sehr, sehr gute Übung“, sagt Witt, der Kommandant der Priener Feuerwehr, am Tag danach. „Gewinnbringend für alle – das machen wir nächstes Jahr wieder“, so Vietz‘ zufriedene Bilanz.

Gewinnbringend auch, weil sehr realitätsnah. „Wir hatten schon mehrere Bootsbrände“, sagt Witt. Die Feuerwehr sei zwar nicht ganz so oft auf dem See, wie die Wasserwacht, „aber doch recht häufig.“

Gewinnbringend auch, weil jetzt jeder Wasserwachtler und Feuerwehrler wieder weiß, wie umständlich das mit den drei verschiedenen Funkgruppen ist. „Ich muss einem Feuerwehrler sagen, was kommuniziert werden soll und der gibt es dann weiter“, schildert Vietz die seit einigen Jahren bestehende Lage.

Zuvor gab es zwei Kanäle und im Einsatz konnte auf einen gemeinsamen umgeschaltet werden. Das allerdings hat der Landkreis Traunstein, der zuständig für die Fläche des Chiemsees ist, geändert. „Wichtig war das für die Jungen, die alten Hasen wissen‘s eh“, sagt Vietz. Die Verständigung haben sie geregelt bekommen, die Retter.

Und ihre Aufgabe nach Ansicht der Vertreter der Kreisbrandinspektion Rosenheim und des Wasserwacht-Kreisverbandes sehr engagiert und effizient erledigt. Knackpunkt waren die Prioritäten, erklärt Vietz. Ein brennendes Boot mit zwei Personen, zwei Menschen im Wasser – wen rettet man zuerst?

Die Mannschaft von der Wasserwacht steuerte zunächst auf die im Wasser Treibenden zu. Die waren bei 18 Wassertemperatur in gut einen halben Zentimeter dickes Neopren gehüllt, winkten ihre Retter weiter, bekamen Rettungsmittel zugeworfen – „da geht alles, was Auftrieb hat“, so Vietz‘ Tipp für potenzielle Ersthelfer – und wurden später eingesammelt.

Derweil war die Feuerwehr mit ihrem großen Boot schon beim brennenden E-Bötchen, löschte die Flammen und übergab die Havarierten ans Wasserwachtboot. Ab ans Ufer und bei den Sanis abgeliefert.

All das ging so zügig, dass die Jugendfeuerwehrler im zweiten Feuerwehrboot staunten – und die vereinzelten Zuschauer am Ufer auch.

„Das war wirklich gelungen“, so ein zufriedener Feuerwehrkommandant Witt. Der sehr froh um das „tolle Verhältnis“ zu Wasserwacht und Wasserschutzpolizei ist. „Wir arbeiten auf Augenhöhe.“ Bei Übungen und im Ernstfall, so das Fazit des Abends.

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