Kritik am „Wohnhof“ bleibt

von Redaktion

Gemeinderat Seeon-Seebruck billigt Bebauungsplan bei einer Gegenstimme

Seeon-Seebruck – Der Seeon-Seebrucker Gemeinderat hat in jüngster Sitzung den aktuellen Planungsstand des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes „Seeon Seestraße II“ zugunsten des sogenannten „Wohnhofes“ bei einer Gegenstimme gebilligt. Zuvor hatte die Verwaltung dem Gemeinderat und den zahlreichen Zuhörern die Stellungnahmen aus der Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung sowie die Abwägungsvorschläge der Gemeindeverwaltung zur Genehmigung vorgelegt. Ein im Rahmen des laufenden Verfahrens von den Behörden geforderter Nachweis bezüglich des Brandschutzes (zweiter Rettungsweg) und die Vorlage eines Umweltberichts machen eine erneute öffentliche Auslegung dieser zwei Punkte notwendig.

„Wir bekommen seit
Jahren Anfragen“

Mit Ausnahme von Toni Mayer (Grüne) segnete der Gemeinderat den Beschlussvorschlag, den Planungsstand zu billigen und die Verwaltung zu beauftragen, eine erneute Beteiligung durchzuführen. Wie mehrfach berichtet, läuft das Bauleitverfahren konkret seit über vier Jahren. Nach einer abgespeckten Variante sieht die aktuelle Planung jetzt zwei eigenständige Gebäude mit einem Turm und einer öffentlichen Aussichtsterrasse vor. Insgesamt sollen 16 Mietwohnungen entstehen sowie Räume für einen ambulanten Pflegedienst. Nach Angaben des Bauherrn, der Andreas Hartl KG, sei das Interesse an Mietwohnungen schon jetzt groß. „Wir bekommen seit Jahren Anfragen“, sagte Andreas Hartl auf Nachfrage der Chiemgau Zeitung. Er und seine beiden Mitstreiter gehen davon aus, dass mit einem Baubeginn im kommenden Jahr zu rechnen ist. „Nach sechs Jahren im Projekt, sollte man es auch fertigstellen können“, findet Hartl.

Gemeinderat Toni Mayer ist nicht grundsätzlich gegen das Projekt. Es sei nicht das gesamte Projekt, was ihn störe, sondern der Turm, der seiner Meinung nach nicht in das Ortsbild passe. Am sogenannten Wohnturm und nicht zuletzt an der relativ dichten Bebauung stören sich auch viele Einheimische. Seit Jahren gibt es Bürgerproteste gegen die massive Bebauung an der Seestraße. Auch die zahlreichen Sitzungsbesucher machten deutlich, dass vor allem den Seeonern auch die mittlerweile abgespeckte Variante nach wie vor auf den Nägeln brennt. Der Turm, in dem ein Gemeinschaftsraum geplant ist, sei der große Aufreger, räumte Mayer ein. Mayer und auch Sepp Daxenberger (CSU) hätten sich gewünscht, doch noch eine verträglichere Lösung zu finden, die zur Befriedung der Kritiker beiträgt. Daxenberger stellte auch heraus, dass in der Gemeinde dringend Wohnungen benötigt werden – und nicht nur für Einheimische. Auch für die Betriebe in der Gemeinde sei es aus wirtschaftlicher Sicht von großer Bedeutung, entsprechenden Wohnraum für das Personal vorzuhalten.

„Wir haben jetzt ausreichend diskutiert“, stellt Fabian Böck (Grüne) mit Nachdruck heraus. Er finde nicht, dass der Turm ortsbildschädigend sei. Außerdem seien der Gemeinschaftsraum und die Dachterrasse ideale Treffpunkte, wo die Seeoner hingehen können, so Böck.

Auch der Bauherr hat sich bei der Situierung eines Gemeinschaftsraumes etwas gedacht: „Wir wollen für die Hausgemeinschaft den schönsten Platz und der ist eben oben“, sagte Hartl. Von einem Café im Turm hatte man sich schon sehr früh verabschiedet. Auch bei den Außenanlagen wurde nachjustiert. Die Sorge, dass die Gestaltung der Außenfläche zu wünschen übrig ließ, wie von den Behörden angemahnt, hält dritte Bürgermeisterin Dr. Christine Kosanovic (FW) für unbegründet. „Ich finde, dass wir ein schönes Gelände haben, und die fußläufige Durchwegung für den Ort ein Gewinn sein wird“, sagte sie mit großer Überzeugung.

Über eine Stunde dauerten die Stellungnahmen der Behörden, die Bürgermeister Martin Bartlweber (FW) fast vollständig vorgelesen hatte. Die eingegangenen Stellungnahmen aus der Bevölkerung nahmen noch einmal rund 30 Minuten in Anspruch. Nach Angaben der Verwaltung haben sich über 40 Personen und Personengruppen am Verfahren beteiligt. Die bauliche Dimension sowie Natur- und Wasserschutzthemen sind in den Stellungnahmen die dominierenden Kritikpunkte. Die Dichte und Höhe des Baukörpers mit Turm werden bemängelt und damit die Verträglichkeit der Ortsstruktur infrage gestellt. Sorge bereitet den Kritikern auch die geplante Tiefgarage, die aufgrund der Seenähe natürliche Barrieren stören könnte. Ein möglicher Lärm, verursacht durch die Dachterrasse, wird ebenso befürchtet, wie die Zunahme des Verkehrsaufkommens im Ortskern. Darüber hinaus wird bezweifelt, ob dort tatsächlich bezahlbarer Wohnraum entsteht. Auch Befürchtungen von Zweitwohnungen oder Luxus-wohnungen werden laut.

Lärm und mehr
Verkehr befürchtet

Gegen die Stimme von Toni Mayer (Grüne) segnete der Gemeinderat den Beschlussvorschlag ab, den Planungsstand zu billigen und die Verwaltung zu beauftragen, eine erneute Beteiligung durchzuführen. In dem Beschlussvorschlag wurde auch darauf hingewiesen, dass das Verfahren nun im Regelverfahren weitergeführt werde.

Artikel 11 von 11