Goldene Hochzeit von zwei Grassauern

von Redaktion

Christa und Wolfgang Wimmer feiern Familienglück und Handwerkstradition

Grassau – Christa und Wolfgang Wimmer feierten im Kreise ihrer Familie, mit sieben Enkelkindern und einem Urenkel, ihre goldene Hochzeit. Das Paar, das viele Jahre einen kleinen Betrieb zur Herstellung von Hornwaren führte, blickt auf eine schöne, aber auch arbeitsreiche Zeit zurück.

Die beiden Grassauer lernten sich bereits in jungen Jahren kennen. „Ich war 14 und mit meiner Mutter unterwegs, als wir den jungen Wolfgang, damals Anfang 20, in Uniform trafen. ‚Mei, ist der schee‘, sagte ich zu meiner Mutter und kündigte an, dass ich ihn einmal heiraten werde“, erinnert sich Christa. Wolfgang entgegnete verlegen: „Aber damals warst ma einfach zu jung“.

Einige Jahre später trafen sie sich beim Tanzen wieder. Wolfgang, ein guter Tänzer, forderte die damals 17-jährige Christa auf, die zum ersten Mal mit ihrer Mutter ausging. Doch dem stürmischen Tanz konnte sie nicht folgen und verließ Wolfgang mit den Worten: „Du kannst gar nicht tanzen“ auf der Tanzfläche.

Trotz dieses holprigen Starts fanden die beiden zusammen, verlobten sich zwei Jahre später und heirateten am 20. September 1975 vor Bürgermeister Konrad Strehhuber im Grassauer Rathaus. Gerne erinnern sie sich an die Hochzeitsfotos, die Hilde Normann im Grassauer Kurpark aufnahm. Die Trauung fand in der evangelischen Kirche in Marquartstein statt, gefeiert wurde in Staudach-Egerndach. Da es sich um eine Verbindung zweier Grassauer Einheimischer handelte, was eher selten vorkam, zog die Hochzeit viele Bekannte an.

Wolfgang Wimmer arbeitete beim Horndrechsler Flach in Grassau und erlernte das alte Handwerk. Er war der Letzte in Bayern, der seinen Meister als Horndrechsler machte. 1981, mit 34 Jahren, wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnete seinen Ein-Mann-Betrieb in Grassau. Die Auftragslage war gut, und die reich verzierten Pfeifen, Tabakdosen und Trachtenschmuck aus Horn waren begehrt. Doch bald drängte billige Konkurrenz aus dem Ausland auf den Markt und erschwerte die Situation für den Betrieb. Gemeinsam arbeiteten Christa und Wolfgang in der Werkstatt. Als die Nachfrage nach Pfeifen und anderen Hornartikeln sank, übernahm Wimmer die Produktion von Trillerpfeifen aus Horn, was für den kreativen Horndrechsler eher eine Notwendigkeit als eine Leidenschaft war. Seine Trillerpfeifen waren beliebt und wurden in alle Welt versandt. 2017 entschied sich Wolfgang Wimmer, stets von seiner Frau unterstützt, den Betrieb zu schließen, da er bereits 70 Jahre alt war.

In all den Jahren hielten die beiden auch in schwierigen Zeiten zusammen. Nun genießen sie ihr Glück mit ihren drei Töchtern, Schwiegersöhnen, sieben Enkelkindern und einem Urenkel. Besonders schön ist, dass alle in der Nähe wohnen und man sich oft trifft. Wenn die Enkelkinder draußen spielen, ruft Oma: „Passt auf das Auto auf!“ Und die Buben auf ihren Rädern antworten im Chor: „Ja, Oma, machen wir!“ So genießen die beiden ihren Ruhestand, auch wenn es gesundheitlich mal nicht so gut geht. „Zähne zusammenbeißen und durch“, so blicken sie auf die nächsten gemeinsamen Jahre.tb

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