Gemeinsamer Traum von einer Jugendherberge in Prien

von Redaktion

Alfred (82) und Margit (80) feiern diamantene Hochzeit – „Man muss krisenfest sein“

Prien – Jüngst besuchte der Zweite Bürgermeister Michael Anner die Familie Abel, um Alfred (82) und Margit (80) im Namen der Gemeinde zu ihrer diamantenen Hochzeit zu gratulieren. Die aus Mühldorf stammende Margit und der in Tüßling geborene Alfred lernten sich bei einem Jugendball der katholischen Jugend in Tüßling kennen. Sie heirateten 1965. Er absolvierte von 1957 bis 1960 eine kaufmännische Ausbildung und begann dann als Lagerist in einer Kfz-Werkstatt. Durch seine Arbeit als Gruppenleiter bei den Pfadfindern hatte er von früh an viel Kontakt zur Jugend sowie zu Jugendherbergen, in denen er Schulungen oder Camps abhielt.

Ebenso reiste er als junger Mann quer durch Deutschland und übernachtete selbst stets in diesen Einrichtungen. Ihn habe die Herzlichkeit, die Fürsorge und die familiäre Atmosphäre fasziniert, mit der man dort aufgenommen worden sei, sowie die Gemeinsamkeit bei den Mahlzeiten und den abendlichen Zusammenkünften, bei denen man immer neue Menschen kennengelernt habe. Dabei sei sein Wunsch entstanden, selbst Herbergsvater zu werden.

Als die Priener Jugendherberge 1968 neu eröffnet wurde und ein Leiter gesucht wurde, bemühte er sich um diese Position, bekam sie jedoch nicht. So begann er ein Praktikum in einer Jugendherberge in Würzburg, um anschließend sein „erstes Haus“ in Oberstdorf mit 180 Betten zu übernehmen. Dass seine Frau eine gelernte Köchin war, passte ideal. Nach dreieinhalb Jahren wechselte er nach Bayerisch Eisenstein in den Bayerischen Wald, wo er für zehn Jahre eine Jugendherberge leitete. Von anfangs rund 14000 Übernachtungen pro Jahr zählte er zum Schluss doppelt so viele Besucher.

Und dann wurde sein Traum, nach Prien zu ziehen, doch noch Wirklichkeit. 1982 war die Stelle des Jugendherbergsleiters in der Carl-Braun-Straße erneut vakant – und dieses Mal bekamen die Abels den Zuschlag: Alfred übernahm den Bereich Verwaltung und Pädagogik, Margit die Wirtschaftsleitung. „Mir hat die Arbeit mit der Jugend immer sehr gut gefallen, aber auch die Selbstständigkeit, mit der man sich damals noch einbringen konnte“, erinnert sich Alfred Abel.

Er entwickelte mit Gleichgesinnten das europaweit erste Programm zur Umwelterziehung für Schulklassen in Jugendherbergen und bot geführte Exkursionen in die Natur wie zum Wassergüteproben an. Die Idee wurde gut angenommen; Im ersten Jahr buchten 35 Gruppen das Angebot, im dritten Jahr bereits 114. Der Hauptverband des Jugendherbergswerks wurde darauf aufmerksam und kreierte das Zertifikat eines „Umwelt-Studienplatzes“, mit dem eine Jugendherberge ausgezeichnet werden konnte, die dies im Programm hat.

„Es war eine wunderschöne Zeit, auch wenn wir im Sommer oft wochenlang ohne einen freien Tag durchgearbeitet haben“, sind sich die Abels einig. Bis zu zehn Mitarbeiter gehörten zum Team, immer auch Zivildienstleistende, mit denen sie besonders gern gearbeitet haben. Mittendrin waren immer auch die drei Töchter Manuela, Gisela und Elisabeth, die aus der Verbindung stammen. Zur Familie gehören nun auch vier Enkelkinder im Alter von 32 bis 35 Jahren.

Auf die Frage, wie man in solch einem umtriebigen Umfeld eine Ehe langjährig erfolgreich führen kann, erklärte Alfred Abel: „Man muss krisenfest sein und vor allem eine gute Streitkultur pflegen.“ Heutzutage würden Paare viel zu schnell aufgeben. Wenn man ein solches Haus gemeinsam führt, gelangen Dinge, die nicht so gut gelaufen sind, schnell auch ins Private.wp

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