BMW-Boss crasht Sportwagen-Prototyp

von Redaktion

Aus dem Zeitungsarchiv Ermittlungen gegen Bernd Pischetsrieder enden mit Geldauflage

Breitbrunn – „Der Vorstandsvorsitzende von BMW, Bernd Pischetsrieder (52), wurde, wie die Polizei gestern bestätigte, auf der Fahrt von Breitbrunn in Richtung Eggstätt in einen schweren Unfall verwickelt“, meldete das Oberbayerische Volksblatt in seiner Ausgabe vom 30. Mai 1995. „Der BMW-Chef verlor am Sonntag, gegen 20.30 Uhr, an der Abzweigung nach Frieberting offensichtlich die Herrschaft über seinen Wagen vom Typ McLaren, schleuderte in eine Wiese und überschlug sich mehrmals mit dem Fahrzeug. Pischetsrieder und seine Frau, die mit im Auto gesessen hatte, erlitten leichtere Verletzungen. Ein weiterer Mitfahrer zog sich einen Armbruch zu.“

Wrack für
1,5 Millionen Mark

Pischetsrieder war von 1993 bis 1999 Chef von BMW. Beim Münchner Autobauer musste Pischetsrieder wegen des milliardenschweren Desasters um die Übernahme des britischen Autobauers Rover seinen Hut nehmen.

2002 bis 2006 wechselte Pischetsrieder an die Spitze des VW-Konzerns. Von 2021 bis 2024 war er Aufsichtsratsvorsitzender der Mercedes-Benz Group AG. 2011 stand er wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung vor Gericht. Der Prozess wurde gegen die Zahlung von 100000 Euro eingestellt. Grund waren Zweifel daran, dass der 63-Jährige vorsätzlich falsche Angaben beim Finanzamt gemacht habe. Sein Steuerberater musste sich einem eigenen Verfahren wegen Steuerhinterziehung stellen.

„Über die möglichen Ursachen des spektakulären Unfalls von BMW-Chef Bernd Pischetsrieder hüllen sich die Behörden und der Automobilkonzern in Schweigen“, heißt es dann in einem Bericht am 1. Juni, „Das Wrack des firmeneigenen McLaren Fl im Wert von 1,5 Millionen Mark wird auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Rosenheim komplett zerlegt.“ Ein technischer Sachverständiger untersuche im Rahmen der Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung Bremsen, Lenkung und Reifen. „Die Prüfung dauert so lange, weil das ein Prototyp ist, kein VW Passat“, stellte Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese unmissverständlich klar. Zeugen habe es entgegen Gerüchten nicht gegeben: „Niemand hat den Unfall beobachtet.“

Am Tag darauf erfuhren die Leser dann, dass sich die Untersuchungen weiter verzögern würden: „Die Überprüfung des ‚hochkomplizierten‘ McLaren Fl habe sich verzögert, weil spezielle Messinstrumente nötig seien.“ Der BMW-Konzern und die Rosenheimer Polizei wollten zwischenzeitliche Medienberichte allerdings nicht kommentieren, laut denen es gesichert ein Unfall mit mehr als 100 Kilometern pro Stunde gewesen sei. „Das ist Quatsch“, wird lediglich die Staatsanwaltschaft zitiert. Der Beifahrer und Freund von Pischetsrieder, Wolf-Dieter Amberger, habe versichert, dass der 47-Jährige vor dem Unfall keinen Alkohol getrunken habe.

„Bei seinem spektakulären Unfall vor rund zehn Tagen hatte BMW-Chef Bernd Pischetsrieder eine ‚minimale‘ Menge Alkohol im Blut. Dies sei aber nicht die Ursache des Unfalls gewesen“, kann dann am 7. Juni mitgeteilt werden. Allein, die Beantwortung der Frage nach der Unfallursache zog sich weiter hin. „Auch drei Wochen nach dem spektakulären Unfall von BMW-Chef Bernd Pischetsrieder sind die Untersuchungen des McLaren-Wracks noch nicht abgeschlossen“, musste die Zeitung dann am 20. Juni berichten, „Ergebnisse werde der technische Sachverständige nicht vor Mitte nächster Woche vorlegen, so Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese gestern in Rosenheim. Für die Ermittler handele es sich um einen ‚ganz normalen Verkehrsunfall‘. Auch die Dauer der Untersuchung sei im Rahmen des Üblichen.“

18000 Mark an
SOS-Kinderdorf

„Knapp zwei Monate nach dem spektakulären Unfall von BMW-Chef Bernd Pischetsrieder ist das Ermittlungsverfahren gegen die Zahlung von 18000 Mark an den Verein SOS-Kinderdorf eingestellt worden“, heißt es schließlich in einem Bericht am 21. Juli. Die Unfallanalyse habe ein Tempo von 120 Kilometern pro Stunde ergeben. „Zulässig war Tempo 100. Die Höhe des Geldbetrags richtet sich nach dem Einkommen. Punkte in der Verkehrssünderkartei in Flensburg kassiert der BMW-Chef nicht.“

Weiter heißt es: Der Unfallfahrer habe sich erleichtert gezeigt. „Am wichtigsten ist für mich, dass bei diesem bedauerlichen Unfall keiner der Beteiligten oder andere Personen folgenschwer zu Schaden gekommen sind.“

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