Verdacht auf Munitionsaltlasten

von Redaktion

Straßensperrung auf der TS46 in Waldstück bei Sondermoning

Chieming – Zwischen Sondermoning und der Staatsstraße 2096 bleibt es Mitte September für rund zwei Wochen still: Weder Autos noch Radfahrer oder Spaziergänger dürfen die Kreisstraße TS46 und das angrenzende Waldgebiet betreten. Grund ist eine aufwendige Untersuchung, die das Wasserwirtschaftsamt Traunstein in Auftrag gegeben hat – durchgeführt von einer Spezialfirma, die sich auf militärische Altlasten spezialisiert hat.

Kriegsreste im
Boden vermutet

Das Verbot gilt bis zum 26. September und umfasst nicht nur die Straße, sondern auch den Wald beiderseits des Abschnitts. Hintergrund ist ein ehemaliger Sprengplatz, auf dem in der Nachkriegszeit größere Mengen an Munition unschädlich gemacht wurden. Dass dabei nicht alles restlos explodierte, ist heute ein Problem – denn im Boden könnten immer noch Blindgänger und Reste von Sprengstoffen liegen.

Im Amtsblatt begründet das Landratsamt die Maßnahme mit möglichen Risiken für die öffentliche Sicherheit. Zum einen bestehe die Gefahr, dass bei Erdarbeiten nicht detonierte Munition zur Explosion gebracht wird – gefunden wurden dort in der Vergangenheit Kampfmittel bis hin zu 250 Kilogramm schweren Bomben. Zum anderen könnten Sprengstoffreste über den Boden ins Grundwasser gelangen. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang vom „Wirkungspfad Boden-Grundwasser“.

Auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung erklärt das Landratsamt, dass es keinen akuten Vorfall gegeben habe. Vielmehr sei es eine geplante Maßnahme: „Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein hat eine sogenannte orientierende Untersuchung in Auftrag gegeben. Ziel ist es, mögliche Gefährdungen für Boden und Grundwasser auszuschließen oder zu bestätigen.“

Damit die Experten der Firma IBH Weimar – Militärische Rüstungsaltlasten GmbH ihrer Arbeit nachgehen können, werden einige der alten Sprengtrichter geöffnet. Mit Baggern wird der Oberboden abgetragen und untersucht. Dazu müssen auch einzelne Bäume gefällt werden. Sollte dabei tatsächlich Munition gefunden werden, können die Spezialisten die Funde sichern und abtransportieren.

Die Arbeiten sind heikel: „Im Falle einer Explosion durch die Untersuchungen könnte ein großer Schaden entstehen“, heißt es im Amtsblatt. Deshalb gilt für die Dauer der Maßnahmen ein striktes Betretungs- und Befahrungsverbot. Nur die eingesetzten Fachkräfte sowie Behörden dürfen den Bereich betreten.

Dass im Landkreis Traunstein noch immer Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg schlummern, ist kein Geheimnis. Wie das Landratsamt erklärt, gibt es – wie in vielen Regionen – mehrere bekannte Flächen, auf denen nach 1945 Munition vernichtet oder abgelagert wurde. „Diese Bereiche sind den Fachbehörden in der Regel bekannt und werden in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen bewertet. Wo konkrete Hinweise auf Gefahren bestehen, werden Maßnahmen eingeleitet“, so Pressesprecher Michael Reithmeier.

„Gefahr für Leben
und Gesundheit“

Das Landratsamt betont, dass es sich bei der Verfügung nicht um eine reine Vorsichtsmaßnahme handelt, sondern um eine notwendige Gefahrenabwehr. In der Allgemeinverfügung wird von einer „dringenden Gefahr für Leben und Gesundheit von Menschen“ gesprochen. Demnach überwiegt das öffentliche Interesse an der Sicherheit gegenüber den Einschränkungen für Verkehrsteilnehmer, Anwohner oder Waldbesucher.

Bis Ende September soll die Untersuchung abgeschlossen sein. Ob danach weitere Maßnahmen notwendig sind, hängt von den Ergebnissen ab – beispielsweise, ob Rückstände von Sprengstoffen im Boden festgestellt werden. Sollte sich der Verdacht erhärten, könnten weitere Maßnahmen notwendig sein.

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