Bergen – Um mobilitätseingeschränkten Bürgern ein Stück Unabhängigkeit zu ermöglichen, plant die Gemeinde Bergen die Einführung eines sozialen Fahrdienstes. Die Soziale Bürgerhilfe wird diesen Dienst übernehmen, der von Montag bis Freitag vormittags angeboten werden soll. Der Gemeinderat stimmte einstimmig zu, das Projekt zu unterstützen und die Kosten für Versicherung und Steuer des gespendeten Fahrzeugs zu übernehmen.
Bürgermeister Stefan Schneider erklärte, dass der Wunsch nach einem solchen Fahrdienst schon lange bestehe. Zwei Vereine, „Miteinander Mobil“ und die „Soziale Bürgerhilfe“, hatten sich bereit erklärt, den Dienst zu realisieren. Da das Projekt auf ehrenamtlicher Basis erfolgen soll, sei ein Verein als Träger notwendig. Der Fahrdienst soll sich an alle Bürger richten, insbesondere an Senioren, Personen ohne eigenes Auto, mobilitätseingeschränkte Bürger und sozial Schwache.
Andreas Hess, Vorsitzender der Sozialen Bürgerhilfe, präsentierte dem Gemeinderat die Planungen. Demnach soll die Fahrt einen Tag vorher per App oder Telefon angemeldet werden. Für den Fahrdienst werden zwölf bis 15 ehrenamtliche Fahrer benötigt. Die Verwaltung unterstützt die Soziale Bürgerhilfe beim Fahrzeugmanagement, der Buchführung, Terminplanung und Einsatzleitung.
Der soziale Fahrdienst soll montags bis freitags von acht bis 12 Uhr Fahrten zu medizinischen Terminen im Umkreis von 50 Kilometern, Einkäufen im Umkreis von zehn Kilometern, Besuchen und Behördengängen anbieten. Bürgermeister Schneider betonte, dass der Umkreis ausreiche, um Termine in Traunstein, Salzburg und Rosenheim wahrzunehmen. Ob die Fahrten kostenlos angeboten werden oder ein Unkostenbeitrag erhoben wird, ist noch offen. Um die Gemeinnützigkeit zu wahren, sei ein Unkostenbeitrag von 30 Cent pro Kilometer möglich. Die Entscheidung darüber soll der Sozialen Bürgerhilfe überlassen werden, die dann auch ein Fahrtenbuch führen müsste. Ein Personenbeförderungsschein ist nicht erforderlich.
Sepp Gehmacher (CSU) wies darauf hin, dass für Facharzttermine größere Distanzen in angemessener Zeit zurückgelegt werden müssten und plädierte dafür, dass der Verein über die Modalitäten entscheidet. Das Gremium solle lediglich das Gesamtkonzept festlegen.
Das Fahrzeug, das einen niedrigen Einstieg und eine Schiebetür zur Beförderung von Rollstuhlfahrern haben soll, wird von der Stiftung „Infrastruktur Bergen“ und einem anonymen Stifter finanziert. Bürgermeister Schneider berichtete, dass der Stifter zugesagt habe, einen Hochdachkombi zu finanzieren. Die Gemeinde erhalte zudem einen Rabatt, sodass die Benzin-Variante 25500 Euro und das E-Fahrzeug 29000 Euro kosten würde. Das E-Auto habe eine Reichweite von 380 Kilometern, auf Autobahnfahrten 280 Kilometern. Bis April kann das E-Fahrzeug während der Schließzeit des Schwimmbads in der dortigen Garage abgestellt und mit Strom aus der PV-Anlage geladen werden, wodurch der Verein fast keine Betriebskosten hätte. Inspektion, Reparatur und Kraftstoffkosten würden dem Verein zur Last fallen.
Stefan Schneider betonte, dass die „Soziale Bürgerhilfe“ mit ihrem eigenen Büro eine gute Wahl sei. Der Verein „Miteinander Mobil“ erwägt, sich mit zwei Einkaufstagen und dem vereinseigenen Bus einzubringen.
Sepp Gehmacher (CSU) begrüßte das Engagement beider Vereine. Kathi Hallweger (Grüne) betonte die Notwendigkeit eines solchen Fahrdienstes im ländlichen Raum und die Bedeutung der Regionalität, insbesondere bei Einkaufsfahrten. Klaus Frank (Grüne), langjähriger Vorsitzender der Sozialen Bürgerhilfe, bestätigte den Bedarf und lobte das Engagement des Vorsitzenden Andreas Hess. Moritz Beyreuther (Grüne) sprach sich für ein E-Auto aus.
Der Gemeinderat stimmte einstimmig für die Anschaffung eines E-Fahrzeugs, das dem Verein überlassen wird. Die Gemeinde übernimmt Versicherung und Steuern.
Das Auto wird nun bestellt und die weiteren Details mit der Bürgerhilfe abgestimmt. Voraussichtlich kann der soziale Fahrdienst in wenigen Monaten in Betrieb gehen. Weitere Informationen sollen schnellstmöglich folgen. tb