Flucht, Hoffnung, Neubeginn

von Redaktion

Auf Einladung der Sudetendeutschen Landsmannschaft hält Gerold Schwarzer einen Vortrag über sein Buch

Prien – Auf den Tag genau 80 Jahre, nachdem das sogenannte Beneš-Dekret mit der Nummer 108 verkündet wurde (was die Konfiszierung des gesamten Eigentums aller Sudetendeutschen beinhaltete), und nur wenige Monate nach dem Dekret mit der Nummer 33 (Aberkennung der Staatsbürgerschaft aller Sudetendeutschen in der damaligen Tschechoslowakei), lud die Ortsgruppe Prien der Sudetendeutschen Landsmannschaft in das Priener Pfarrheim zu einem Erinnerungs-Vortrag ein.

Referent war der vormalige Studiendirektor des Ludwig-Thoma-Gymnasiums, Gerold Schwarzer, der als kleines Kind mit auf der Flucht war und die Geschichte seiner Familie im Buch „Eine sudetendeutsche Familiengeschichte – aus dem Altvatergebirge nach Bayern an den Chiemsee“ festgehalten hat.

„Vierter
Stamm Bayerns“

Gabriele Schleich, die Vorsitzende der Priener Ortsgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft, begrüßte zu Beginn der Veranstaltung die etwa 50 interessierten Zuhörer. Unter ihnen waren Ehrenbürger Michael Anner, der langjährige Schulleiter des Ludwig-Thoma-Gymnasiums, Günther Madsack, Professor Dr. Dieter Benatzky aus Rosenheim als Vizepräsident außer Dienst der Technischen Hochschule, der ehemalige Schulleiter der Franziska-Hager-Schule Rainer Wicha und der Vizepräsident der Sudetendeutschen Stiftung Alexander Klein. Schleich erwähnte, dass zwischen 1939 und 1956 die Bevölkerung Priens von circa 3500 auf circa 5600 Bürger angewachsen ist. Die neu hinzugekommenen Evakuierten, Flüchtlinge und Heimatvertriebenen haben versucht, sich mit viel Fleiß und Ausdauer möglichst rasch in das Gemeindeleben zu integrieren. Die Politik anerkannte die Leistungen der neuen Bürger. 1954 erklärte Bayerns damaliger Ministerpräsident Hans Ehard die „Sudetendeutschen“ zum „vierten Stamm Bayerns“. Die Geschichte der Sudetendeutschen in den vergangenen 100 Jahren mit Krieg, Heimatvertreibung und Nachkriegszeit war das Thema des Bildervortrags von Gerold Schwarzer.

„Vor circa 80 Jahren begann die Vertreibung der etwa drei Millionen Sudetendeutschen aus ihrer angestammten Heimat. Darunter betroffen war auch meine gesamte Familie, und ich am Arm meiner Mutter…“, so Referent Gerold Schwarzer und er fügte hinzu: „In Bayern fanden über eine Million Menschen eine neue Heimat, viele davon im Chiemgau. Es gibt dazu auch eine Schrift von Mathias Heider (ehemaliger Schüler am Ludwig-Thoma-Gymnasium, jetzt am Sudetendeutschen Haus in München), in der die Geschichte der Menschen aus dem Sudetenland in Prien und Umgebung nach Krieg und Heimatvertreibung dokumentiert wird. Interessant, dass auch in den Lehrer- und Schülerlisten am LTG in den Gründerjahren auffallend viele Sudetendeutsche genannt werden. Die Heimatvertriebenen und Flüchtlinge konnten ihren Kindern ja keine Besitztümer bieten, es blieb nur die Hoffnung auf eine gute Bildung.“

Hoffen
auf Bildung

Erhältlich ist das im Selbstverlag erschienene Buch bei Gerold Schwarzer in der Lärchenstraße 14 in Rimsting (gschwarzer@gmx. de). Den gesamten Inhalt des Buches gibt es auch im PDF-Format.

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