Chiemsee – Wenn sich die Blätter bunt färben und der See im Herbstlicht schimmert, dann weiß man: Es ist wieder Zeit für die traditionelle Herbstjagd auf Herrenchiemsee. Am Samstag fand sie zum 68. Mal statt – und die Insel im Bayerischen Meer zeigte sich an diesem Tag von ihrer allerschönsten Seite.
Englische Tradition
auf bayerischem Boden
Bereits die ersten Linienschiffe von Prien zur Herreninsel waren mit hunderten Zuschauern, teils in reitsportlicher Kleidung, gut gefüllt. Die Jagdherrschaft lag wie in den Vorjahren in den bewährten Händen von Esther Höhn und Josef Ettenhuber, die mit großem Engagement und feinem Gespür für Pferd und Reiter die Veranstaltung leiteten.
Schirmherr war erneut Bayerns stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger, der in diesem Jahr nicht selbst anwesend sein konnte.
Geritten wurde – wie es die Tradition will – hinter der Meute des Schleppjagdvereins von Bayern, die einer künstlichen Fährte folgte. Es war wieder ein Spektakel, das Können, Vertrauen und Harmonie zwischen Pferden, Reitern und Hunden verlangte. Für die festliche Stimmung sorgten die „Trompes de Bavière“ unter der Leitung von Konstanze Hofinger aus Traunstein. Ihre Hörner hallten weit über die Insel und verliehen der Jagd ihren unverwechselbaren, feierlichen Charakter.
Das Stelldichein fand an der Kapelle des Alten Schlosses statt, wo zunächst die Pferdesegnung durch Pfarrer Dr. Lothar Kratz aus Seeon erfolgte – ein Moment stiller Andacht, bevor die Meute losgelassen wurde und der Ritt über die Insel begann.
Die Zuschauer spazierten entlang der Wege, verfolgten die Jagdsequenzen und genossen die besondere Atmosphäre zwischen königlicher Kulisse, Natur und traditionsreicher Reitkultur.
Mensch, Tier und
Natur im Einklang
Die Besucher auf der Insel zeigten sich beeindruckt von der Eleganz und Dynamik der Reitergruppen, dem disziplinierten Lauf der Hunde und dem Klang der Hörner. Immer wieder brandete Applaus auf, wenn Pferde und Reiter Hindernisse meisterten oder die Meute in voller Bewegung über die Wiesen zog.
Besonders bei Familien, Ausflüglern und Fotografen herrschte spürbare Begeisterung – schließlich boten sich auf Schritt und Tritt Motive, die Herz und Auge gleichermaßen erfreuten. Nach dem letzten „Horrido“ und der Versorgung der Pferde kehrten Reiter, Gäste und Helfer im Inselgasthof Herrenchiemsee ein.
Die Herbstjagd auf Herrenchiemsee bewies damit einmal mehr, dass sie mehr ist als ein sportliches Ereignis: Sie ist ein Fest der Lebensfreude und des Brauchtums, das Menschen, Tiere und Natur in Einklang bringt.