Prien/Chiemsee – Zwei Stromausfälle innerhalb einer Woche, das hatte es rund um den Chiemsee lange nicht gegeben. Insgesamt gab es vier verschiedene Fehlerstellen im Mittelspannungsnetz am Chiemsee, wie Michael Bartels, ein Sprecher des Netzbetreibers Bayernwerke, gegenüber der Chiemgau-Zeitung schildert. Los ging alles in der Beilhackstraße und auf der Fraueninsel am Dienstag vergangener Woche. Nun wurden diese beiden Stellen repariert und den notwendigen Belastungstests unterzogen.
Höhere Spannung
an anderen Stellen
„Die nach den beiden Kurzschlüssen notwendigen Schaltmaßnahmen, um die betroffenen Haushalte wieder zu versorgen, haben zu Spannungserhöhungen auf anderen Kabelstrecken geführt“, erklärt Bartels die weiteren Fehler, die am darauffolgenden Donnerstag für weitere Stromausfälle sorgten. Michael Bartels weiter: „Wenn genau jene anderen Erdkabel aber bereits beschädigt oder deren Kabelisolierungen – zum Beispiel durch Bewegungen im Erdreich, äußere Beschädigungen durch spitze Steine oder vergangene Baumaßnahmen – porös sind, kann es durch den dann höheren Leistungsfluss auch zu Kurzschlüssen an genau diesen Stellen kommen.“
In der Folge kommt es deshalb zu weiteren Ausfällen, wie an jenem Donnerstag zwischen 15 und 19 Uhr. Betroffen hiervon waren Gebiete in Prien und Bernau sowie auf Herrenchiemsee und der Fraueninsel – zwei weitere Kabelstrecken waren beschädigt. „Durch weitere Schaltmaßnahmen konnten wir dann am Abend wieder alle Ortsteile voll versorgen. Seitdem hatten wir keine neuen Ausfälle zu verzeichnen. Um die betroffenen Erdkabel zu reparieren, die sich zum Teil im Ortskern von Prien befinden, kann es noch etwas Zeit in Anspruch nehmen“, teilt Bartels für die Bayernwerke mit.
Gerade auf der Fraueninsel waren die Reparaturarbeiten aufwendiger: „Bei den Arbeiten an der Fraueninsel war natürlich die Herausforderung, Geräte wie Bagger und Kabelmesswagen sowie Ersatzteile per Fähre auf die Insel zu überführen. Darüber hinaus gab es keine weiteren Hemmnisse.“
Die Gemeinde Prien konnte grundsätzlich nicht viel machen, teilt Geschäftsleiter Donat Steindlmüller der Chiemgau-Zeitung am Telefon mit. „Gerade der Bürgermeister Andreas Friedrich hat einen guten Kontakt zu den Bayernwerken. Es kann jetzt sein, dass es punktuell zu Ausgrabungen für betroffene Kabel kommt.“ In Mitleidenschaft gezogen wurde auch eine Trafostation im Wieninger-Block, „die Schäden werden jetzt mit Nachdruck behoben“, erklärt Priens Geschäftsleiter Steindlmüller.
Direkte Konsequenzen zieht die Gemeinde aus den Stromausfällen nicht, wie der Priener Geschäftsleiter sagt, aber der Leitungsausbau und die Sanierung der bestehenden Infrastruktur seien generell ein Thema. „Das betrifft ja nicht nur den Strom, das ist ja dasselbe mit dem Trinkwasser. Wir haben immer wieder Rohrbrüche bei uns im Leitungsnetz. Deswegen schauen wir, sobald irgendwo Straßenbaumaßnahmen sind, hier die Leitungen mitzuerneuern“, erklärt Steindlmüller, denn die Leitungen seien teilweise 50 bis 60 Jahre alt.
Kabel teilweise
50 bis 60 Jahre alt
„Deshalb gibt’s ja leider immer wieder Einschränkungen im Straßenverkehr, weil dann ganze Straßenzüge angepackt werden“, so der Verwaltungsleiter. Die Gemeinde hänge sich bei Erschließungen oft dran, um das in die Jahre gekommene Leitungsnetz zu beheben. Dies geschehe in enger Absprache mit der Telekom und mit den Bayernwerken. Oft werden auch Leerrohre von Priener Gemeindeseite verlegt, um zukunftsträchtig unterwegs zu sein. „Wir wissen uns dieser Aufgabe zu stellen“, betont Steindlmüller zum Ende.