Globale Herausforderungen vor Ort

von Redaktion

Bund Naturschutz Achental zieht Bilanz und blickt auf Projekte und Sorgen im Chiemgau

Marquartstein – Die globalen Herausforderungen finden auch direkt vor unserer Haustür statt. So stieg der Vorsitzende des Bund Naturschutz der Ortsgruppe Achental in die Jahresversammlung im Wessner Hof ein. Als Beispiel nannte Ulrich Penzkofer den in diesem Jahr historischen Wasser-Tiefstand des Chiemsees seit 100 Jahren.

Er erläuterte die Ziele und Aufgaben der Ortsgruppe. Der Bund Naturschutz sieht sich als kompetenter Ansprechpartner für kommunale und regionale Entscheidungsträger für alle Belange, die die Natur und Umwelt betreffen. Gemeinsam sollen pragmatische Lösungen gefunden werden, die ökonomische und ökologische Anliegen berücksichtigen.

500 Mitglieder
in der Ortsgruppe

Die Schwerpunkte in der Arbeit des Bund Naturschutz beschäftigen auch die Mitglieder im Achental, wie beispielsweise erneuerbare Energien, sauberes Wasser, Natur- und Artenschutz, nachhaltige Landwirtschaft, Umweltbildung, nachhaltiger Tourismus, Mobilität und der Klimaschutz, um nur einige zu nennen. Aktuell sind in der Ortsgruppe Achental rund 500 Mitglieder vertreten. Vorsitzender ist Ulrich Penzkofer, Annette Grimm und Klaus Thiele sind stellvertretende Vorsitzende.

Wie die praktischen Hilfen beim Bund Naturschutz aussehen, schilderte der Vorsitzende in einer Retrospektive des vergangenen Jahres. Da gab es die Amphibienrettung beim Übergang an der Freiweihdacherstraße. Frösche, Kröten und Co. werden über die Straße getragen, damit sie sich unbeschadet auf den Weg zu ihren Laichplätzen machen können. Eine echte Knochenarbeit, die einmal morgens um 6 Uhr und nochmal abends um 22 Uhr von jeweils zwei ehrenamtlichen Helfern jeden Tag über acht Wochen und bei jedem Wetter durchgeführt wurde. Ulrich Penzkofer zeigte den akribisch ausgearbeiteten Plan für den täglichen Einsatz. Ein großer Dank des Vorsitzenden ging an alle Helfer.

In diesem Jahr wurden 1883 Amphibien, davon 1771 Erdkröten und 102 Grasfrösche, über die Straße getragen. Die Zahl der Tiere ist ähnlich wie im vergangenen Jahr, nur im Jahr 2023 waren es rund 500 Amphibien mehr.

Eine weitere Sorge galt dem Ausbau der B307. Es fand im November vergangenen Jahres eine Versammlung zur Aufklärung des geplanten, überdimensionierten Ausbaus statt. Ulrich Penzkofer rief die Pläne kurz in Erinnerung, es soll der Straßenabschnitt der
B 307 zwischen Raiten und Geisenhausen von jetzt fünf Metern Breite auf 18 Meter verbreitert werden, das würde einen massiven Eingriff in die Natur bedeuten. Der Bund Naturschutz ist durchaus für eine Sanierung, aber eher für einen bestandsorientierten Ausbau der Bundesstraße. 250 Unterschriften gegen diesen Plan wurden gesammelt und übergeben, Gespräche mit den Bürgermeistern von Marquartstein und Schleching geführt und es gab Schriftwechsel mit dem Straßenbauamt Traunstein.

Der Status quo ist, dass das Straßenbauamt einen Termin mit dem Bund Naturschutz ablehnte, nach einem Schreiben, in dem ausführlich die Vorbehalte aufgeführt wurden. Der Vorentwurf von Ende 2022 ist der letzte bekannte Stand der Planung. Das Planfeststellungsverfahren ist noch nicht eröffnet. Sobald weitere Planungsschritte bekannt sind, wird eine weitere Informationsveranstaltung organisiert, referierte Ulrich Penzkofer.

Zu dem viel diskutierten Thema einer Agri-PV-Anlage am Eichfeld in Übersee, das circa zwölf Hektar umfasst und an den Bahngleisen liegt, hat der Bund Naturschutz eine positive Meinung. Mit der Anlage könnten bis zu 3600 Haushalte mit Strom sauber und regional versorgt werden. In einem Interview sagte Ulrich Penzkofer: „Sonne und Windkraft sind unsere wichtigsten lokalen, erneuerbaren Energiequellen. Windkraft ist im und am Rande des Achentals nicht nutzbar, da zu wenig beständiger Wind weht. Somit bleibt die Sonnenenergie.“

Weitere Veranstaltungen in diesem Jahr waren die gut besuchte „Biber-Exkursion“ im August und der Besuch der Kendlmühlfilze im Oktober mit Mitgliedern aus ganz Bayern.

Ulrich Penzkofer berichtete aus dem Landkreis über die Proteste gegen ein geplantes Wasserkraftwerk an der Salzach, dort wurden 16000 Unterschriften gegen das Projekt übergeben.

Zu dem Thema „Gesunde Ernährung“ musste Penzkofer über eine hohe PFAS-Belastung (extrem langlebige Chemikalien) in der Götzinger Ache, die bei Tittmoning in die Salzach fließt, berichten. Fischer wurden aufgefordert, nur noch 40 Gramm selbstgefangenen Fisch pro Woche zu essen.

Umweltschutz beim
Golfplatz in Grassau

In der abschließenden Diskussion fragten einige Mitglieder, wie es mit dem Umweltschutz beim Golfplatz in Grassau steht, der ja an die Kendlmühlfilze grenzt. Ihre Sorge galt der Monokultur und eventuell vermehrt eingesetzten Pestiziden. Der Vorsitzende wollte sich näher informieren und die Expertise der Organisation des Bund Naturschutz nutzen.

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