Unterwössen – In Unterwössen gibt es nun einen Kreuzweg mit insgesamt 15 Stationen, der vom Gebirgsschützenheim am Streichenweg 33 bis zur Antoniuskapelle am Balsbergweg führt. Zu danken ist dies der Familie Hans Höglauer. Nun weihte der Pfarrer den Kreuzweg ein.
Der 1,1 Kilometer lange Weg beginnt hinter dem Gebirgsschützenheim, führt durch den Wald, quert den Balsberghang oben über dem Dorf und endet an der Antoniuskapelle. An der Hangseite des Weges stehen 14 Stationen mit modernen Kreuzwegbildern. Diese gehen auf emaillierte Originale aus der früheren Krankenhauskapelle in Ruhpolding zurück. In einem aufwendigen digitalen Verfahren entstanden daraus detailgetreue Reproduktionen. Die Vorlagen wurden hochauflösend gescannt und auf witterungsbeständige Tafeln übertragen. Die 15. Station ist die Antoniuskapelle, die die Brüder Hans und Manfred Höglauer bereits 2013 errichteten.
Dem Aufruf zur Einweihung folgten gut 50 Bürger, darunter Zweiter Bürgermeister Johannes Weber mit Gemeinderäten, Mitarbeiterinnen des Kindergartens St. Martin und Vertreter des Kitaverbundes. Sie versammelten sich in einem großen Kreis um einen kleinen Altar neben der großen Hinweistafel, die eingangs über den Kreuzweg informiert.
Den stimmungsvollen Auftakt der Einweihung gestaltete ein Blasmusikquartett, das Franziska Burkhard zusammengestellt hatte. Dazu gehörten Ute Glanz, Edi Ager und Schorsch Maier aus Stephanskirchen.
Pfarrer Martin Straßer begrüßte die Besucher. Die Feier stehe im Zeichen des Dankes für diese Initiative. „Der Begriff Dank finde seinen Ursprung im Begriff Denken“, sagte er und beschrieb den Weg von der Idee Hans Höglauers über die Unterstützung seiner Familie bis hin zur Planung und Umsetzung.
Nach der Lesung von Johannes Weber spannte Pfarrer Straßer den Bogen von der Größe Gottes zur Nähe in der Not. Er erinnerte sich an das Wort eines Mitmenschen, der gesagt habe: „Gott ist unvorstellbar groß.“ Er selbst sehe das auch so, so der Pfarrer, fügte aber hinzu: „Gott ist auch ganz klein, weil er in seinem Sohn zu uns Menschen kam.“ Der Kreuzweg mache das sichtbar. Und wenn sich in jeder Station die Leiden und Nöte Jesu spiegeln, zeige das: Wir sind in unseren Nöten und Ängsten nicht allein.
Nach dem Segen und einem Gebet ergriff Hans Höglauer das Wort. Schnell wich er von seinem Manuskript ab, fand auch witzige Ergänzungen. So erntete er Lachen und Beifall. Höglauer erzählte, wie er über Jahre auf Wanderungen und Wegen über einen Kreuzweg in der Natur nachdachte. Die Idee ließ ihn nicht los. Auslöser wurde ein Besuch des Kreuzweges in Aschau zur Abendmahlkapelle. Dort las er die Dankesworte an den Kapellenwänden. Auf dem Heimweg stand die Idee. Zu seiner Frau sagte er: „Jetzt versuche ich, einen Kreuzweg zur Antoniuskapelle zu errichten.“ Er beschrieb die vielen kleinen Schritte, die daraus folgten. Pfarrer Straßer öffnete sein Archiv und schlug Kreuzwegbilder vor, die einst in der Krankenhauskapelle in Ruhpolding hingen. Die überzeugten Höglauer auch deshalb, weil sie zur heutigen Zeit passen und in ihrer Darstellung keine Kindergartenkinder erschrecken, wenn deren Gruppen den Weg zum Kindergarten-Hütterl nehmen. Nach Rücksprache mit Bernhard Greimel zur Gestaltung übernahm Höglauer diese als Vorlage. Sepp Sabold aus Schleching fertigte Digitaldrucke auf Aluverbundplatten an. Die Stelen aus Lärchenholz baute Höglauers Sohn Korbinian in der Schreinerei. Familie und Freunde halfen, bei Wind und Wetter Betonsockel zu gießen, Infotafeln zu gestalten und die Texte zu montieren. „Ich wurde immer wieder gefragt: Warum ein Kreuzweg?“ Er gab eine klare Antwort: „Ein Kreuzweg ist ein Symbol der Hoffnung.“ Die Stationen zeigten nicht nur den Leidensweg Jesu. Sie mahnten zur Mitmenschlichkeit, erinnerten an eigenes Leid und spendeten Trost.
Zum Abschluss wandte sich der Pfarrer direkt an Hans Höglauer. „Du hast der Pfarrei ein Licht geschenkt“, sagte er zu ihm. lfl