von Redaktion

Gutachten zur Hochwasserproblematik an der Bernauer Ache lässt viele Fragen unbeantwortet

Bernau – Trotz Gutachten blieben viele Fragen im Bernauer Gemeinderat offen. Die Brücke an der Bernauer Ache soll, wie schon in der Gemeinderatssitzung vom März dieses Jahres bekannt wurde, im Rahmen der Bahnsanierung 2027 von neun auf 13,4 Meter lichte Weite erweitert werden.

Große Bedenken
wegen Überflutung

Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) fasste den Sachstand zusammen: Neben der Ache verläuft ein beliebter Fußweg, den der Gemeinderat unbedingt erhalten möchte. Zudem werde befürchtet, dass mit einem verbreiterten Durchlass den Unterliegern eine mögliche Überflutung drohen könnte. Deshalb habe die Verwaltung die Bahn in einem Schreiben aufgefordert, „die Bedenken der Gemeinde in die weitere Planung miteinzubeziehen und alternative Lösungen zur Verbesserung der Durchlasssituation zu prüfen, ohne dabei bestehende Schutzfunktionen leichtfertig aufzugeben“.

Konkret benannt werden in dem Schreiben das Risiko der Erhöhung des Hochwasserspiegels durch Bugwellenbildung, Rückstaugefahr durch Seezufluss bei Starkregen, erhöhte Fließgeschwindigkeit und Wasserdruck in der Bernauer Ache, Bedeutung des Bahndamms als natürliche Barriere, akute Überflutungsgefahr für tiefgelegene Anwohnerbereiche und fehlende Berücksichtigung der Zuflüsse vor der Bahnbrücke. Fazit: „Die Gemeinde fordert eine erneute, umfassende hydraulische und hydrologische Bewertung des Vorhabens.“

Janosch Kögler von der DB hatte in der März-Sitzung bereits anklingen lassen, dass man ein Fachbüro zur Berechnung der Wassermassen eingeschaltet habe. Das „Ingenieurbüro Aquasoil“ aus Westheim stellte in der jüngsten Sitzung seinen Untersuchungsbericht vor. Geologe Dr. Theo Westhoff sagte, dass es eine 120-jährige Messreihe für Bernau gebe. Dabei sei als Maximalhöhe 521,97 Meter über Normalnull im August 2020 ermittelt worden. Zuerst habe man mit den Daten des Wasserwirtschaftsamtes (WWA) und später in einer zweiten Untersuchung mit den Daten des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) samt dem Rauheitsbeiwert nach Strickler (in Abhängigkeit von der Oberflächenbeschaffenheit, Bewuchs und Querschnittsform ändert sich der Wert grundsätzlich mit der Abflusstiefe, da der Einfluss der Böschungsrauheit mit zunehmender Fließtiefe abnimmt, Anmerkung der Redaktion) das Abflussverhalten untersucht. Ob man nun die Abflussmenge verändert von 53 Kubikmeter pro Sekunde (m³/s; Daten des WWA) auf 43,6 m³/s (Daten des LfU), oder ob man unterschiedliche Strickler-Werte ansetzt, am Abflussverhalten ändere sich mit der neuen Brücke nicht viel. „50 Meter unterhalb der Brücke tut sich nichts mehr“, so Westhoff.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Jakob Müller (CSU) wandte ein, dass der Berghamer Bach übergegangen sei und dass es einen Rückstau gegeben habe. Peter Steindlmüller (CSU) hakte nach, warum man nicht auf der anderen Seite, also im Irschener Winkel, ausbaggere, um hier Abhilfe zu schaffen. Josef Wörndl (CSU) wandte ein: „Wir haben sehr wohl Starkregenereignisse.“ Martin Pollinger (SPD) erkundigte sich, wieso man bei der ersten Berechnung einen höheren Strickler-Wert angesetzt habe als bei der zweiten Berechnung. Die Geländebeschaffenheit sei doch gesetzt. Thomas Herian (BL) befand: „Das klingt, als ob man das hingerechnet hat.“ Ulla Zeitlmann (Grüne) sprach wohl vielen aus der Seele, als sie sagte, dass es noch viele offene Details gebe.

„Das klingt, als ob man
das hingerechnet hat“

Janosch Kögler anerkannte, dass nach den beiden durchgeführten Berechnungen das Ergebnis, also das Abflussverhalten, plus minus gleich sei. Er habe zur Sitzung auch einen Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes geladen, aber leider sei niemand gekommen. Er verstehe die Einwände des Bernauer Gemeinderates und sicherte deshalb zu: „Eine Begründung bekommen Sie.“ Bürgermeisterin Biebl-Daiber nahm diese Aussage als Schlusswort: „Wir klären die offenen Fragen.“

4,5 Millionen Euro sind für das Projekt veranschlagt, davon muss die Gemeinde aufgrund des Kreuzungsgesetzes zehn bis 15 Prozent tragen.

Bei der nächsten Sitzung im November soll abgestimmt werden.

Brückensanierung mit Risiko

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