Gstadt – Der Erdgasspeicher Breitbrunn ist der drittgrößte Gasspeicher in Deutschland, in Bayern sogar der größte, und hat eine Kapazität von rund einer Milliarde Kubikmetern. Zum Vergleich: Die Cheops-Pyramide fasst 2,6 Millionen Kubikmeter, der Starnberger See fasst drei Milliarden Kubikmeter Rauminhalt. Das Energieversorgungsunternehmen Uniper, zu 99,12 Prozent in Staatsbesitz, hat zum 31. März 2027 die Stilllegung des Speichers bei der Bundesnetzagentur beantragt. „Die Erlöse reichen nicht aus, um die laufenden Kosten für Speicherentgelte, Betrieb und Netze zu decken“, teilte der Energiekonzern der Welt mit.
Keine Panik
verbreiten
Die Tochtergesellschaft „Uniper Energy Storage“ vermarktet die Kapazität des unterirdischen Speichers und ist damit Betreiber. Die „Nafta Speicher GmbH & Co. KG“ wiederum hält die bergrechtlichen Nutzungsrechte in der ehemaligen Lagerstätte und verwaltet die Speicherstätte. Ganz so einfach ist eine Schließung eines Erdgasspeichers allerdings nicht, denn die Bundesnetzagentur prüft nun, ob eine Stilllegung überhaupt möglich ist im Hinblick auf die Versorgungssicherheit. Eine Schließung kann durchaus untersagt werden.
Dafür plädiert Bayerns Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger: „Breitbrunn darf nicht stillgelegt werden, die Bundesnetzagentur darf die Genehmigung zur Stilllegung nicht erteilen. Dieser Speicher ist einer der größten Deutschlands und umfasst ein Drittel des bayerischen Speichervolumens.“ Der Ukraine-Krieg habe die Augen geöffnet, wie wichtig Energiespeicher seien, so Aiwanger, „wir leben ja alles andere als in krisenfreien Zeiten. Die internationalen Krisen spitzen sich zu, Deutschland mitten drin. Da müssen wir alles dafür tun, unsere Versorgungssicherheit zu gewährleisten und dürfen Speicherkapazität auf keinen Fall reduzieren.“
Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger erklärt in einer Pressemitteilung weiter: „Wir sollten die Sicherheit verstärkt im Blick haben und auch perspektivisch an Neunutzungen denken. Zum Beispiel könnte auch Wasserstoff in den Speichern gelagert werden. Dieser Speicher muss auf jeden Fall intakt bleiben.“
Das Problem der Erdgasspeicher: Bis zum Angriff Russlands auf die Ukraine wurde hauptsächlich im Sommer günstig Gas aus Russland eingekauft, welches dann eingelagert wurde. In Fachkreisen hieß es dann oft günstiges Sommer- und teures Wintergas. Durch LNG, Flüssiggas, welches seither verstärkt aus anderen Ländern wie den USA oder Katar importiert wird, sind die Unterschiede der saisonalen Lieferungen und Preise kaum noch relevant. Speicher können daher kaum mehr wirtschaftlich betrieben werden.
Der Gasspeicher heißt zwar Breitbrunn/Eggstätt, liegt aber auf Gstadter Gemarkung. Gstadts Bürgermeister Bernhard Hainz machte sich auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung zunächst ein umfangreiches Bild der Lage und sagte daraufhin: „Noch ist nichts entschieden. Erst einmal muss die Bundesnetzagentur die Schließung genehmigen.“
„Schließung wäre
Super-GAU“
Bei der Nafta sei die Lage recht entspannt und Hainz will keine Panik verbreiten. „Wir warten zunächst mal ab. Der Gasspeicher ist wichtig für Gstadt. Es hängen natürlich Gewerbesteuereinnahmen daran. Wenn es tatsächlich zur Schließung kommen würde, wäre das der Super-GAU. Aber noch mal: Es ist noch überhaupt nichts entschieden und eine Entscheidung steht noch aus.“ Nafta wollte sich auf Anfrage nicht zu einer möglichen Schließung äußern. Patrick Nägele