100 Jahre: „Mein Leben war schön“

von Redaktion

Magdalena Nenninger erlebt Zweiten Weltkrieg, Wirtschaftswunder und Währungsreform

Prien – In Deutschland leben rund 18000 Hundertjährige, die wenigsten davon in Bayern. Eine von ihnen ist Magdalena Nenninger, die jüngst ihren 100. Geburtstag gefeiert hat. Neben Gratulationen hoher Würdenträger überbrachte der Dritte Bürgermeister Martin Aufenanger persönlich die Glückwünsche der Gemeinde. Ihr Rückblick auf ihr „schönes“ Leben glich dabei einem Blick ins Geschichtsbuch – von der Weltwirtschaftskrise 1930, dem Zweiten Weltkrieg und der Währungsreform über das Wirtschaftswunder bis hin zur Jahrtausendwende und der Einführung des Euro. All das prägte das Leben von Magdalena Nenninger, die am 29. September 1925 am Fuße des Herrnbergs in Prien als Magdalena Elisabeth Berger das Licht der Welt erblickte. Nach der Schule begann sie 1940 eine Lehre im Foto- und Reformhaus Scheyrer. Das Kriegsende 1945 bedeutete zunächst Not, Tauschhandel und Improvisation.

Sie lernte den Münchner Studenten Hermann Nenninger kennen, den Sohn eines Sendlinger Orgelbauers, den sie 1947 in Prien heiratete. Noch war vieles knapp, ihr Hochzeitskleid wurde aus einem Fallschirm geschneidert. Die beiden zogen nach München-Sendling: Hermann brachte sein Ingenieurstudium zu Ende und Magdalena übernahm die Kantine der Münchner Caritas. Aus der Verbindung gingen die Kinder Peter (1948), Wilma (1951), Elisabeth (1959) und Michaela (1961) hervor. Die Liebe zum Chiemsee blieb, an den Wochenenden ging es nach Prien zum Segeln. 1983 erfüllte sie sich ein Versprechen und zog zurück nach Prien-Trautersdorf. 1986 entzog ihr das Schicksal ihren Mann Hermann. „Es war ein schneller, schmerzhafter Abschied“, erinnert sich die Hundertjährige. Doch die Familie wächst. Es traten die ersten beiden Enkelkinder Manuela und Angelika von ihrem Sohn Peter ins Leben. Es folgten Susanne und Michael der Tochter Wilma sowie Leo und Tara von Tochter Michaela. Heute freut sich Magdalena Nenninger nicht nur an ihren sechs Enkeln, sondern auch an vier Urenkeln.

Wie die Tochter Michaela erzählte, sei ihre Gastfreundschaft legendär gewesen. „Wer ihr Kuchenbuffet mit Linzer Torte, Marmor-, Nuss- und Käsekuchen sowie Obst-Baiser und Biskuit kannte, der habe gewusst: Sie bäckt nicht, sie führt ihre Gäste in den Kuchenhimmel.“

Seit einem Jahr lebt die Jubilarin nun im Caritas-Haus St. Josef, keine 500 Meter Luftlinie von ihrem alten Zuhause entfernt. Der Abschied vom eigenen Haus war schwer. Doch ihr Lebensrezept „Immer in Bewegung bleiben – mit beiden Beinen fest auf dem Boden“ blieb.

Bis heute ist die Jubilarin geistig fit und nimmt aktiv am Leben teil. Mit großer Freude schaut sie auf ein Jahrhundert zurück: „Mein Leben war schön.“ wp

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