620 Schüler bringen Schule an die Grenzen

von Redaktion

„Wir sind nicht bereit für den Ganztagsanspruch“: Waldorfschule Chiemgau fehlen Platz und Geld

Prien – 620 Mädchen und Buben tummeln sich in der Waldorfschule Chiemgau. Die Schule im ehemaligen Krankenhaus gehört zu den größten Waldorfschulen Bayerns. „Das Haus sitzt perfekt. Kneift vielleicht ein bisschen unter dem Arm“, sagt Dr. Evelin Bukowski, zuständig für die Oberstufe, schmunzelnd zur Raumsituation. Ihr Kollege Thomas Bauer, zuständig für die Unterstufe, ist deutlicher: Bei den Klassenräumen sei alles gut. Aber Schulküche und Mittagsbetreuung „sind nicht bereit für den Ganztagsanspruch.“

Platz für einen Anbau wäre am von der Bernauer Straße abgewandten Ende des Schulgebäudes. Konkrete Überlegungen und Pläne gibt es auch. Nur liegen die derzeit auf Eis. Des Geldes wegen. Regelgrundschulen haben die Kommune als Sachaufwandsträger, das heißt, die Gemeinde finanziert An- und Umbauten, die zur Erfüllung des Ganztagsanspruchs für Grundschüler nötig sind. Und kann Fördermittel des Freistaates anzapfen. Die Waldorfschule Chiemgau ist aber eine freie Schule. Da müssen Schule und Eltern zunächst einen stabilen Grundstock legen. Auch der Weg zu Fördermitteln ist länger und steiniger als für Regelgrundschulen. Also wird vorerst nicht gebaut.

Bei der Digitalisierung geht die Waldorfschule eigene Wege. Während sonst in Grundschulen „Whiteboards“ schon von „Smartboards“ abgelöst sind, sind die Grundschulklassenzimmer der Waldorfschule frei von dieser Technik. „Wir werden für unser Kreidezeitalter manchmal belächelt, aber wir tun das ganz bewusst“, sagt Bauer. Die Kinder sollen sich im Laufe der Jahre einen guten Umgang mit Medien erarbeiten. In der Mittel- und Oberstufe sieht das anders aus, „da sind wir digital schon gut auf Tour“, so Bukowski.

Eine Neuerung gibt es dieses Schuljahr bei den zwölften Klassen. Die spielen seit Jahren großes Theater im großen Kursaal, dieses Jahr „Einer flog übers Kuckucksnest“ (12a, Mitte Oktober) und „Der Club der toten Dichter“ (12b, zweite Novemberhälfte). „Dieses Jahr leisten wir uns erstmals vier Wochen reine Theaterarbeit“, sagt Bukowski. Diese vier Wochen sind Pflichtunterricht, denn anderen Unterricht gibt es in der Zeit nicht. Alle Jugendlichen der zwölften Klassen sind an dem Projekt beteiligt, alle müssen auch mal auf die Bühne – und wenn es für eine Minirolle ist. „Sie sollen lernen, sich zu zeigen“, sagt Bukowski.

Wer wissen will, was sich an der Waldorfschule Chiemgau tut und was diese Schule von anderen unterscheidet, kann sich am Samstag, 25. Oktober, selbst ein Bild machen. Da ist den ganzen Vormittag, bis 14 Uhr, „Tag der offenen Tür“.

Sylvia Hampel

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