Bernau – Es gibt Dinge, die müssen irgendwann einfach gemacht werden, auch wenn sie unangenehm sind: Für viele sind das beispielsweise Besuche bei Zahnärzten, das Putzen der Toilette oder das Erstellen der Steuererklärung. Für Bernau ist es die Sanierung der Chiemseestraße ab dem heutigen Montag. „Die Sanierung ist absolut nötig, da die Fahrbahndecke total kaputt ist. Wenn Sie mit dem Fahrrad von oben runterfahren, sind Sie unten durchgeschüttelt“, erklärte Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber den Umstand gegenüber der Chiemgau-Zeitung.
Fahrbahndecke
total kaputt
Dass es unangenehm wird, kündigte sie auch auf der Bürgerversammlung Mitte Oktober im „Gasthof Kampenwand“ den rund 50 interessierten Bernauern an: „Das ist eine Maßnahme, die uns viel Geduld abverlangen wird. Die drei Wochen werden nicht ganz so schön, aber wir werden die drei Wochen irgendwie rumkriegen.“ Die Chiemseestraße ist Bernaus Lebensader: Rathaus, Einkaufsmöglichkeiten, Apotheke oder Ärztehaus sind in der Chiemseestraße. Sie verläuft parallel zur Autobahn und wird deshalb gerne als Ausweichroute genutzt. Jetzt wird nicht die komplette Chiemseestraße saniert, aber zwei Abschnitte: von der Einmündung in die Priener Straße bis zum Rathaus und von der Aicherstraße bis zum Kreisverkehr bei der Autobahnauffahrt. Im Zuge der Baumaßnahmen saniert die Gemeinde die Wasserschieber und Schachtdeckel. Während dieser Phase können alle Geschäfte angefahren werden, Anwohnende kommen zu ihren Häusern. Alle Geschäfte haben geöffnet. Wichtig ist der Rathauschefin, dass Ärztehaus und Apotheke immer anfahrbar sind.
Biebl-Daibers Bitte bei der Bürgerversammlung: „Je weniger die Baustelle gestört wird, desto schneller ist sie auch fertig. Bitte nutzen Sie die Chiemseestraße so wenig wie möglich.“
In einer zweiten Bauphase wird dann aber wirklich nichts gehen: nämlich wenn der Landkreis neu asphaltiert. Das ist in den Herbstferien ab Ende Oktober geplant. Witterungsbedingt ist der Plan noch nicht fix terminiert, bei Regen oder Temperaturen unter fünf Grad werden die Arbeiten nicht möglich sein. Für die Asphaltierung sind zwei Tage pro Bauabschnitt angesetzt. Die Umleitung ist während der ganzen Baustelle großzügig im Ort ausgeschildert und soll möglichst von allen genutzt werden. Dort ist wiederum ein Halteverbot während der Baumaßnahmen.
„Da auch ein herzlicher Dank für das Verständnis der Hinterlieger, die betroffen sind. Wir müssen gewährleisten, dass die Rettungsfahrzeuge durchkommen, wenn was sein sollte“, sagte die Bürgermeisterin. Spätestens nach den Herbstferien soll dann alles beendet sein. Die Umleitung verläuft für den inneren Abschnitt von der Kirche über die Ferdinand-Bonn-Straße, Bügelrainstraße, Rudolf-Stratz-Straße, Braunstraße und die Widholzerstraße wieder in die Chiemseestraße. Der zweite Abschnitt soll über die Aicherstraße, Baumannstraße und Hochfellnstraße umfahren werden. Wann genau die Asphaltierungsarbeiten stattfinden, will die Gemeinde über den Kommunenfunk und die Webseite nochmals bekannt geben.
Am liebsten hätte der Gemeinderat direkt nach der Sanierung die Chiemseestraße auf Tempo 30 beschränkt, zumindest im oberen Bereich von Prienerstraße bis zur Bahnhofstraße. „Wir hätten da schon Hoffnung, weil sich ja in der Straßenverkehrsordnung gerade für übergeordnete Straßen und für Kreisstraßen Erleichterungen ergeben hätten“, sagte Biebl-Daiber. Sie fand in Neumarkt-St. Veit eine ähnliche Straße, in der Tempo 30 gilt, die von der Lage mit Schule und Pflegeheim zur Kreisstraße ähnliche Lagefälle wie Bernau hätte mit Schule und Arztpraxen zur Kreisstraße.
Wunsch nach
Tempo 30
Der Beschluss im Gemeinderat war einstimmig, aber das Landratsamt lehnte ab, ohne auf den Hinweis von Neumarkt-St. Veit einzugehen. „Es scheint eine grundsätzliche Meinung zu sein, die sie für den ganzen Landkreis so vertreten“, so Biebl-Daiber und weiter: „Es würde zu einer unheimlichen Beruhigung des Verkehrs führen. Das wäre für die Anwohner schön, es wäre auch für alle schön, die an dieser Straße einkaufen oder queren müssen und natürlich für die Kinder auf dem Schulweg sowie alle beim Ärztehaus.“ Eine unfreiwillig verkehrsberuhigte Probe wird es ab Montag während der Baustellenphase geben.