Traunstein – Die Studenten sind längst in der Stadt, die Studiengänge laufen und erste Wohnheime sind fertig. Aber der eigentliche Campus Chiemgau hinter dem Traunsteiner Bahnhof wartet noch immer darauf, in die Höhe zu wachsen. „Bisher konzentrierten sich die Arbeiten auf vorbereitende Maßnahmen und Planung“, erklärt Michael Reithmeier, Pressesprecher des Landratsamtes, auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung. Viel Zeit in Anspruch genommen haben die Altlastensanierung des Grundstücks und die Untersuchungen, ob sich Bomben oder andere Kampfmittel aus dem Weltkrieg unter der Erde befinden. Gefunden wurde nichts.
Hochbau beginnt
im Frühsommer 2026
„Parallel wurden geothermische Erkundungsbohrungen zur Prüfung einer regenerativen Wärmeversorgung durchgeführt“, so Reithmeier. Bei der Stadt wurde im Juni der Bauantrag für das zentrale Lern- und Verwaltungsgebäude eingereicht. Auch die Güterhallenstraße ist bereits verschwunden. Sie wird später an die Gleise „hinüberverlegt“, damit ein großes Campus-Gelände entsteht. Bis wirklich die Bagger anrollen, wird es Frühsommer 2026. Dann entsteht die Tiefgarage für 620 Autos und das erste, sechsgeschossige Gebäude. Das höchste Bauwerk am Campus, gegenüber des Annette-Kolb-Gymnasiums, soll knapp 28 Meter hoch werden.
2028 oder 2029 soll der Campus in Betrieb genommen werden. Im Zentralgebäude werden Flächen für die IHK-Akademie, die Handwerkskammer und die Technische Hochschule Rosenheim entstehen. Insgesamt bietet der Campus künftig Platz für 500 bis 600 Studenten. Studiert wird in Traunstein aber schon längst, am Stadtplatz, im ehemaligen Sparkassen-Gebäude, und auch im früheren Ruhpoldinger Krankenhaus. Vor drei Jahren begann der erste Vollzeit-Studiengang E-Commerce und das berufsbegleitende Studium Maschinenbau mit Schwerpunkt Digitalisierung. Rund 300 Studenten sind schon jetzt in Traunstein eingeschrieben, dazu sind sechs Professoren tätig.
Die Kosten dürften bei 100 Millionen Euro liegen. Vom Freistaat Bayern kommt ein Zuschuss in Höhe von 30 Millionen Euro. Ein erstes, privates Studentenwohnheim ist ebenfalls schon eröffnet: an der Kreuzung Lerchen-
weg/Rupertistraße. Der Landkreis selbst baut zwischen Gesundheitsamt und Bahnhof ein Studentenwohnheim und auch das Vinzentinum in Ruhpolding wurde für Studentenwohnen umfunktioniert. Das größte studentische Wohnprojekt soll aber später auf dem Campus-Gelände an der Güterhallenstraße selbst entstehen. Dort sind 120 Wohnungen angepeilt.
Ein finanziell noch größeres Schwergewicht ist aber der Neubau der Berufsschule 1 an der Wasserburger Straße: 150 Millionen Euro nimmt der Landkreis dort in die Hand. Am ehemaligen Parkplatz wird die neue Berufsschule gebaut. Ist sie einmal in Betrieb, geplant zum Schuljahr 2029/2030, wird die alte abgerissen. „Zu den laufenden Arbeiten zählen die Umverlegung der Versorgungsleitungen für Strom, Trink- und Löschwasser sowie Glasfaser, der Umschluss der Stromversorgung an den neuen Trafo, der Baugrubenverbau und die beginnenden Aushubarbeiten. Zudem wird derzeit der Fahrradabstellplatz hergestellt“, so Landratsamts-Sprecher Michael Reithmeier.
Mit dem Rohbau wird im kommenden Frühjahr begonnen. Geplant ist auch eine Tiefgarage mit 158 Stellplätzen und eine Aula für 400 Personen. 2400 Schüler werden an der Berufsschule I von 80 Lehrern unterrichtet: Das Einzugsgebiet für die angehenden Bäcker, Informatiker, Schreiner, Elektriker oder Industriemechaniker reicht bis Ingolstadt. Was nach dem Abriss auf dem Grundstück der alten Berufsschule entsteht, hat der Landkreis noch nicht entschieden. Sowohl beim Campus, als auch bei der Berufsschule ist das landkreis-eigene Kommunalunternehmen „Chiemgau Invest“ der Bauherr.
Grundlegende
Sanierung
Auch direkt hinter der Baustelle Berufsschule wird investiert: Dort läuft seit Juni 2024 die Generalsanierung der Reiffenstuel-Realschule. Der Schulbetrieb ist seit Pfingsten 2024 vollständig in eine eigens errichtete Container-Schule verlegt worden. „Ziel ist es, das Schulgebäude grundlegend zu modernisieren – in seiner Bausubstanz, Raumstruktur, Energieeffizienz und Haustechnik“, heißt es aus dem Landratsamt. In den Sommerferien 2026 soll alles fertig sein. Die Kosten belaufen sich aktuell auf rund 30 Millionen Euro, wovon der Landkreis etwa 15 Millionen Euro als Eigenanteil trägt.