„Klassentreffen“ der Holzschnitzer im Alten Rathaus in Prien

von Redaktion

Schüler ehren ihren Meister Hans Stellner mit Ausstellung – „Schnitzschule“ ist bereits vor 160 Jahren gegründet worden

Prien – Mit Blick auf die große Zahl junger Besucher – wahrscheinlich vor allem Schüler und Ehemalige des Fachlehrers für Holzschnitzerei und Schreinerei Hans Stellner – begrüßte der Vorsitzende des Kulturfördervereins, Georg Klampfleuthner, das Publikum in der Galerie im Alten Rathaus schmunzelnd mit einem „Herzlich willkommen zum Klassentreffen“. Die Ausstellung sei etwas Besonderes, da sie viele Skulpturen zeige. Die Werkeschau von Stellner und 25 seiner Schüler vereine künstlerische Erfahrung und schöpferischen Aufbruch. Er habe ihnen beigebracht, eigene Formen zu finden. Die Suche nach der Gestalt gehe über die Form und über das Material, das zu bearbeiten sei. Der Gewinner der Kunst-Zeit von 2021, Milan Mulzer, sei einer seiner Schüler gewesen.

Im Anschluss führte Christoph Merker, ebenfalls Fachlehrer an der Berchtesgadener Berufsfachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei sowie Vorsitzender des Berchtesgadener Künstlerbunds, als Laudator in die Ausstellung ein. Die gern als „Schnitzschule“ bezeichnete Institution sei vor 160 Jahren gegründet worden. Man habe damit dem in Zeiten der Industrialisierung drohenden wirtschaftlichen Niedergang der Holzschnitzerei begegnen wollen. Ziel war es, den Entwurf und das Design bei den handwerklich geschickten Holzhandwerkern zu verbessern – was gelang. „Der Entwurf ist die DNA der Schule“, so Merker, „und die Formensuche der Grundpfeiler der dreijährigen Ausbildung.“ In der Bildhauerei stehe die Form vor dem Inhalt. Bei Hans Stellner sei dazu auch die Individualität im Zentrum gestanden. Der Fachlehrer habe viel mit seinen Schülern gesprochen. Diese Zwiegespräche seien scherzhaft auch „Stühlchen-Kreis“ genannt worden, doch damit habe er Gemeinsamkeit geschaffen.

Wie innig das Verhältnis der Schüler zum Lehrer Stellner sei, zeige die große Zahl der mitwirkenden Ehemaligen, die aus ganz Deutschland zusammengekommen seien. „Ein schöneres Kompliment kann man seinem Meister nicht machen.“ Es sei eine grandiose Idee, zum Abschluss seines Lehrer-Daseins eine gemeinsame Ausstellung zu organisieren, die nicht nur die Kunst zeige, sondern vor allem die herzliche Beziehung untereinander. „Einmal Schnitzschüler, immer Schnitzschüler“, stehe für die Schule, die mittlerweile zum immateriellen Weltkulturerbe gehöre. „Letztlich sind menschliche Verbindungen mehr wert als die Kunstwerke“, so Merker.

Bürgermeister Andreas Friedrich zeigte sich von der Größe des anwesenden Publikums beeindruckt. Dies zeige, wie sehr Hans Stellner junge Menschen begeistern könne. Stimmig zum Erntedankfest sagte er: „Wer ernten will, muss säen. Die Ausstellung zeige, dass Hans Stellner gesät hat – und seine Saat ist aufgegangen.“ Die Dritte Vorsitzende des Kulturfördervereins, Inge Fricke, zeigte sich von der reduziert präsentierten Schau fasziniert – ebenso vom Lehrziel der Schule: „Die schauen wir uns einmal an, da fahren wir hin“, erklärte Fricke.

Schließlich trat Hans Stellner ans Mikrofon und dankte seinen Schülern, dass sie sich beteiligt hätten. Dies sei nur möglich, wenn man ein sehr persönliches Verhältnis zueinander habe, und das freue ihn nach 25 Jahren Lehrtätigkeit sehr.wp

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