Vom Todeskampf ins Katzenglück

von Redaktion

Zwei Kitten kämpfen sich zurück – Lebenswille entscheidet

Unterwössen – Die stellvertretende Vorsitzende des Tierschutz-Rings Traunstein, Annette Hofmann aus Unterwössen, ist seit 15 Jahren ehrenamtlich für das Tierwohl tätig. Vorwiegend Katzen in Not unterstützt sie für ein glückliches Weiterleben. Die jüngste und aufregende Geschichte begann in der Gemeinde Petting mit einem Drohnenüberflug der Rehkitzretter vor der Mahd einer Wiese durch den zuständigen Landwirt vor gut drei Monaten. Von der Drohne wurde in der Wiese tatsächlich etwas Verdächtiges entdeckt.

Kitten statt
Rehkitze

Allerdings keine Rehkitze, sondern zwei frisch geborene Katzenbabys, die auch „Kitten“ genannt werden, wie Hofmann erklärt. Sogar die Nabelschnur hing noch an den Babys. „Eigentlich hofften die Rehkitzretter, dass die Katzenmutter nach der Mahd wieder zurückkommt und sich um ihre Kitten kümmert, doch die Kätzin kam nicht mehr zurück“, erzählt Hofmann.

Die Rehkitzretter brachten die beiden Neugeborenen zu einer tierlieben Frau nahe am Fundort. Sie nahm sich der beiden an und kümmerte sich einen Tag und eine Nacht liebevoll um die beiden. Doch es war ihr nicht möglich, im festen Zwei- bis Drei-Stunden-Rhythmus Tag und Nacht die beiden Kätzchen weiterhin zu betreuen, deshalb nahm sie Kontakt zum Tierschutz-Ring auf. So kam es, dass sich Hofmann auf den Weg machte und die beiden Winzlinge, die später die Namen Elio und Joey bekamen, übernahm.

„Möglich war dies nur, weil mich meine Tochter Isabella unterstützt hat und ich die Katzen auch an meine Arbeitsstelle, den Wittich-Verlag in Marquartstein, mitnehmen kann“, betonte Hofmann. Ein Versuch, Viktoria – eine weitere Pflegekatze im Hause Hofmann, die erst kürzlich mit ihren vier Kitten ins Katzenzimmer eingezogen war und diese noch säugte – als Amme einzusetzen, scheiterte. Die erste Woche lief noch gut, die beiden jungen Kätzchen tranken ihre Mutterersatzmilch mit dem Fläschchen und nahmen auch entsprechend gut zu.

Doch dann kam der Einbruch und schon hing das Leben der beiden Kätzchen am seidenen Faden. Die Trinkmenge war nicht mehr ausreichend, sie nahmen ab, hatten sichtlich Bauchschmerzen und verloren nach und nach ihr gesamtes flauschiges Fell. Die Tierärztin war entsetzt, als der
Giardientest positiv war. Dass Kitten mit einem Alter von wenigen Tagen an Giardien litten, erlebte die Veterinärin das erste Mal. „Giardien sind einzellige Darmparasiten, die unbehandelt in diesem Alter zum Tod führen könnten. Es war ein schwerer Schritt – wir wussten, wie groß das Risiko war, dass sie das Medikament gegen die Parasiten nicht vertragen würden. Doch wir hatten keine andere Wahl. Die Sorge war riesig. Umso größer war unsere Erleichterung, als sie es gut überstanden haben“, erinnert sich die Tierliebhaberin. „Leider ist das Immunsystem von Kitten, die ohne Muttermilch aufgezogen werden, geschwächt, was zu Komplikationen wie Giardien, Katzenschnupfen und anderen Krankheiten führen kann.“ „Es war eine Zeit voller Sorgen, schlafloser Nächte und körperlicher Erschöpfung – eine Phase, in der jeder Tag ein neuer Kampf ums Überleben war. Elio und Joey waren so klein, so zerbrechlich, und doch leuchtete in ihnen etwas, das man nicht fassen, nur spüren konnte: ein unerschütterlicher Lebenswille. Ohne diesen inneren Antrieb hätten sie es nicht geschafft“, ist sich Hofmann sicher.

Elf Wochen nach ihrer Geburt und dem Tag ihrer Findung hatten die beiden Kätzchen schon enorm an Körpergewicht zugelegt. Sie wogen mittlerweile 1100 Gramm, eine ausgewachsene Katze wiegt zwischen vier und fünf Kilogramm, erklärt die Katzenretterin. „Vor zwei Wochen ist es nun geglückt, für Elio und Joey ein neues Zuhause bei einer tierlieben Familie in Hinterwössen zu finden. Ida, die Tochter im neuen Heim der Kätzchen, fand Gefallen an den schwarz-weiß gefleckten Stubentigern. Sie wurden auf Findus und Balu umbenannt und haben dort nun ein wirklich schönes Katzenleben vor sich“, so Hofmann.

Bei den Hofmanns herrscht dadurch aber kein Katzenmangel. Vor vier Jahren wurde eine Katzenmutter von sieben Katzenbabys von einem Auto überfahren, sagt die Tierliebhaberin. „Wir haben die sieben Babys an zwei Pflegestellen vermittelt, Isabella und ich haben damals drei dieser zehn Tage alten Kätzchen mit der Flasche groß gezogen. Für fünf Kitten fanden wir liebevolle Familien, zwei behielt ich selbst: Fiona und Stella.“ Die beiden Katzen sind auch gegenüber Fremden sehr zutraulich und wenig scheu, weil sie durch die Flaschenaufzucht im Baby-Alter besonders an Menschen gewöhnt wurden.

Annette Hofmann ist eine von derzeit 17 Pflegestellen des Tierschutz-Rings Traunstein. Bei den Pflegestellen sind die Katzen vor allem in Sicherheit. „Unser komplettes Pflegestellenteam arbeitet ehrenamtlich aus Leidenschaft und Liebe zu den Tieren. Leider kommt es immer wieder vor, dass Tiere ihr Zuhause verlieren, weil sich ihre Besitzer nicht mehr um sie kümmern können oder wollen. Auch für diese Tiere ist es tröstlich, erst einmal bei uns ein Zuhause auf Zeit zu finden“, sagt Hofmann.

50 Katzen in
17 Pflegestellen

Insgesamt sind die beiden Vorsitzenden Annette Hofmann und Petra Mayer als Vertreterinnen des Tierschutz-Rings für bis zu 50 Katzen zuständig, die in 17 Pflegestellen im ganzen Landkreis verteilt untergebracht sind. „Wir sind ein eingetragener gemeinnütziger Verein mit ausschließlich ehrenamtlichen Helfern. Die Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar. Jeder Euro, der gespendet wird, kommt zu 100 Prozent den Tieren zugute.“

Artikel 1 von 11