Schneller Fitness-Test für jeden

von Redaktion

Wie fit ist man für die nächste Bergtour? Das Bayerische Kuratorium für Alpine Sicherheit hat in Ruhpolding den „BergFit-Weg“ entwickelt, einen Ein-Kilometer-Testpfad zur Selbsteinschätzung. Unser Reporter ließ es sich nicht nehmen, den Weg selbst mal auszuprobieren.

Ruhpolding – Einen kleinen Fitness-Test für alle präsentierte das „Bayerische Kuratorium für Alpine Sicherheit“ in Ruhpolding dem Innenminister Joachim Herrmann und der Bergwacht. Herrmann fuhr nach der offiziellen Eröffnung mit dem Bergwachtauto zum Zielpunkt – klar, Terminstress. Auch der Pressevertreter wurde nach oben gefahren und auch wieder herunter. Aber als ehemaliger Sportstudent juckte es den Reporter in den Fingern und Beinen, den „BergFit-Weg“ selbst zu gehen – und die eigene Fitness zu testen.

Perfekte
Begleitung

Aber alleine wäre ja auch ein bisschen langweilig. Wer wäre denn die ideale Begleitung? Klar, Stefanie Böhler als Olympiamedaillengewinnerin wäre prädestiniert. Glücklicherweise kündigte sie bei der Präsentation an, bisher noch keine Zeit gehabt zu haben. Ausgearbeitet hat die Teststrecke Dr. Laura Eisenberger, auch sie wäre eine perfekte Begleitung. Kurze Anfrage, beide haben noch Zeit und sind dabei, wunderbar. Sie würde nur noch kurz die Schuhe wechseln, kündigte Böhler an. Zurück kam sie im Sport-Outfit: Die ehemalige Profi-Langläuferin geht Leistungstests nach wie vor sehr seriös an. Von Eisenberger bekomme ich eine Armbanduhr, die auch den Puls misst – Voraussetzung für den „BergFit-Weg“. Alternativ hätte ich im Sportgeschäft Plenk eine leihen können, diese Kooperation wurde beim offiziellen Termin angekündigt.

Der Start der Teststrecke ist an der Kreuzung Kirchberggasse/Rathausstraße, also mitten im Ortskern. Ein Wunsch der Gemeindeverwaltung, wie Eisenberger, selbst in Ruhpolding heimisch, verrät. Am Startpunkt wird außerdem bald eine Infotafel angebracht. Blick auf die Uhr, Aktivität starten, damit die Zeit- und Herzfrequenz-Messung beginnt – und los geht es. Die Belastung soll im mittleren Anstrengungsbereich liegen, „dort eher an der oberen Grenze“, so Eisenberger. Und das alles im Gehen, denn es soll ja ein Fitness-Test sein, der Wanderungen simuliert.

Wir einigen uns auf ein Tempo, bei dem wir uns noch gut unterhalten können. Schon nach wenigen Metern nerven mich meine starre Hose, die dicke Jacke und der Rucksack. Dafür gibt Eisenberger interessante Einblicke in die Entstehung des Testweges: „Projektstart war 2020, mitten in der Corona-Phase. Da war es ideal, dass wir in die Natur konnten.“ 2022 waren die ganzen Daten der Menschen gesammelt, die für das Projekt wanderten. „Der nächste Meilenstein war dann die fertige Formel, die wir auch wissenschaftlich validiert haben.“

Die Daten von 140 Testpersonen sind ins Projekt geflossen, über das Eisenberger auch ihre Promotion schrieb. Die Werte wurden sowohl im Labor als auch in der Natur gemessen. In die Formel fließen hauptsächlich die durchschnittliche Herzfrequenz und die benötigte Zeit für die einen Kilometer lange Strecke und deren 90 Höhenmeter ein. Aber auch Geschlecht, Alter, Größe, Gewicht sowie Raucher oder Nichtraucherin sind Faktoren. Anhand der damit berechneten maximalen Sauerstoffaufnahme werden die Testpersonen in die Kategorien Rot, Gelb und Grün eingeteilt.

Für Böhler, Silbergewinnerin in der Langlaufstaffel bei Olympia 2006 in Turin, ist das eine tolle Sache: „Ich finde es cool, dass es so einfach ist, etwas über den eigenen Fitnesszustand herauszufinden. Sowohl Ruhpoldinger als auch Touris. Wenn man abends einen etwas intensiveren Spaziergang machen möchte, kann man gleichzeitig die Fitness testen.“ Ein „super Aspekt“ ist für die seit Anfang der 2000er in Ruhpolding lebende Böhler auch, dass der Test sowohl zum Start der Berggeh-Saison im Frühjahr als auch zum Ende im Herbst gemacht werden kann: „Dann sieht man, ob sich an der Fitness etwas getan hat. Das ist fast schon ein Service-Angebot.“

Im Fokus steht dabei der präventive Charakter, dass Schicksale am Berg verhindert werden sollen, die nicht zu selten durch HerzKreislauf-Probleme ausgelöst werden. Durch den Testweg sollen sich die Leute besser einschätzen können. Böhler kam in jüngster Vergangenheit viel mit Bergwachteinsätzen in Verbindung: Beruflich betreute sie die preisgekrönte ARD-Dokumentation über die Bergwacht.

Durch das angenehme Gespräch mit den beiden ist der Weg für mich vorbei an Kirche und Friedhof hoch auf den Aussichtspunkt Adlerhügel kurzweilig, Schilder am Weg weisen uns den Weg. Am Zielpunkt kurz vor der Wiegeliege ist ein Schild mit dem Zielhinweis und QR-Code angebracht. Wir stoppen die Uhren und die Aktivität und – ein Klassiker – meine Uhr hat nichts aufgezeichnet. Männer und Technik. Ich fülle das Formular dennoch aus, die Zeit von knapp 13 Minuten hatten wir ja gemeinsam gestoppt. Bei der Ankunft zeigte meine Pulsuhr 110 Schläge pro Minute an, also nehme ich den Wert.

Raus kommt ein Ergebnis im oberen gelben Bereich, na immerhin, so schlecht bekommt mir der Schreibtisch-Job doch nicht. „Eine akzeptable Leistung! Gut gemacht – bleiben Sie am Ball!“, sagt mir das Ergebnis noch und weiter: „Ihr Ergebnis zeigt, dass sich Ihre Ausdauerleistung in Ihrer Altersgruppe im mittleren Bereich bewegt.“ Dazu gibt es Trainingstipps.

Expertin Eisenberger sagt: „Es ist noch keine Wanderrouten-Empfehlung mit dem Ergebnis verknüpft.“ Schmunzelnd ergänzt sie: „Das wäre ja was für die Tourismusabteilung der Gemeinde. Aber klar sollte sein, dass Menschen, die im roten Bereich landen, nicht gleich auf den Rauschberg gehen sollten.“

„Fit wie ein
Wanderschuh“

Kurzer Test, was mit einem Durchschnittspuls von 100 bei mir herausgekommen wäre: „Fit wie ein Wanderschuh – eine starke Leistung!“ Knapp im grünen Bereich, damit würde ich zum oberen Bereich zählen. Und bei Böhler? Klar grüner Bereich, und das in einem eigentlich für sie zu geringen Tempo. Sie kündigte schon an, die Teststrecke bald noch mal in ihrer Geschwindigkeit gehen zu wollen. Ganz die Leistungssportlerin – und ihre Hauptsaison, der Winter, steht ja auch vor der Tür.

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