Bayerns bester Florist ist ein Breitbrunner

von Redaktion

Interview Anian Friedrich (24) erklärt die „Sprache der Blumen“

Breitbrunn – Der Fachverband Deutscher Floristen, Landesverband Bayern (FDF Bayern), lud zur bayerischen Landesmeisterschaft ein, die ganz im Zeichen der mittelfränkischen Stadt Nürnberg stand. Historische Symbole der Stadt sollten dabei mit moderner Floristik verschmolzen und beeindruckende Interpretationen zwischen Tradition und Innovation geschaffen werden. Zu den erfolgreichsten Floristen zählte der Breitbrunner Anian Friedrich, der zum neuen bayerischen Meister 2025 gekürt wurde. Im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung ging der 24-Jährige auf seine Intention, Motivation und beruflichen Ziele ein.

Anian, seit wann haben Sie das Faible für diesen Beruf?

Schon als Kind war ich liebend gerne im Garten und in der Natur unterwegs. Mein großes Interesse an Pflanzen sowie mehrere Praktika in der Floristik führten zur Berufsentscheidung. Schon während meiner Ausbildung entdeckte ich die Leidenschaft für die „Wettkampffloristik“.

Muss man künstlerische Begabung haben oder kann man das einfach so erlernen?

Ein wenig künstlerische Begabung ist immer ein guter Grundstein für diesen Beruf. Jedoch gibt es viele wichtige gestalterische Grundlagen, die man sehr gut erlernen kann.

Wo ist der pragmatische Unterschied zwischen Gärtner und Florist für den Laien?

Während Gärtner und auch Landschaftsarchitekten sehr viel und direkt nach Plan arbeiten, bietet die Floristik einen großen Teil an Kreativität. Das Arbeiten mit Schnittblumen ist beim Floristen einzigartig. Da es keine spezifischen Fachbereiche wie beim Gärtner gibt, muss man in jedem Bereich fit sein, egal ob Trauer- und Hochzeitsfloristik, Ladengeschäft oder Großauftrag.

Vor geraumer Zeit lud der Fachverband Deutscher Floristen Landesverband Bayern (FDF Bayern) zur bayerischen Landesmeisterschaft ein. Wie kommt man zur Teilnahmemöglichkeit?

Grundsätzlich kann sich jeder Florist mit bestandener Gesellenprüfung dazu anmelden, der in einem bayerischen Betrieb arbeitet. Weder Berufserfahrung noch Stand der beruflichen Fortbildungen (Meister) sind dabei ausschlaggebend. Die diesjährige Meisterschaft stand ganz im Zeichen der Stadt Nürnberg. Es galt, kreative Werkstücke unter anderem zu Themen wie der Kaiserburg oder Albrecht Dürer umzusetzen.

Wie geht man dabei vor?

Um eine Grundlage für meine Ideen zu schaffen, habe ich mich mithilfe der Ausschreibung vorab ganz allgemein zu den Themen informiert. Dabei konnte ich meine Ideen konkretisieren, sodass sie zu den Anforderungen des entsprechend geforderten Werkstücks passen. Nach dem Skizzieren und der schriftlichen Ausarbeitung meiner Werkstücke habe ich mich zu Gestaltung, Farben und Techniken beraten sowie Details und die handwerkliche Umsetzbarkeit überprüfen lassen. Nach Anschaffung aller benötigten Materialien wurden erste Techniken ausprobiert und angepasst. Nach dieser akribischen Vorarbeit ging es mit der Fertigung von Konstruktionen für meine Werkstücke weiter. Unterstützt haben mich bei den verschiedenen Gewerken Schreiner, Metallbauer und Glaser. Historische Symbole der Stadt sollten dabei mit moderner Floristik verschmelzen und beeindruckende Interpretationen zwischen Tradition und Innovation geschaffen werden. Das hört sich ziemlich abstrakt an.

Wie kann das floristisch dargeboten werden?

Bei einer floristischen Interpretation geht es vor allem darum, Blumen sprechen zu lassen und nicht zu versuchen, historische Symbole zu kopieren. Durch viele Eigenschaften von Blumen, wie Form, Farbe, Bewegung, Textur und Herkunft lassen sich Themen sehr gut darstellen. Um eine stimmige Gesamtaussage zu schaffen, sind die Grundaufbauten der Werkstücke natürlich stark auf das Thema zugeschnitten.

Wie geht man bei der Schaffung eines „floralen Meisterwerkes“ mit dem Zeitdruck in einem Wettbewerb um?

Der beste Umgang damit ist eine gute Planung unter Einbeziehung seiner Erfahrungswerte sowie das vorherige Üben am Werkstück gepaart mit konzentriertem und ruhigem Arbeiten.

Ist die Aufgabenstellung bekannt? Woher kommen die Ideen? Kann man vorher üben?

Die fertige Ausschreibung haben alle Teilnehmer Mitte Juli bekommen. Meine Ideen kommen natürlich aus den Aufgabenstellungen, die einen gewissen Rahmen vorgeben, inspiriert von der Natur, die Kern und Grundlage floristischen Schaffens ist. Grundsätzlich kann man seine Werkstücke so oft üben, wie man möchte. Da jedoch mit verderblichem Material gearbeitet wird, macht es das Üben sehr teuer. Ich selbst habe mich auf meine sorgfältige Planung und Erfahrung verlassen.

Wie bereitet man sich auf das Werkstück vor?

Alle Vorarbeiten und auch Blumen müssen von den Teilnehmern selbst organisiert und finanziert werden. Während des Wettkampfes muss allerdings die florale Gestaltung komplett gefertigt werden und zum Rest des Werkstücks wesentlich überwiegen, da es ansonsten Punktabzug gibt. Die Werkstücke werden nach dem Florint-Bewertungssystem bewertet, welches auf verschiedene Faktoren wie Farbe, Komposition, Idee und Technik mit verschiedenen Gewichtungen eingeht.

Was ist das Besondere an Ihren Materialien?

Die meisten meiner Blumen stammen von einer Gärtnerei für Schnittblumen in der Nähe von München, bei der ich meine Blumen vor dem Wettkampf selbst schneiden und auswählen durfte. Somit passen sie perfekt zu meinen Werkstücken. Zudem habe ich sehr viele Blumen selbst angebaut und Pflanzen aus dem Gemüsegarten entnommen, wodurch ein einzigartiger Blumenmix entsteht. Das Ganze benötigt aber unfassbar viel Zeit und ist nicht ganz einfach, was ein Werkstück dadurch so besonders macht.

Was bedeutet die Teilnahme am Wettbewerb für Sie?

Wettkämpfe sind eine willkommene Abwechslung zum normalen Berufsalltag. Zusätzlich aber auch die Möglichkeit der freien Gestaltung, ohne auf Vorbereitungszeit, Geld oder andere Limits achten zu müssen. Außerdem bieten Berufswettkämpfe ein Sprungbrett zur Erweiterung seiner beruflichen Möglichkeiten.

Fließt auch eine Siegesprämie?

Ja, jedoch deckt sie die Materialkosten bei Weitem nicht – und schon gar nicht die ganze Arbeit, die dahintersteckt.

Was sind Ihre kurz- und langfristigen Ziele in dem Beruf?

Kurzfristig will ich noch in einige Bereiche wie Bühnenshows, Landesgartenschauen und Event-Floristik etwas mehr hineinschnuppern, um herauszufinden, welcher Teil der Floristik mir am meisten Spaß macht.Interview: Karl Wastl

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