„Matteo träumt vom pinken Strand“

von Redaktion

Die Diagnose Leukämie war für Matteo und seine Mama Jasmin Anfang März ein Riesenschock. Zu Beginn der Krebsbehandlung ging es mit der Einstufung „Early High Risk“ weiter bergab. Doch plötzlich gibt es Hoffnung für den inzwischen vier Jahre alten Buben aus Grassau.

Grassau – Am Montag ging es für Matteo und seine Mama Jasmin wieder einmal nach München zu den Kinderkrebs-Experten der Haunerschen Kinderklinik. Die Fahrten zu Untersuchungen und der Chemotherapie sind zur Gewohnheit geworden, seit Anfang März die schreckliche Diagnose Leukämie für den kleinen Buben das Leben der kleinen Familie auf den Kopf gestellt hat. Inzwischen fahren die beiden aber deutlich fröhlicher als am Anfang von ihrer Heimat Grassau aus die meistens zwei Stunden in die bayerische Landeshauptstadt.

„Sehr, sehr
gute Nachrichten“

„Wir haben schon vor ein paar Wochen die Information bekommen, dass die Chemo angeschlagen hat. Das sind natürlich sehr, sehr gute Nachrichten“, erzählt Jasmin Thiel im Gespräch mit dem OVB. Das bedeutet, so die Auskunft der behandelnden Ärzte, dass „Matteo die Leukämie auf jeden Fall überlebt.“ Auf der Achterbahnfahrt der Gefühle war das für die Mutter ein echter Glückshammer, schließlich war ihr kleiner Sohn am Anfang der Leukämie-Behandlung zunächst als „Early-High-Risk“-Fall eingeordnet worden. Weil die Chemotherapie zunächst nicht so viele Krebszellen wie erhofft zerstört hatte.

„Vier Tage durchgeweint“ hatte die junge Frau danach. Und wie ging es ihr nach der erlösenden Nachricht, dass ihr kleiner Sohn nach menschlichem Ermessen weiterleben wird? Freude natürlich, aber von Euphorie keine Spur. „Ich habe mich erst selbst infrage gestellt, weil sich alle anderen gefreut haben und schon Sekt aufmachen wollten. Dann habe ich mit der Psycho-Onkologin gesprochen und die meinte, dass mein Verhalten schon normal ist. Weil ich ja am besten weiß, was für eine Therapie uns noch bevorsteht. Matteo ist noch längst nicht gesund.“ Weil der Kampf gegen die Killerzellen noch nicht beendet ist. Gerade steckt Matteo mitten in einem Chemoblock, der besonders schwer ist. Die aggressive Therapie greift die Schleimhäute und den Darm an. „Matteo hatte bis jetzt ziemlich Glück, würde ich sagen. Die Schleimhaut hat vor allem im Mund reagiert, aber ich habe mit ganz vielen Mamas geredet und die haben dann gesagt, dass eine medizinische Mundspülung hilft“, berichtet die Mama: „Das Motto heißt spülen, putzen, spülen, putzen. Und das machen wir. Deshalb sind wir bis jetzt – die Hälfte des Chemoblocks ist ungefähr rum – sehr gut durchgekommen.“ Matteo ist inzwischen von „Early High Risk“ in die Kategorie Middle Risk gewandert. Das bedeutet, dass es derzeit keine nachweisbaren Leukämiezellen mehr in seinem Knochenmark gibt. Die Therapie wird trotzdem bis zum Ende fortgesetzt, weil sich im Körper noch Killerzellen verstecken und wieder vermehren könnten. „Deswegen fährt man jetzt das Protokoll weiter, bis es bei Matteo voraussichtlich im März oder April 2026 beendet sein dürfte“, sagt Jasmin Thiel. Danach folgen zwei Jahre Erhaltungstherapie, in denen Matteo immer noch leichte Chemogaben bekommt.

Ein neues Immuntherapie-Medikament, das der Bub kürzlich bekommen hat, senkt seine Rückfallwahrscheinlichkeit nochmal um zehn Prozent. „Er hat jetzt noch eine Rückfallquote von 15 Prozent. Ich sage dann immer gerne: 85 Prozent bekommen nichts mehr“, so Mama Jasmin. Diese Zahl und die Ansage der Ärzte, dass Matteo den Schrecken definitiv überleben wird, ändern vor allem eins: Die kleine Familie kann wieder beginnen, für die Zukunft zu planen, die vor ein paar Monaten massiv gefährdet war.

Jasmin Thiel hat zum Beispiel Integrationsunterstützung beantragt, wenn Matteo ab Frühjahr 2026 hoffentlich wieder langsam beginnen kann, in seinen geliebten Waldkindergarten in Übersee zu gehen. In diesen Tagen war der Brief im Kasten, dass die finanzielle Unterstützung genehmigt ist.

Im letzten Behandlungsblock wird Matteo Cortison bekommen, das bei Kindern muskuläre Probleme verursacht. Der Bub wird deshalb Ergotherapie und Physiotherapie brauchen. „Er ist ja auch nicht gewachsen jetzt in der Zeit. Wir müssen schauen, ob er von selber wieder anfängt zu wachsen, oder ob er vielleicht Hormone braucht“, so die Mutter. Sie hat ihren Job als Psychotherapeutin erstmal an den Nagel gehängt und will sich auch in den nächsten Monaten ausschließlich um ihren tapferen Sohn kümmern.

Mindestens genauso wichtig ist, dass wieder Pläne geschmiedet werden können. „Ich kann zum Beispiel zu Matteo sagen: ‚An deinem nächsten Geburtstag, da können wir ins Planschbecken gehen. Da darfst du schwimmen‘, was er jetzt nicht kann wegen des Katheters.‘“ Trotz der Einschränkungen war auch sein vierter Geburtstag im Juni ein echtes Highlight im Märchenpark Marquartstein. Mit einer Kitafreundin powerte Matteo viele Stunden durch – musste ein paar Tage später mit Fieber allerdings in die Klinik.

Doch diese Rückfälle sind in ein paar Monaten hoffentlich Vergangenheit. „Matteo träumt von einem pinken Strand in Griechenland. Ich kann ihm jetzt sagen: Den können wir uns im nächsten Jahr anschauen. Wir können jetzt wieder mehr in die Zukunft gehen. Ich wollte ihm zuvor nichts versprechen, was ich nicht halten kann. Das ist jetzt schon ein großer Unterschied.“ Der pinke Strand auf Kreta ist jedoch nur einer von vielen Wünschen von Matteo, wenn der Albtraum Leukämie hoffentlich bald beendet ist.

Sprossen essen
als Herzenswunsch

„Wir haben ja irgendwann angefangen, zusammen ein Buch zu schreiben, wo er so reinschreibt, was er machen möchte, wenn er dann wieder gesund ist“, sagt Jasmin Thiel. Dort stehen ganz einfache Sachen drin, wie Einkaufen gehen, mit dem Zug fahren, auf die Kampenwand wandern. „Er möchte gerne mal ins Schwimmbad oder Sprossen essen. Das darf er derzeit nicht, weil die schnell schimmeln und ihn damit gefährden können.“

Wie Matteo all diese Einschränkungen hinnimmt, bewundert Jasmin Thiel am meisten: „Er ist meistens fröhlich und ein echter Kämpfer.“ Der hoffentlich bald einen finalen Sieg gegen einen schrecklichen Gegner feiern kann.

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