Prien – Die Entscheidung ist gefallen: Der Markt Prien vergibt gemeinsam mit dem Mittelschulverband Prien den Zuschlag für die externe Beratung künftiger Ausschreibungs- und Vergabeverfahren im Zeitraum von 2026 bis 2032 an das Büro Consulting Winkelman aus Tiefenbach. Dies beschloss der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung.
„Qualifizierte
Büros sind rar“
Diesem Beschluss war eine längere Diskussion vorausgegangen. Die Marktgemeinde arbeitet schon seit Jahren mit dem Büro Winkelman zusammen. Weil, wie Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) auf Nachfrage von Johannes Dreikorn (CSU) erklärte, die Ausschreibungen und Vergaben in der Zwischenzeit ein Ausmaß angenommen haben, dass sie die Verwaltung nicht mehr schafft. „Das ist mittlerweile rechtlich so aufwendig, dass wir uns einen Juristen ins Rathaus holen müssten. Den wir aber nicht bekommen, weil es für eine Vollzeitstelle nicht reicht. Und teurer wäre es wohl auch.“ Mit dem Büro Winkelman, da waren sich Friedrich, sein Stellvertreter Michael Anner (CSU) und Geschäftsleiter Donat Steindlmüller einig, habe man in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen gemacht. Dreikorn hakte nach, wollte wissen, ob das Büro Winkelman auch für die Ausschreibung für einen externen Berater verantwortlich war. Verantwortlich war die Verwaltung, aber das Büro Winkelman war vorbereitend tätig, so die Auskunft.
Das wettbewerbliche Verfahren war nötig, um externe Beratungsleistungen für Bau-, Liefer- und Dienstleistungen rechtssicher ausschreiben zu können. Das Consultingbüro Winkelman war als einziges von drei angefragten Unternehmen im Verfahren geblieben und hatte ein formal korrektes Angebot eingereicht.
„Qualifizierte Büros, die das ganze Spektrum an Vergabeleistungen bedienen können, sind rar und reißen sich nicht um diese Aufträge, weil sie wissen, dass damit nicht viel verdient ist“, erklärt der Bürgermeister auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung.
Ulrich Steiner (Die Grünen) tat sich „ein bisschen schwer zuzustimmen, weil mir ein zweites Angebot fehlt.“ Verständlich, fand der Bürgermeister, „aber wir dürfen nicht nachtarocken“. Kersten Lahl (Bürger für Prien, BfP) konstatierte, dass es offensichtlich schwierig sei, jemanden für die Aufgabe zu finden. „Aber der Eindruck ist nicht gut.“ Er wollte wissen, ob eine zweite Ausschreibungsrunde möglich ist. Ist sie rechtlich nicht, informierte der Bürgermeister.
Friedrich – sonst eher tiefenentspannt, aber ob der „G‘schmäckle“-Diskussion sichtlich angefressen – betonte, dass alle rechtlichen Erfordernisse voll erfüllt wurden. Die Empfehlung zum Zuschlag basiert laut Verwaltung auf einer umfassenden Prüfung sowie der entsprechenden Vergabedokumentation vom 20. und 29. August. Vorangegangen war ein Umlaufbeschluss des Mittelschulverbands vom 29. August, der die gemeinsame Vorgehensweise „Gelegentliche gemeinsame Auftragsvergabe; zentrale Beschaffung“ ausdrücklich genehmigte. Auch Steindlmüller verstand die Diskussion angesichts der guten Erfahrungen nicht ganz. Zumal das Büro Winkelman „der Verwaltung die Arbeit ungemein erleichtert.“
Sieben Räte
stimmen dagegen
Dennoch stellte Steiner den Antrag, namentlich abzustimmen. Was Karina Dingler (ÜWG) nicht nachvollziehen konnte: „Ich finde den Antrag strange. Wir haben in fast jeder Ausschuss- oder Marktgemeinderatssitzung eine Ausschreibung. Dann müssten wir ja jedesmal bei der Annahme von Angeboten namentlich abstimmen.“ Die Mehrheit der Gemeinderäte dachte wohl ähnlich, Steiners Antrag wurde abgelehnt. Damit herrschte aber noch nicht wieder die sonst so häufige Einigkeit: Sieben Gemeinderatsmitglieder sprachen sich dagegen aus, dem Büro Winkelman den Zuschlag zu erteilen.
Ein Dutzend hingegen war dafür. Die Zusammenarbeit geht weiter.