Gstadt – Nach zwei Männern wurde seit Mitte August im Chiemsee gesucht. Ein 39-Jähriger aus Schnaitsee konnte in dieser Woche bei Gstadt tot geborgen werden. „Die Kriminalpolizeiinspektion Traunstein übernahm die Todesermittlungen, Hinweise auf eine Beteiligung Dritter oder ein Fremdverschulden liegen derzeit nicht vor“, teilt die Polizei mit. Gefunden haben die Leiche Taucher der „Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft“ (DLRG).
Hilfe aus
Österreich
Dabei betont Axel Seiz, Leiter Einsatz der DLRG Traunstein-Siegsdorf, die Mannschaftsleistung: „Das ging nur über Teamwork, die Wasserwacht Breitbrunn hat unterstützt und auch die länderübergreifende Zusammenarbeit war super.“ Denn die Österreichische Wasserrettung (ÖWR) war ebenfalls an der Suche beteiligt, unter anderem mit einem Schleppsonar, das eine genaue GPS-Suche ermöglicht. „Dabei fährt ein Boot einen Korridor ab, das Sonargerät wird mit 80 Meter Abstand und fünf Meter über dem Grund nachgezogen. Damit kann jeder Punkt, jede unnatürliche Erhebung des Chiemseegrunds erkannt und danach abgetaucht werden“, so Seiz über die Technik, die letztlich zum Fund des Leichnams führte. Der entscheidende Sonarhinweis kam in einer der vielen Nachtschichten, die das Such-Team in den vergangenen Wochen vor allem am Wochenende leistete: „In der letzten Nachtsuche gab es einen sehr vielversprechenden Sonar-Aufschrieb. Danach haben wir den Taucheinsatz geplant, der extrem risikoreich und extrem gefährlich war.“
Ein Tauchgang in diese Tiefe dauere allein schon aufgrund der Abstiegs- und Aufstiegszeit relativ lange. „Tauchgeschwindigkeiten und Sicherheitsstopps müssen penibel eingehalten werden, sonst kann es auch zu einem lebensbedrohlichen Tauchunfall kommen“, so Seiz. Die Fundstelle lag „jenseits von Freizeittauchgängen“ bei über 40 Metern Tiefe. Die Entfernung zum Festland gab der Ehrenamtler mit 1170 Metern sehr exakt an. „Die Bergung eines Leichnams ist für uns Einsatzkräfte in keinem Einsatzszenario schön. Insbesondere aber für die Angehörigen des Vermissten ist auch diese Aufgabe von uns wichtig. Das Umfeld der Verstorbenen erhält leider nur auf diesem Weg Information über die Geschehnisse und die Möglichkeit auf eine würdevolle Bestattung“, so Seiz in einer DLRG-Meldung. „Wir sind erleichtert, jetzt die Person gefunden zu haben. Die Angehörigen wollen Abschied nehmen, das ist der Antrieb des gesamten Teams, weshalb wir weitergesucht haben“, sagt Seiz der Chiemgau-Zeitung. Pro Einsatz waren zehn bis zwölf Personen dabei. Neben den Nachtschichten, die nötig waren, da das Wasser dann ruhig war, trafen sich die ehrenamtlichen Kräfte zwei- bis dreimal nach der Arbeit unter der Woche.
Der Fokus des Suchteams lag in den vergangenen Wochen zunächst auf der vermissten Person vor Gstadt. Nun rückt die bislang erfolglose Suche nach dem 85-jährigen Surfer bei Übersee wieder ins Zentrum. Das Sonargerät wird von Gstadt nach Übersee gebracht.
Wie eine solche ehrenamtliche Tätigkeit im Detail abläuft, erklärt Andreas Rösch, Vorsitzender des DLRG-Ortsverbands München-Mitte und Pressesprecher: „Für die Personensuche verfügen die Wasserretter über bewährte Suchmuster wie die Kontrolle des Suchgebietes durch parallele Fahrt mehrerer Boote. Der Einsatzleiter passt die Vorgehensweise den konkreten Bedingungen vor Ort an. Kann ein Vermisster an Flüssen bereits abgetrieben sein, muss die Person am Chiemsee auch in größerer Tiefe vermutet werden. Daher wird Rösch zufolge seitens des Einsatzleiters Wasserrettung zunächst versucht, den Unfallort so genau wie möglich einzugrenzen. Davon ausgehend wird das Suchgebiet bestimmt.
Parallele Fahrten
mehrerer Boote
„Bei der Suche werden zunächst Geräte eingesetzt, die jede Ortsgliederung der DLRG besitzt. Später werden Spezialgeräte hinzugezogen. Es kommen Rettungsboote mit Sonargeräten, Boote der Wasserschutzpolizei und Taucher der Wasserrettung zum Einsatz“, so der DLRG-Sprecher.