Marquartstein – Schon der Titel „Die Reise des J. S. Bach nach China“ ließ ein ungewöhnliches Konzert in der evangelischen Erlöserkirche erwarten. Das Konzert war tatsächlich außergewöhnlich: eine fiktive Geschichte und ein über 2000 Jahre altes Instrument aus China, ein GuZheng, gespielt von Zhiyuan Luo. Mit dem Spiel dieses Instruments und den ersten Klängen fühlten sich die Zuhörer sofort nach China versetzt. Doch wie kam da Johann Sebastian Bach ins Spiel? Das erklärte Ulrich Thiem mit Worten und seinem Cello. Er erzählte eine erfundene Geschichte, die im Jahr 1722 bei Johann Sebastian Bach in Köthen begann. Der Komponist war zu dieser Zeit in einer schwierigen Situation: Seine erste Frau war gestorben, als er in Karlsbad weilte. Zu Hause erwarteten ihn seine vier Kinder, die versorgt werden mussten. Bach verfiel in Depressionen, und die einzige Abwechslung zu dieser Zeit waren die Jahrmärkte. Ulrich Thiem spann eine Geschichte, wie Bach eine chinesische Sängerin mit ihrem ungewöhnlichen Instrument auf einem solchen Markt kennenlernte und von beiden sehr fasziniert war. Auf einem fliegenden Teppich reiste Bach mit der Chinesin zunächst nach Ulan Bator in der Mongolei und dann nach China, wobei sich die Zuhörer nicht nur gedanklich auf einem fliegenden Teppich befanden, sondern sich auch akustisch ein außergewöhnlicher Klangteppich mit dem ungewöhnlichen Instrument ausbreitete. Begleitet wurde die Erzählung jeweils mit Solostücken oder auch mit einem gemeinsamen Spiel.
Zum Schluss überraschte Ulrich Thiem mit der wohl bekanntesten Flötenkomposition von Johann Sebastian Bach, einer Partita a-Moll, aber nicht mit der Flöte, sondern per Lippenpfeifen! Das war beeindruckend, und er bekam großen Applaus. Auch der Hausherr, Pfarrer Rainer Maier, war beeindruckt und meinte: „Da ist die Welt zu Gast in Marquartstein, ich sitze hier in den Bergen und höre wunderbare Arrangements.“ wun