Traunstein/Grabenstätt – Unter bewährter Führung bleibt der Chiemgau-Impakt-Verein zur Förderung der Erforschung des südostbayerischen Meteoritenkrater-Streufeldes. Einstimmig bestätigten die anwesenden Mitglieder in der Jahresversammlung im Gasthof „Zum Aubräu“ in Traunstein den stellvertretenden Landrat Josef Konhäuser als Vorsitzenden. Seit 19 Jahren lenkt er nun bereits erfolgreich die Geschicke des Vereins. Als zweiter Vorsitzender steht ihm Dr. Michael Rappenglück zur Seite, der als Astronom und Mitglied des Chiemgau-Impakt-Research-Teams (CIRT) den wissenschaftlichen Teil abdeckt.
Wiederwahl
der Führung
Philipp Mayer, der Sohn des Mitbegründers der Chiemgau-Impakt-Erforschung Werner Mayer, wurde im Amt des Dritten Vorsitzenden bestätigt. Ebenfalls in ihren Ämtern verbleiben für die kommenden drei Jahre Schriftführer Hans-Peter Matheisl und Kassier Alfred Dufter. Der ehemalige Emmertinger Ortsheimatpfleger und langjährige CIRT-Forscher Gerhard Benske verstärkt das Team als Beisitzer. Aus der Vorstandschaft ausgeschieden ist hingegen der bisherige stellvertretende Vorsitzende Tom Bliemetsrieder.
Kassenprüfer bleiben Reinhardt Heybrock und Rosi Neumann. „Damit haben wir wieder einen vollständigen Vorstand“, freute sich die CIRT-Forscherin und Historikerin Barbara Rappenglück in ihrer Funktion als Wahlleiterin. „Danke, dass ihr uns wieder das Vertrauen ausgesprochen habt“, meinte Vorsitzender Konhäuser. In seinem Tätigkeitsbericht hatte der Zweite Vorsitzende und CIRT-Forscher Rappenglück zuvor auf ein „ereignisreiches Jahr“ zurückgeblickt und die Weichen für die Zukunft der Impaktforschung in Südostbayern gestellt. Ein Höhepunkt war 2024 das Jubiläum „20 Jahre Chiemgau-Impakt-Forschung“, das man mit verschiedenen gut besuchten Veranstaltungen beging. Zahlreiche Gäste und Fachleute diskutierten damals die neuesten Erkenntnisse rund um das angebliche ellipsenförmige Meteoritenkrater-Streufeld zwischen Altötting und dem Chiemsee mit über 200 angenommenen Einschlagkratern, darunter der Tüttensee als größter Krater.
Nach neuesten Erkenntnissen des Vereins könnte auch die Eggstätter und Seeoner Seenplatte mit dem Kometeneinschlag zur Keltenzeit in Verbindung stehen, doch noch fehlen eindeutige Beweise. Entsprechende Nachweise seien Gegenstand laufender Untersuchungen, so Rappenglück. Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten hat man auch erstmals öffentlich die eigenen Messverfahren vorgestellt: Georadar, Geomagnetik, Geoelektrik und Gravimetrie.
Viele interessierte Besucher schauten damals den CIRT-Forschern auf einer Wiese am Tüttensee über die Schultern. „Die Ergebnisse der getätigten Messungen am Tüttensee bei Grabenstätt und in Eglsee bei Nußdorf wurden auf internationalen Konferenzen vorgestellt und in wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht“, betonte Rappenglück und sprach von „viel Anerkennung“, die man in Wissenschaftskreisen erfahre. Rappenglück zufolge sei auch die Zusammenarbeit mit internationalen Forschungseinrichtungen, etwa in Griechenland und Spanien, intensiviert worden.
Ein besonderer Fokus lag auf der engeren Datierung des Chiemgau-Impakts, wobei verschiedene Methoden wie Radiokarbon-, OSL- und archäologische Datierungen kombiniert wurden. „Wir erhoffen uns davon eine noch engere zeitliche Eingrenzung des Chiemgau-Impakts“, so der Astronom Rappenglück, der die Sternwarten Fürstenfeldbruck und Gilching betreut. Bisher wird der Kometeneinschlag vom CIRT zwischen 900 und 600 v. Chr. datiert, also in die späte Bronzezeit beziehungsweise in die frühe Hallstattzeit.
Laut Rappenglück plane das CIRT für 2026 die Veröffentlichung weiterer begutachteter Fachartikel, die Pflege und den Ausbau internationaler Kooperationen sowie die Durchführung einer groß angelegten Forschungskampagne zur Datierung von Gesteinen an ausgewählten Kratern. Ein weiteres Ziel sei die Realisierung eines größeren Chiemgau-Impakt-Museums. Seit 2009 befindet sich das Museum in einem kleinen Raum im Erdgeschoss der Grabenstätter Schlossökonomie. Die moderne Ausstattung, zu der nun auch ein 86-Zoll-Touchscreen als zentrales Element der interaktiven Ausstellung zählt, ermöglicht den Besuchern eine spannende und informative digitale Erkundungstour.
Kassier Alfred Dufter freute sich über die soliden Vereinsfinanzen, auch wenn die Ausgaben die Einnahmen 2024 um 3500 Euro überschritten hatten. Ein Lob verteilte er an die rund 55 Mitglieder, die mit ihren Mitgliedsbeiträgen für 86 Prozent der Einnahmen sorgten. Den Rest machten Buchverkäufe und Spenden aus. Da die Ausgaben für die Homepage künftig deutlich niedriger ausfallen werden, habe man noch mehr Mittel für die Forschungsarbeit zur Verfügung, so Dufter.
Verein zählt
55 Mitglieder
Im vergangenen Jahr seien „nur“ 60 Prozent der Ausgaben in die Forschung geflossen. Da es vonseiten der Kassenprüfer keine Einwände gab, wurden der Kassier und die ganze Vorstandschaft entlastet. „Wir wollen unser Geld auch in Zukunft nicht horten, sondern sinnvoll für die Wissenschaft ausgeben“, meinte der Erste Vorsitzende Konhäuser und dankte den Forschern, die immer sehr viel ehrenamtlich arbeiten.