Schleching – Die Erreichung des 60. Hochzeitstages ist etwas Besonderes, Karin (geborene Prasser) und Klaus Vogt haben das erreicht. Sie haben in dieser Zeit viel gemeinsam erlebt, aber sie blicken auch voll Zuversicht in die Zukunft. Wer den beiden gegenüber sitzt, spürt das, es haben sich nur die Wünsche, Ziele und Prioritäten verschoben. Heute unternehmen sie das meiste gemeinsam und bleiben nach den vielen Reisen in ihrem Leben auch gern im Heimatort Schleching.
Bürgermeister Josef Loferer kam am Vormittag zum Gratulieren mit einem Geschenk vorbei, gemütlich saßen sie in der Stube und haben sich an gemeinsame Zeiten erinnert.
Karin wurde 1939 in Karlsbad (Tschechien) geboren, als Heimatvertriebene kam sie mit der Familie 1946 nach Schleching und ist in Marquartstein zur Schule gegangen. Klaus wurde 1940 in Bochum geboren und ist ein waschechter Ost-Westfale, wie er betont. 1959 ging Karin für zwei Jahre in die USA, was für damalige Verhältnisse sicher ungewöhnlich war, aber sie konnte dabei ihre Englisch-Kenntnisse vertiefen. Was ihr bei der Rückkehr nach Deutschland einen Job als Chefsekretärin bei einem global agierenden Unternehmen in der Elektrobranche diente. Sie wollte auch nur kurz bleiben und dann wieder zurück in die USA gehen. Aber dann kam Klaus dazwischen! Die beiden lernten sich in der Kantine des Unternehmens kennen, Klaus arbeitete dort als Elektrotechniker. Er erzählt von der Begegnung, die eigentlich ein Fauxpas war. Er setzte sich einfach an den Stammtisch der Sekretärinnen und war dabei sehr ernst. Die Sekretärin-Kolleginnen meinten zu Karin „Wenn den eine zum Lachen bringt, dann nur Fräulein Prasser.“ Da war das Eis gebrochen und beide haben wohl früh gemerkt, dass sie sehr viele gemeinsame Interessen verbinden. Geheiratet wurde dann 1965 in der Schlechinger Pfarrkirche, die Hochzeitsfeier fand im Gasthof Zur Post statt, damals noch im ersten Stock mit einem Kanonenofen, der eingeheizt werden musste. 1970 wurde Sohn Michael geboren, der heute schon vier eigene Kinder hat, und 1972 kam Sohn Oliver zur Welt, der inzwischen drei Kinder hat. So hat das Jubelpaar sieben Enkelkinder und heuer kam auch noch vor Kurzem Urenkelin Cleo dazu.
Beruflich führte der Weg von Klaus 1970 nach Feldkirchen-Westerham, wo ein Haus gebaut wurde und wo die Familie sieben Jahre gelebt hat. Nach einem beruflichen Firmenwechsel zogen alle nach Heilbronn für 26 Jahre. Durch die internationale Ausrichtung des Arbeitgebers war Klaus sehr viel in der Welt unterwegs.
Als die beiden Kinder mit dem Studium fertig waren und aus dem Haus, konnte auch Karin reisen, sie ist mit ihrer Freundin sehr oft durch arabische Länder gefahren und hat dabei auch Freundschaften geschlossen. Der Lebensmittelpunkt war jetzt wieder in Feldkirchen-Westerham, wo erneut ein Haus gebaut wurde. Zwischendurch ging es oft nach Schleching zu den drei Brüdern, der Kontakt war eng, aber sie war immer die Besuchs-Schwester.
Klaus hat mit 60 Jahren aufgehört zu arbeiten, jetzt konnte das Ehepaar endlich zusammen verreisen, was sie auch ausgiebig getan haben. Klaus konnte jetzt seine Hobbys ausleben, Golf spielen, stolz berichtet er von einem Handicap von „10“, und er fährt seit 22 Jahren jedes Jahr zum Segeln ans Mittelmeer. Mit 58 Jahren hat sich Klaus auch noch den Wunsch nach einem Motorrad erfüllt.
Einer der Lieblingsorte in Schleching war der Berggasthof Streichen, wo sie auch ihre silberne und goldene Hochzeit gefeiert und sehr gern die besonderen Konzerte in der Streichenkirche besucht haben. 2016 hat das Ehepaar dann ein Haus in Schleching gekauft, es sollte als „Familien-Zentrale“ für die Kinder und Enkel genutzt werden, aber vor sechs Jahren haben Klaus und Karin beschlossen, ganz nach Schleching zu ziehen. Mit 80 Jahren zwei Haushalte zu führen, war dann doch zu aufwendig und da in Schleching alles vom Dorfladen, Arzt, Zahnarzt vor Ort ist, haben sie das nicht bereut. Auch die Tatsache, dass sie gleich von zuhause weg zu täglichen Spaziergängen aufbrechen können, freut das Ehepaar sehr. Auf die Frage, was das „Erfolgs-Geheimnis“ einer Ehe ist, antwortet Klaus. „Wir haben ein wunderschönes Leben zusammen, in dem wir Freud und Leid teilen, füreinander da sind und auch aus schlechten Zeiten das Beste gemacht haben.“ Karin bezeichnet sich als sehr freiheitsliebenden Menschen und hält es mit Goethe „Kindern soll man zwei Dinge mitgeben, Wurzeln und Flügel“. So habe sie es mit ihren Kindern gemacht.