Ein Rentnerleben in Südfrankreich „ganz ohne Golf“

von Redaktion

Greenkeeper Andrew Foyle (65) stellt nach 40 Jahren beim Golfclub Chieming den Rasenmäher für immer in die Ecke

Chieming – Mit einem großen Turnier ist beim Golfclub Chieming Andrew Foyle (65) verabschiedet worden. Der Headgreenkeeper hat nach 40 Jahren seinen letzten Arbeitstag, spielt selbst nicht gerne Golf, musste jetzt aber bei einem 2er-Scramble, wo zwei Spieler ein Team bilden und mit dem besser liegenden Ball weitergespielt wird, zusammen mit Pro Michael Kriechbaum ran.

Wie war Ihre letzte Runde auf Ihrem Platz?

Ich habe ja mit einem Profi gespielt, es ist gut gegangen, manchmal haben wir auch mit meinem Ball weitergespielt. Ich habe ein paar gute Schläge getroffen, schön war es. Früher habe ich viel Golf gespielt, war aber nicht das große Talent, ich hatte einfach zu wenig Geduld. Mein bestes Handicap lag so um 25, heute habe ich keins mehr.

Wann hatten Sie erstmals Kontakt mit dem Golf?

In Irland lebte ich bis zu meinem 19. Lebensjahr. Nach einer Ausbildung zum Gartenbauingenieur wanderte ich nach Australien und Neuseeland aus, kam mit 23 Jahren zurück. Dann hatte ich erstmals Kontakt zum Golfsport. Ich lernte nämlich Greenkeeper, was in Irland, im Gegensatz zu Deutschland, ein richtiger Lernberuf ist. Nach zwei Jahren ging es dann nach Schottland, nach St. Andrews, dort, wo die Wiege des Golfsports steht.

Und dann kam schon Chieming.

Richtig! Mitglied ist in St. Andrews Herzog Max von Bayern, Gründer und erster Präsident des Golfclubs Chieming. In St. Andrews gibt es jedes Jahr eine große Golfwoche. Herzog Max ist da immer dabei. Er fragte meinen Chef, ob er mich nach Bayern holen könne, man bräuchte dort einen jungen Mann. Ich bekam dann die Nachricht, am 2. Dezember 1985 um 14 Uhr am Flughafen London-Heathrow zu sein. Dort traf ich Herzog Max, mit dem ich vorher nie gesprochen hatte. Ich wusste gar nicht, wo es hinging, hörte nur, ich sollte irgendwo in Deutschland arbeiten. In Knesing hat man mir dann eine kleine Wohnung bereitgestellt.

Die Anlage hatte
schon Bestand.

Der 18-Loch-Platz war da, aber kein Clubhaus, kein Sekretariat, kein Restaurant, man kann es mit heute gar nicht vergleichen. Der Club wurde ja 1982 gegründet, also drei Jahre vor meinem Start.

Damals gab es zwei Teiche und sechs Bäume, 20 Jahre später waren es fünf Teiche und über 900 Bäume. 2004 bis 2006 fand dann ein großer Umbau statt. Da wurden vier Hektar Richtung Knesing hinzugenommen, Loch fünf und sechs ausgebaut. So konnten wir die ersten neun Löcher auf die andere Straßenseite verlegen, alles zur Entzerrung, denn es war sehr eng.

Sie sind jetzt 40 Jahre Headgreenkeeper und immer nur bei einem Verein. Warum gab es nie eine Veränderung?

Als ich herkam, wollte ich drei bis fünf Jahre bleiben, ich war ja noch jung und man will auch was anderes erleben. Ich wollte nach Portugal oder Frankreich, einfach mal eine andere Kultur kennenlernen. Aber ich hatte mit dem Club und den Präsidien immer das beste Verhältnis, durfte im Winter verreisen, war da in Südafrika, in Neuseeland, Südamerika. Ich konnte von Kapstadt aus auf Inseln segeln, erlebte die Karibik, den Südatlantik.

Konnten Sie als Greenkeeper Ihre Ideen auch immer mit einbringen?

Wenn mich jemand gefragt hat, was ich mache, sagte ich immer, ich sei Entwicklungshelfer, denn der Golfsport steckte hierzulande noch in den Kinderschuhen. Ich habe Verantwortung für die Landschaft bekommen und habe immer auf die Natur geschaut. So bekamen wir Anerkennung und Wertschätzung. Wir sind jetzt sieben Greenkeeper, sechs davon in Festanstellung.

Sie arbeiten täglich bis
zu 13 Stunden, bleibt da Zeit für Familie?

(lacht) Natürlich, ich bin seit 26 Jahren verheiratet, wir leben in Hart, haben uns am Chiemsee kennengelernt, meine Frau ist aus München. Wir haben zwei Töchter, 25 und 23. Sie sind aber schon außer Haus. Die Jüngere arbeitet in Schweden auf einem Golfplatz, hat dort ein Stipendium bekommen. Es könnte leicht sein, dass sie zum GC Chieming zurückkehrt.

Wie wird Ihr Rentnerleben aussehen?

Wir haben ein Haus in Südfrankreich gekauft, dort werden wir unseren Lebensabend verbringen, ganz ohne Golf. Wir haben einen Hektar Grund, ich werde Gemüse und Obst anbauen, darauf freue ich mich schon. Natürlich werden unsere drei Hunde dabei sein.

Interview: Karlheinz Kas

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