Boskop, Santana und Aloisius

von Redaktion

Überseer Fruchtsafthersteller presst jährlich rund 700000 Kilo Äpfel aus Privatgärten

Übersee Sie sind meist kleiner als im Supermarkt, mal gelb, grün oder rot – und sie stammen aus privaten Gärten, wo noch ein paar Apfelbäume stehen dürfen: Beim Überseer Fruchtsafthersteller Stöger füllen sich momentan die Schächte. Seit Anfang September hat man wieder die Pforten für Privatleute geöffnet, die ihre Äpfel und Birnen aus dem Garten sinnvoll an den Mann bringen wollen. „Die meisten kommen einfach mit großen Eimern und bringen uns zwischen 50 und 200 Kilogramm“, so Martin Stöger beim Besuch der Chiemgau-Zeitung.

Bis zu 450000 Liter
Saft für Private

Freilich, die Anlieferung aus den Privatgärten macht beim Überseer Familienbetrieb nur einen kleinen Teil dessen aus, was insgesamt an Äpfeln gebraucht wird. Aber trotzdem sind es jedes Jahr zwischen 570000 bis 720000 Kilo, die so zusammenkommen – aber die kleinen Beiträge summieren sich eben auf. Ungefähr 450000 Liter lassen sich so pressen. Die Privatlieferanten bekommen im sogenannten „Lohnmosttausch“ Säfte ihrer Wahl ausgegeben: beispielsweise für vier Kilo Äpfel und 65 Cent Lohnmostgebühr einen Liter Saft. Das Guthaben kann über den Zeitraum eines Jahres Zug um Zug getauscht werden.

„Die Leute bringen uns in erster Linie Boskop, Jonagold, Santana oder roten Aloisius“, berichtet Martin Stöger, der kaufmännische Geschäftsführer. Durch die unterschiedlichen Sorten und Mengen kann es dadurch auch mal etwas süßer oder saurer sein. „Mal wird der Saft heller, mal dunkler. Das ist nur natürlich“, weiß Stöger. Druckstellen oder kleinere Löcher in den Früchten sind übrigens kein Problem. Nur faul dürfen die Äpfel nicht sein. Mit Maschinen und geübtem Auge wird die gelieferte Ware bei Stöger aber sowieso noch einmal durchkontrolliert.

Birnen werden hingegen kaum noch gebracht, machen vielleicht noch fünf Prozent aus. „Birnensaft ist inzwischen auch aus der Mode gekommen.“ Was den Stöger-Brüdern beim Blick in die Vergangenheit auch auffällt: Die Mengen, die die Privatleute aus ihren Gärten bringen, wurden drastisch weniger. Noch Anfang der 1990er-Jahre waren es über vier Millionen Kilo Äpfel. „Grund und Boden werden immer teurer. Und neue Immobilien bringen natürlich viel mehr Geld ein als Obstbäume“, so Martin Stöger. Oder die Streuobstwiese weicht dem Austragshaus.

Auch die Obstbäume der Region würden immer kleiner. Ein ausgewachsener Apfelbaum hat einen Ertrag von mehreren hundert Kilo, bei einem kleinen sind es noch 20 bis 30. Wie viel Ertrag die einzelnen Äpfel bringen, hängt auch vom Wetter ab. War der Sommer zu trocken, ist auch das Fruchtfleisch weniger spritzig. Für einen Liter Saft braucht es dann schon mal drei Kilo Äpfel statt anderthalb oder zwei. Ideal ist laut Stöger ein eher nasses Frühjahr mit warmen Wochen im Anschluss. Wie das Apfeljahr heuer ausfällt? „Das wird sich erst noch herausstellen, aber ich glaube eher durchwachsen.“

Mäßige Ernte
erwartet

Zusammen mit dem Landschaftspflegeverband Traunstein unterstützt Stöger die Bio-Apfel-Initiative, die sich für den Erhalt der Streuobstwiesen und die Förderung der Baumvielfalt einsetzt. Ziel der Initiative ist es, die traditionelle Obstkultur zu bewahren, indem alte Apfelsorten nachhaltig angebaut und gepflegt werden. Der Landschaftspflegeverband hilft privaten Obstbaumbesitzern, ihre Flächen ökologisch zu bewirtschaften und so die Biodiversität zu stärken. „Mit dieser Zusammenarbeit möchten wir einen Beitrag zur Erhaltung der regionalen Apfelvielfalt leisten und zugleich die ökologische Landwirtschaft fördern“, sagt Martin Stöger.

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