Prien – „Heute ist ein besonderer Abend: Wir gründen unseren Gemeindeverein!“, mit diesen Worten begrüßte Priens evangelischer Pfarrer Mirko Hoppe an die 50 Interessenten in der Priener Christuskirche, die der Einladung zur Gründungsversammlung des Gemeindevereins gefolgt waren.
„Warum gründen wir einen Gemeindeverein? Weil wir überzeugt sind: Kirche vor Ort hat eine blühende Zukunft. Aber nur, wenn wir sie gemeinsam gestalten.“ Aus diesen oder ähnlichen Gedanken heraus wurde in Prien vor rund 100 Jahren erstmals ein Verein gegründet. Ziel war der Bau der Christuskirche, die 1927 eingeweiht werden konnte. Weitere Kirchen auf Eigeninitiative evangelischer Kirchengemeinden folgten, unter anderem die Erlöserkirche in Breitbrunn in den 1960er-Jahren. Der Kirchenbauverein in Bernau existiert heute noch.
„Kirche lebt, wo sich Menschen einbringen“
Die Ziele und die Gründe für die Notwendigkeit dieses neuen Fördervereins erläuterten Mirko Hoppe und Karl-Friedrich Wackerbarth nach einer kurzen Andacht. Letzteren hatte das Vorbereitungsteam aus dem Ruhestand heraus für dieses Vorhaben reaktivieren können. Überall wird gespart, im Bund und auch in der Kirche. So plant die Evangelische Landeskirche Bayern für die Zukunft mit größeren Einheiten ab 8000 Mitgliedern.
Zur Veranschaulichung: Die Kirchengemeinden aus Prien, Bernau, Aschau und Bad Endorf mit ihren Filialkirchen kommen gerade mal auf ungefähr 6000 Gemeindemitglieder. Das würde bedeuten, dass diese Kirchengemeinden künftig zu einer noch größeren Einheit mit einem vielleicht zentral gelegenen Gottes- und Gemeindehaus zusammengefasst werden würden, die kleineren Kirchengemeinden darin aufgehen und deren Kirchen- und Gemeindegebäude abgestoßen werden sollen.
Aus der Überzeugung heraus, dass „Kirche lebt, wo Menschen sich einbringen“, haben Mirko Hoppe, Georg von Laffert und Klaus Löhmann vergangenes Jahr die Idee entwickelt, einen gemeinnützigen Verein zur Förderung und Stärkung der Kirchengemeinde zu gründen. Auch um die eigene Souveränität in Zukunft noch bewahren zu können, ist Eigeninitiative gefragt, zumal die Entscheidungen des Dekanatsausschusses, welche Orte in welchem Umfang betroffen sein werden, für die Priener Kirchengemeinde nicht immer nachvollziehbar sind.
So lag auch kürzlich im Briefkasten des evangelischen Pfarramts in Prien der Bescheid der Landeskirche, dass es künftig keine finanzielle Unterstützung mehr in Form von Zuwendungen aus Mitteln der Kirchensteuer für die Erlöserkirche in Breitbrunn und das renovierungsbedürftige Pfarrhaus in Prien geben wird. Die Kirchengemeinde kann zwar gegen diesen Bescheid noch Beschwerde einlegen, aber eine Änderung ist sehr unwahrscheinlich. Das heißt, beide Gebäude sollen abgestoßen werden. Die Kirchengemeinde muss bis dahin aber die laufenden Kosten für die Gebäude ohne weitere Zuwendungen selber tragen und wird zusätzlich von der Landeskirche zur Bildung von hohen festgesetzten Rücklagen verpflichtet.
Ein Ort für Glauben
und Gemeinschaft
Abstoßen kommt für Pfarrer Mirko Hoppe nicht in Frage: „Das Priener Gemeindehaus wird gut besucht, Breitbrunn auch und die Menschen schätzen diesen lebendigen Ort für Spiritualität, Glauben, Kultur, Musik und Gemeinschaft. Es besteht so viel Bedarf für Gespräche und Kontakt. Es braucht Raum und Menschen am Ort, kein Pfarrhaus in ‚xy‘, wenn das Leben ganz woanders stattfindet. Wir werden daher Breitbrunn nicht aufgeben und in Prien auf eigene Faust etwas bauen und finanzieren!“
Dass die Priener Kirchengemeinde auch dank zahlreicher Spenden wieder ohne Unterstützung durch die Landeskirche dazu in der Lage ist, hat sie bei der 2024 abgeschlossenen Renovierung der Breitbrunner Erlöserkirche bewiesen. Hier betrug der Zuschuss durch die Landeskirche nur circa sechs Prozent der Kosten. Und zwecks Erhaltung des Priener Pfarrhauses in Prien gibt es schon Ideen zur Finanzierung. Unabhängig ob Sanierung oder Neubau soll dabei auch zusätzlich sozialer Wohnraum geschaffen werden.
„Auch deshalb brauche es diesen Verein als Zukunftswerkzeug“, so Pfarrer Mirko Hoppe. Der neue Gemeindeverein soll ein offenes Dach bieten für viele Anliegen, und die Freiheit geben, eigene Projekte zu starten. Nicht nur zur Sicherung und zum Erhalt der Kirchengebäude. Geistliches und spirituelles Leben soll genauso gefördert werden, ebenso wie Musik, Kultur und Bildung. All das und weitere Veranstaltungen werden auch jetzt schon in beiden Gemeindehäusern angeboten und gut angenommen, und nicht nur von Gemeindemitgliedern. Deshalb wird der Verein offen sein für alle, denen Gemeinschaft wichtig ist oder die einfach nur etwas Gutes bewirken wollen, egal ob evangelisch oder nicht, ob Musikfreund oder Kulturliebhaber. Stärkung der diakonischen Hilfe für Bedürftige wird auch ein Anliegen des neuen Vereins laut Satzung sein. In dieser ist die mögliche Einbindung des Diakonievereins für die Zukunft notariell schon eingearbeitet, um Doppelstrukturen zu verhindern, so Klaus Löhmann, Vorsitzender des Diakonievereins.
Neuer Verein ist ein
„Zukunftswerkzeug“
Nach Abschluss der Ausführungen des Vorbereitungsteams bestand noch die Möglichkeit für Fragen aus dem Publikum. Danach zogen alle gemeinsam in den Gemeindesaal, um sich in die Listen zur Willenserklärung einzutragen, dem Verein aktiv oder passiv beitreten zu wollen. Pfarrer Mirko Hoppe freute sich über die rege Beteiligung und schon 49 Unterschriften nur an diesem Abend und hofft, dass die konstituierende Versammlung noch bis zum 31. Dezember 2025 stattfinden kann.