Bekifft im Unterricht

von Redaktion

Bulgare dealt mit Kindern und Jugendlichen in Prien – Zwei Jahre und sieben Monate Haft

Prien/Chiemgau – Am Bahnhof in Prien treffen sich nicht nur Bahnreisende. Gerne wurde der Ort auch von Gruppen Jugendlicher aufgesucht, die nicht nur zu viel Zeit haben – und nicht recht wissen, was sie damit anfangen sollen. Von der Mittelschule in Prien wurde die Polizei darauf aufmerksam gemacht, dass so mancher Schüler bekifft dem Unterricht gar nicht mehr folgen kann, und dass die Drogenquelle am Bahnhof zu Prien zu finden sei.

Zwei Gramm Kokain
in der Unterhose

Die Beamten überwachten daraufhin verstärkt dieses Umfeld, und siehe da, bei einer Kontrolle fiel ihnen der Angeklagte auf: ein 25-jähriger Bulgare, der im Gespräch mit einem polizeibekannten Junkie war. Zu einer Personalfeststellung aufgefordert versuchte der Bulgare zu entfliehen. Allerdings blieb es bei dem Versuch. Bei der anschließenden Kontrolle fanden sich in dessen Rucksack eine Menge Cannabis und eine kleine Waage, wie sie zum Portionieren von Drogen Verwendung findet. Bei einer Leibesvisitation entdeckten die Beamten schließlich noch knapp zwei Gramm Kokain in dessen Unterhose.

Nach Feststellung der Personalien wurde der Mann – natürlich ohne die Drogen – wieder auf freien Fuß gesetzt. Bei der darauf obligatorisch folgenden Hausdurchsuchung stellte sich jedoch heraus, dass der Angeklagte unter der angegebenen Adresse längst nicht mehr wohnt. Die Vermieterin hatte dessen zurückgelassenen Utensilien mittlerweile in Plastiksäcke gepackt. Drogenrelevante Funde gab es nicht.

Tags darauf traf dessen frühere Lebensgefährtin bei der Polizeistation in Prien ein und erstattete Anzeige wegen Körperverletzung. Der Angeklagte hatte im Rahmen einer Auseinandersetzung der weit unterlegenen Frau den Zeigefinger derart brutal nach hinten gebogen, dass der Finger mehrfach gebrochen war. Auch hatte er sie würgend gegen eine Wand gedrückt.

Damit war das Fass übergelaufen. Der 25-Jährige wurde festgenommen und im Mai in Untersuchungshaft genommen.

Am Verhandlungstag vor dem Schöffengericht Rosenheim kam nun eine ganze Reihe von Verfehlungen in der Anklage zum Vorwurf: Nicht nur der Drogenbesitz und die Körperverletzung waren angeklagt. Wie sich herausstellte, hatte der Mann in 23 Fällen Drogen an Minderjährige, ja sogar an 13-jährige Kinder verkauft. Darüber hinaus hatte er eine 13-Jährige per Chat aufgefordert ihm Nacktbilder zukommen zu lassen. Er seinerseits hatte an diese Penisbilder gesendet.

So gab es eine Menge an Vorwürfen, mit denen ihn der Staatsanwalt konfrontierte. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Maximilian Hoh, bat bereits eingangs um ein Rechtsgespräch, bei dem er ein umfassendes Geständnis seines Mandanten ankündigte. Das Gericht einigte sich schließlich mit allen Prozessbeteiligten auf ein Strafhöchstmaß von zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis.

Damit konnte den beteiligten Jugendlichen eine peinliche Aussage erspart werden und die frühere Lebensgefährtin musste ebenfalls nicht persönlich vor Gericht auftreten, sondern konnte ihre Zeugenaussage per Videoschaltung absolvieren. Wie sich herausstellte, war der Angeklagte zwar selber drogenabhängig, ist aber dennoch – wie im Gutachten festgestellt wurde – voll schuldfähig.

Drogenabhängig,
aber voll schuldfähig

Der Staatsanwalt hatte dem Gehörten wenig hinzuzufügen und beantragte die in der Verständigung vorgehaltene Gefängnisstrafe von zwei Jahren und neun Monaten zu verhängen. Der Verteidiger bat dabei, doch die Drogensituation seines Mandanten im Auge zu behalten und verwies auf dessen umfassendes Geständnis. Zwei Jahre und fünf Monate seien ein angemessenes Strafmaß.

Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Isabella Hubert machte aufgrund seines Geständnisses einen Abschlag und verurteilte den Bulgaren zu zwei Jahren und sieben Monaten Gefängnis.

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