Übersee – Einen wichtigen Teil der Bürgerversammlung im Gasthof Hinterwirt betraf die rege Bautätigkeit in Übersee, zu der es auch viele Wortmeldungen gab. Franz Wilk sprach die Straßenbauarbeiten durch die Firma Avacomm an. In seiner Straße habe die Avacomm schon dreimal die Straße aufgerissen und wieder zugeschüttet. Er sehe mit großer Sorge, wie unsachgemäß da gearbeitet würde, zum Beispiel werde der Asphalt zu wenig verdichtet. Glasfasern würden bei Beschädigung schnell kaputt gehen, sodass ein Verantwortlicher da sein müsse, der sich wirklich auskennt. Die Bauarbeiter würden oftmals an den Häusern klingeln, fragen, wo die Hausanschlüsse seien, und dann anfangen, den Boden aufzureißen. Wilk wollte wissen, ob die Gemeinde hinsichtlich möglicher Folgeschäden abgesichert sei.
Bauverlauf ab
sofort beaufsichtigt
„Eine sehr schwierige Situation“, erwiderte Bürgermeister Herbert Strauch. Es sei nun ein externes Büro eingesetzt worden, das den Bauverlauf beaufsichtigt. Er wisse, dass die Firma sachgemäß arbeiten könne, aber auch er habe schon erlebt, dass anders gebaut worden sei, als ausgemacht. Die Gemeinde habe deshalb immer wieder mit der Firma verhandelt und vereinbart, dass „saubere Protokolle“ geführt würden. Die Avacomm dürfe nicht mehr als auf einer Strecke von 200 Metern bauen. Da Übersee die erste Gemeinde im Achental sei, die vollständig mit Glasfaserausbau ausgestattet werde, hoffe er, dass es künftig besser werde.
Dazu meldete sich auch der seit wenigen Monaten hier neu eingesetzte Geschäftsführer der Avacomm, Stefan Kühn, zu Wort. Mit den eingesetzten Baufirmen von L-Bau Engineering habe man gute Erfahrungen gemacht. Allerdings seien nach der Sommerpause nicht alle der erfahrenen Mitarbeiter zurückgekommen. Avacomm würde alles „Menschenmögliche tun“, um allen gerecht zu werden. Schwierig sei es, weil nur gebaut werden dürfe, wenn die Hausbesitzer da wären, und die seien eben oft nicht da, was die ganzen Arbeitsabläufe zwangsläufig verändere. Zur Frage der mangelnden Verdichtung des Asphalts sagte Kühn, dass der Asphalt vergossen und immer Lastplattentests durchgeführt würden. Außerdem sei vertraglich festgelegt, dass die Firma über einen Zeitraum von fünf Jahren zur Gewährleistung verpflichtet ist.
Kirsten Gnadls Thema war die Mobilität in Übersee. Sie wollte wissen, wie die Gemeinde angesichts der Umweltproblematik in alternative Mobilitätskonzepte und Radanbindung aufgestellt sei. Sie selbst pendle zur Arbeit nach München und habe zwei Kinder. Mobilitätsthemen seien gerade auf dem Land sehr wichtig, gab ihr der Rathauschef recht, und er sei dankbar für die entsprechenden Arbeitskreise in Übersee. Leider sei insgesamt der ÖPNV noch nicht so weit, dass eine Familie keine zwei Autos mehr brauche, auch wenn das schade sei, so Strauch. Das Rufbussystem müsse aus Kostengründen vielleicht eingestellt werden. Auch der MVV mit seinen verschiedenen Tarifsystemen sei für viele Bürger und Gäste zu undurchsichtig und kompliziert. Vor Kurzem sei die Stellplatzsatzung vom Gemeinderat neu verabschiedet worden. Auf Beschluss des Gemeinderats werde es keine Radstraße zum Chiemseestrand geben, aber die Querverweise im Gemeindegebiet auf die Radrouten zum See würden besser beschildert werden.
Strauch berichtete auch, dass der Gemeinderat kürzlich beschlossen habe, die Kosten/Nutzenrechnung für den Einsatz einer mobilen Geschwindigkeitsmessanlage im Ortsbereich zu ermitteln. Grund war der Antrag für einen festen Blitzer an der Grassauer Straße, den der Gemeinderat abgelehnt hatte. In der Ratssitzung am Donnerstag, 30. Oktober, werde über das weitere Vorgehen entschieden, so Strauch.
„Haifischzähne“ zur
Drosselung des Tempos
Robert Reisinger sagte, ihm gehe es um Kinder und Senioren. Am Reitweg und am Schnappenweg seien zwar Tempo-30-Zonen ausgewiesen, aber er vermisse „Haifischzähne“ zur Drosselung des Tempos, so wie am Breitensteinweg. Der Bürgermeister berichtete von der Verkehrsbeschau mit Polizei und Straßenbauamt vor einigen Monaten. Dabei sei ausdrücklich darauf hin- gewiesen worden, dass die Ausweisung als Tempo-30-Zone ausreiche. Auf die Frage von Holger Kötter, weshalb es im Ort auf der Hauptstraße keine Mittelstriche mehr gebe, erwiderte der Bürgermeister, dass nach neuen Richtlinien innerorts keine Markierungen mehr vorgesehen seien.