„WiR“ mischt Reit im Winkl auf

von Redaktion

Frischer Wind für die Kommunalwahl im kommenden März

Reit im Winkl – Bisher war in Reit im Winkl alles schön geordnet. Bei der Kommunalwahl 2020 traten nur CSU und Freie Wähler an, die sich mit einem 7:7 friedlich die Sitze im Gemeinderat teilten. Bei den kommenden Wahlen in der Gemeinde am 8. März 2026 könnte sich das ändern: Die junge Initiative „Reit im Winkl – WiR Gemeinsam“ will den Touristenort aufmischen und hofft auf eine „Aufbruchstimmung vor allem unter der jungen Bevölkerung im Ort“. Zur ersten Infoveranstaltung kamen über 100 Gäste – in einer Gemeinde mit 3000 Einwohnern ein beachtlicher Wert. An einer vorab durchgeführten Umfrage im Ort hatten über 70 Menschen aus Reit im Winkl teilgenommen.

Wichtiges Thema
„Generationenbrücke“

„Alleine die Zahl von 420 Freitextantworten, die uns erreichte, verdeutlicht, dass es in Reit im Winkl eine offene Kommunikation braucht“, erklärt Christoph Knappe von „WiR“. Als drängendstes Thema wurde in der Diskussion das Millionenprojekt „Generationenbrücke“ identifiziert. Eine große Mehrheit bei der Infoveranstaltung äußerte Bedenken gegen die von der Gemeinde vorangetriebenen Pläne am Standort des bisherigen Altenheims unmittelbar neben der viel befahrenen Staatsstraße.

Christian Schuhbeck erläuterte als einer der Gründerväter von „WiR“, dass dieses kommunale Großprojekt die Gemeindefinanzen stark strapaziere und an den Interessen der Bürger vorbeigehe. Diese Einschätzung sorgte bei Reit im Winkls Bürgermeister Matthias Schlechter für großes Erstaunen. „Das wundert mich sehr, dass die Generationenbrücke an den Wünschen der Bürger vorbeigehen soll. Es gab Bürgerbefragungen dazu und vier Bürgerversammlungen. 2025 wurde auch die Finanzierung öffentlich dargestellt“, so Schlechter im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Er unterstrich seine Meinung, die auch vom derzeitigen Gemeinderat mitgetragen wird, dass es in Reit im Winkl den Brückenschlag von den Senioren zur Jugend brauche. Genau das passiere im Projekt „Generationenbrücke“: „In ihr sind drei Projekte miteinander verknüpft: acht geförderte Wohnungen für Senioren, dazu eine Begegnungsstätte für die Senioren, die sich diese Generation in unserem Ort wirklich verdient hat. Dazu entsteht eine viergruppige Kindertagesstätte, mit der wir die Pflicht zur Ganztagsbetreuung erfüllen können.“ Seit 2016 sei man mit dem Problem konfrontiert, dass die Kita im Ort zu klein sei, auch dieses Problem werde damit gelöst.

Was die WiR-Kritik an den immensen Kosten des Projekts betrifft, räumte Schlechter ein, dass die Generationenbrücke „einen Haufen Geld kostet: Aber Reit im Winkl kann das bezahlen und es schränkt unseren Haushalt für die Zukunft auch nicht ein.“

Konkret rechnet der Ortschef mit Ausgaben von „neun Millionen Euro“ plus den Kosten für das Flurstück, davon käme allerdings die Hälfte durch Förderungen wieder rein. Bleiben also für die Gemeinde Kosten von „vier bis fünf Millionen Euro“ für das Prestigeobjekt.

Wie viel es genau werden, wird sich nach dem 2. Oktober herausstellen. Bis dahin laufen die Ausschreibungen für die Baumaßnahmen an der „Generationenbrücke“. Am 14. Oktober soll der Gemeinderat dann bereits über die Vergabe der Arbeiten entscheiden. Laut Schlechter könnten dann im „November und Dezember“ bereits die Arbeiten am Millionenprojekt beginnen. Damit dürfte „WiR“ schlechte Karten haben, wenn man das Projekt noch stoppen will. Inwieweit die Initiative auf den Fortschritt des Projekts noch Einfluss nehmen könne, müsse nach der Kommunalwahl mit großer Priorität untersucht werden, heißt es in der Pressemitteilung von „WiR“.

Als Wahlkampfthema taugt die „Generationenbrücke“ aber allemal. Die neue Initiative unterstrich, dass „in den Bereichen Bauen, Mobilität, Tourismus, Finanzen und Ökologie wichtige Maßnahmen umgesetzt werden müssen, um Reit im Winkl als Dorf wie auch als Wirtschafts- und Naturraum weiterzuentwickeln.“ Konkretere Aussagen soll es in Zukunft geben. Mit der Vereinsgründung im Oktober soll die Konkretisierung aller Maßnahmen für die Kommunalwahl 2026 einhergehen. Zudem will der Verein als „kommunaler Think-Tank weitere Diskussions- und Ideenworkshops veranstalten, um neue Lösungen zu entwickeln.“

Bürgermeister Schlechter findet es trotz der Kritik an den „WiR“-Aussagen zur „Generationenbrücke“ gut, dass sich politisch etwas im Ort tue. „Ich werbe dafür, dass wir junge Leute finden, die sich für Kommunalpolitik interessieren“, so der Ortschef gegenüber der Chiemgau-Zeitung. Vor ein paar Monaten hätten CSU und Freie Wähler selbst eine Infoveranstaltung für die jüngeren Einwohner abgehalten – allerdings hätten wohl zu viele der derzeitigen Gemeinderäte erklärt, dass sie auch 2026 antreten wollen. Um bessere Chancen zur Mitsprache durch den Einzug ins örtliche Parlament zu haben, hätten sich die jüngeren Mitbürger deshalb wohl entschlossen, mit „WiR“ ihren eigenen Weg zu gehen.

Erst Reit im Winkl,
dann die Partei

Schlechter hofft, dass sich auch bei einem möglichen Einzug der neuen Gruppierung nichts an den seit Jahrzehnten geltenden Gepflogenheiten im Gemeinderat ändert: „Bei uns gibt es keinen Fraktionszwang. Reit im Winkl ist am wichtigsten, nicht die Parteizugehörigkeit.“

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