Braucht es einen Neubürgerempfang?

von Redaktion

Priener Räte diskutieren über den Nutzen der Begrüßungsparty

Prien – „Dreimal ist Bremer Recht“, heißt es in der Hansestadt – das kommt aus dem Mittelalter und bedeutet heute, dass nach zwei gescheiterten Versuchen ein dritter unternommen werden kann. Ist dreimal auch Priener Recht? Die CSU-Fraktion im Marktgemeinderat scheint das so zu sehen. Denn nach den Bürgern für Prien 2014 und der SPD 2020 beantragte sie einen Empfang eigens für die Neu-Priener, der alle zwei Jahre im Wechsel mit der Sportlerehrung stattfinden soll.

Ankommen
erleichtern

Fraktionsvorsitzende Annette Resch begründete das unter anderem damit, dass Menschen, die keine Kindergarten- oder Schulkinder haben, sich schwerer tun, in der neuen Wahlheimat Kontakte zu knüpfen. Ein Neubürgerempfang könne ihnen das erleichtern, zumal, wenn dort auch Priener Vereine vertreten seien. „Ich finde es schade, dass ein Neubürgerempfang nicht selbstverständlich ist“, hielt Gabriele Schelhas (SPD) fest. Die Leute sollten sich doch in der Marktgemeinde willkommen fühlen. „Wir sollten ein positives Gesicht Priens zeigen.“ Karina Dingler (ÜWG) war da anderer Meinung: „Wer zuzieht, muss auch selber was dafür tun, dass er ankommt.“ Sie sehe einen enormen Aufwand für Bürger und Vereine. Der Organisationsaufwand bei 800 bis 1300 Zuzügen pro Jahr sei es auch gewesen, so Geschäftsleiter Donat Steindlmüller in seiner Sachvorlage, weswegen die Marktgemeinde bisher von einem Neubürgerempfang abgesehen habe. Stattdessen bekommen die Neu-Priener bei der Anmeldung im Einwohnermeldeamt eine Willkommensmappe.

Ab und an blitzten in der Diskussion Zweifel durch, ob die Vereine tatsächlich mitmachen. Michael Anner (CSU) verwies darauf, dass es keinen Zwang für Vereine gebe, bei einem Neubürgerempfang präsent zu sein. Es sei aber eine Chance, sich darzustellen und neue Mitglieder zu gewinnen. „Manche Vereine suchen händeringend Leute“, erinnerte er seine Ratskollegen. Die Vereine müssten ja auch keine großen Stände aufbauen, fügte seine Fraktionskollegin Rosi Hell an. Sie halte ohnehin einen Stehempfang für sinnvoller, dann sei mehr Bewegung in der Veranstaltung.

Anner merkte noch an, dass Prien den Neu-Prienern aber auch ein entsprechendes Rahmenprogramm bieten müsse. Musik ist bei nahezu allen Neubürgerempfängen der Region selbstverständlich geboten, ob Blaskapelle, Schülerchor oder Crossover-Band. Touren durch das Dorf oder die Stadt, ein Quiz zur Gemeinde – Angebote gibt es in den Kommunen ganz unterschiedliche. Angenommen werden die Empfänge auch: In Bernau beispielsweise kamen dieses Jahr 110 von 770 Personen, die in den vergangenen drei Jahren zuzogen. Wasserburg lädt jährlich zum Neubürgerempfang ein, von den meist etwa 800 „Neuen“ kommen zwischen 90 und 120 ins Rathausfoyer.

Gut besuchte
Veranstaltung

„Grundsätzlich machen wir nichts kaputt, wenn wir’s probieren“, meinte Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG). Er sei gespannt, welche Vereine dann mitmachen wollten. Friedrich schlug vor, dass der Marktgemeinderat nach dem Neubürgerempfang 2026 entscheidet, ob es bei dem einen Versuch bleibt oder ob es 2028 weitergeht. Damit erklärten sich die Mitglieder des Marktgemeinderats einverstanden. „Schön, dass die CSU noch mal einen Vorstoß gemacht hat“, fand ein zufriedener Kersten Lahl (Bürger für Prien).

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