Grassau – Unzuverlässige Zustellungen und keine Ansprechperson: Die Post-Probleme in Grassau waren im Sommer erheblich und sorgten im ganzen Achental für Sorgenfalten in den Rathäusern. Gerade mit Blick auf die Kommunalwahl im kommenden Jahr sollten Briefe wie Wahlunterlagen zuverlässig durch die Post zugestellt werden. Das scheint nun der Fall zu sein, Grassaus Bürgermeister Stefan Kattari hatte ein Gespräch mit den regionalen Ansprechpartnern der Post.
Hoher
Personalwechsel
Das Treffen sei gut gewesen, „ich habe eine plausible Erklärung für die zwischenzeitlich unzuverlässige Postzustellung gehört“, sagt Kattari der Chiemgau-Zeitung. Und wie lautete diese Erklärung? „Sie besteht auf eine gewisse Weise erwartungsgemäß darin, dass durch die Umstrukturierung, die Zustellung zeitweise unzuverlässig geworden ist, weil Personal gewechselt hat“, erklärt der Grassauer Bürgermeister. Bereits Ende April wurde das Briefverteilungszentrum in Grassau aufgelöst und nach Traunstein verlagert.
Kattari weiter: „Man hat mir gegenüber gesagt, dass man tatsächlich überrascht war oder man hat sich davon überraschen lassen, dass ein so hoher Personalwechsel stattgefunden hat.“ Es sei nicht die erste Umstrukturierung in diesem Verteilungsgebiet gewesen. Das Personalproblem sei mittlerweile behoben. „Nach unserer Wahrnehmung funktioniert die Postzustellung mittlerweile wieder. Wir haben in den letzten Wochen keine Beschwerden mehr aus der Bevölkerung gehört“, so der Rathauschef. Für Bürgermeister Kattari war es zunächst nicht leicht, ein Gespräch mit verantwortlichen Personen der Post zu führen, er wurde an die Zentrale in Bonn verwiesen. „Die Ansprechpartner, die bei mir waren, zeigten sich selber erstaunt, dass die Auskunft nicht an mich weitergegeben wurde. Es gibt also einen Ansprechpartner für Politik, der dafür da ist, mit Bürgermeistern zu sprechen. Und der hat ohne Weiteres organisieren können, dass die Verantwortlichen aus der Region nun bei mir waren, dafür bin ich sehr dankbar“, schildert Kattari vom Treffen.
Also alles wieder gut? Kattari erklärt: „Es ist ja so, dass man Vergangenes nicht ungeschehen machen kann. Aber zu sehen, dass eine Reaktion erfolgt, dass die Zustellung wieder funktioniert, das ist gut. Das wird nicht allein auf unseren Brief zurückgehen, sondern das hat sicherlich auch mit dem Interesse der Post zu tun.“ Als nächster Schritt ist jetzt noch eine Besichtigung des Postverteilungszentrums in Traunstein mit den acht Bürgermeistern und einer Bürgermeisterin geplant. Das Verteilzentrum in Grassau ist bereits weitervermietet.
Unabhängig vom ehemaligen Verteilzentrum ist die in Grassau ansässige DHL-Filiale. Sie arbeitet unabhängig, kann nur Beschwerden, was die Filiale betrifft, an die DHL Group weitergeben – keine Einzelfälle. Die Grassauer DHL-Filiale steht nicht vor der Schließung, hat sogar die Öffnungszeiten ausgebaut.
Auch die Pressestelle der DHL Group zeigt sich optimistisch, was die Zustellung in der Region angeht: „Im Zuge des Standortwechsels von Grassau nach Traunstein kam es zu kurzfristigen personellen Veränderungen, die wir sukzessive durch gezielte Maßnahmen ausgeglichen haben. Die Einarbeitung neuer Mitarbeitender erfolgte in der Zwischenzeit, sodass die Zustellung inzwischen wieder stabil läuft. Uns liegen aktuell keine weiteren Beschwerden aus dem betroffenen Gebiet vor.“ Also wirklich alles gut?
Naja. Uns erreicht eine Zuschrift: „DHL ist wohl dabei, alles zu lösen. Es müssen erst mal Leute gefunden werden und diese einzuarbeiten und auch die Besonderheiten der gleichen oder ähnlichen Straßennamen zu berücksichtigen, dauert einfach.“ Die Quelle, die anonym bleiben möchte, weiß auch: „Es werden teilweise Pakete nicht ausgeliefert weil zu wenig Zeit war und sie so erst am nächsten Tag kommen. Briefe werden eingeworfen, obwohl diese Namen nicht am Briefkasten stehen. Also das Übliche, was man erwarten kann, wenn neue Leute ausfahren.“
Unerfahrene
Zusteller
Aber auch die Hinweisperson ist optimistisch: „Es wird besser, aber es dauert eben. Man kann und darf keine Wunder erwarten. Vieles, was früher ging, weil die Ausfahrer die Leute kannten, geht halt nun nicht mehr. Es ist einfach keine persönliche Beziehung mehr vorhanden. Diese aufzubauen dauert, teilweise kommt eine Sprachbarriere dazu.“