„Unausgegorene Planung“

von Redaktion

Ortsumfahrung Prutdorf: Bagger rollen spätestens ab 10. November

Prien – Baubeginn für die Ortsumfahrung Prutdorf soll, so Bürgermeister Andreas Friedrich auf Nachfrage der Redaktion, spätestens in der ersten Novemberhälfte sein. Der Ferienausschuss des Marktgemeinderates hatte in seiner Sitzung den gut 2,4 Millionen Euro schweren Auftrag an eine Firma aus dem nördlichen Chiemgau vergeben.

Unterhalt
übernimmt der Staat

Warum vergeben Priener Kommunalpolitiker Aufträge für den Bau einer Staatsstraße? Weil der Markt Prien endlich den Verkehr aus Prutdorf heraus haben will. Die Ortsumgehung stand aber auf der Prioritätenliste des Freistaats nicht sonderlich weit oben. Also schloss die Marktgemeinde eine „Sonderbaulastvereinbarung“ mit dem Freistaat: Prien plant und baut, bekommt dafür entsprechende Zuschüsse. Für den Unterhalt der Straße ist dann wieder das staatliche Bauamt zuständig.

Andreas Winhart, in Bad Aibling beheimatet, und Franz Bergmüller aus Feldkirchen-Westerham, AfD-Landtagsabgeordnete, stellten Mitte September eine schriftliche Anfrage an den Landtag, welche Förderungen der Marktgemeinde in Aussicht gestellt wurden. Die Antwort: Ein Förderbescheid sei noch nicht ergangen. Dem vorzeitigen Baubeginn sei aber bereits am 1. Juli zugestimmt worden. Das heißt, die Bagger können schon vor einer konkreten finanziellen Zusage rollen. Das müssen sie aber, so die Auskunft des Landtags, bis Jahresende tun.

Sollen sie, wie erwähnt – ab 10. November. Was Marktgemeinderat Sepp Schuster (AfD) nicht sonderlich freut. Er ist erklärter Gegner der Prutdorfer Umfahrung. Der Bachhamer findet die Planung unausgegoren. Den Prutdorfern gönne er es schon, dass sie den Verkehr aus ihrem Ortsteil heraus hätten, sagt er im Gespräch mit der Redaktion. „Aber ich befürchte, dass dann zu schnell nach Bachham hineingefahren wird.“

Damit bezieht Schuster sich auf den zweiten Bauabschnitt, den Ausbau mit leichter Begradigung der Staatsstraße und einem Radweg bis Bachham. Er habe schon einen Kreisel an der Abzweigung nach Kaltenbach angeregt, eine Insel oder einen Zebrastreifen zwischen den Bushaltestellen im Ort – „weil sich die Kinder in der Früh jetzt schon schwertun, sicher über die Straße zu kommen“ – oder einen fest installierten Blitzer, aber all das sei abgelehnt worden. Er sei eben Einzelkämpfer im Marktgemeinderat und seine Verbesserungsvorschläge würden „in die Tonne geklopft“. Für den zweiten Bauabschnitt gibt es derzeit weder eine konkrete Planung noch eine Zeitschiene.

Was den Bürgermeister in Sachen Umfahrung Prutdorf ärgert: „Es hat sich in manchen Köpfen manifestiert, dass Umfahrung Prutdorf und Ausbau bis Bachham eine Umgehung für den Hauptort werden. Dass der Verkehr von Frasdorf über Prutdorf und Bachham nach Prien geleitet werden soll.“ Friedrich findet die Vorstellung absurd. Denn das Nadelöhr St. Salvator (Gemeinde Rimsting) bleibe bestehen, „und der Brucker Kreisel ist an seiner Belastungsgrenze“. Den Verkehr dann noch über die Alte Rathausstraße und Seestraße nach Stock zu leiten, das wolle in Verwaltung und Kommunalpolitik niemand ernsthaft. Touristen würden über die Ausfahrt Bernau zur Harrasser Straße an den See geleitet, „das ist quasi unsere Ortsumfahrung von Süden.“

Nadelöhr
St. Salvator bleibt

Winhart und Bergmüller wollten vom Landtag auch wissen, welche Grundstücksflächen für die Verlegung der Staatsstraße 2093 an die Hangkante noch nicht in öffentlicher Hand seien. Das Landtagsbüro machte keine konkrete Angabe, antwortete, dass der Markt Prien mit den betroffenen Grundeigentümern verhandle. Friedrich ist zuversichtlich, dass bis zum geplanten Baubeginn alle Zusagen vorhanden sind.

Die beiden Abgeordneten hatten auch wissen wollen, welche Klagen bezüglich der Ortsumfahrung anhängig seien. Keine – die letzten hat das Bundesverwaltungsgericht im Juli 2023 abgewiesen.

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