Nächtlicher Badepark-Besuch in Inzell hat teure Folgen

von Redaktion

Überwachungskamera filmt nachts ungebetene Gäste – Gemeinde stellt Anzeige

Inzell – Es ist kein gewöhnlicher Facebook-Post, den die Gemeinde Inzell jüngst veröffentlichte: „Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch im neuen Hallenbad“, versehen mit einem roten Pin, der die Wichtigkeit verdeutlichen soll. Dazu vier – verpixelte – Fotos einer Überwachungskamera. In zwei aufeinanderfolgenden Nächten, von Mittwoch bis Freitag, waren mehrere Personen auf den Bildern gesichtet worden. In der ersten Nacht um 2.44 Uhr und in der zweiten Nacht gegen 5.45 Uhr.

Auf den geposteten Bildern sind sechs Personen zu sehen, wie sie im Außenbereich vergnügt planschen. Vermutlich ahnen sie dabei nicht, dass sie in diesen Momenten aufgezeichnet werden. Und vor allem begingen sie eine Sachbeschädigung, wie es in der Polizeimeldung aus Ruhpolding steht: „Allerdings wurde dabei eine Türe des Metallzauns als Trittbrett benutzt und hierdurch das Schloss und die Türklinke abgetreten und beschädigt.“

Zunächst wurde der Schaden auf 500 Euro beziffert, im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung erklärt Inzells Bürgermeister, dass sich die Summe erhöht habe: „Erst waren es 500, aber mit dem Umbau und allem Drum und Dran waren es jetzt knappe 800 Euro“. Die Gemeinde erstattet Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung. Kurz darauf teilte die Gemeinde auf Facebook mit, dass sich die Personen anonym meldeten, den Schaden zugaben und sich entschuldigten. „Sie haben sich per Mail förmlich bei uns, bei der Gemeinde Inzell, entschuldigt, dass es ein Ausrutscher war und sie natürlich für den Schaden aufkommen“, sagt Lorenz. Namen wollten sie keine nennen. Bereits am Donnerstag ging das Geld nach einer geschriebenen Rechnung aufs Konto der Gemeinde ein. Die Anzeige liegt weiterhin bei der Polizei. Die Gemeinde Inzell, so Lorenz, verfolge dies aber nicht mehr. „Die Polizei ermittelt natürlich weiter, aber das liegt nicht mehr in unseren Händen“, sagt der Rathauschef.

Nachfrage bei der Ruhpoldinger Polizeistation: Die Entschuldigung und vor allem die Bezahlung werden in den Polizeibericht mitaufgenommen und an die Staatsanwaltschaft Traunstein weitergegeben. Ob der Fall weiterverfolgt werde, hänge von der Staatsanwaltschaft ab.

Die mindestens sechs Personen treten in prominente Fußstapfen: 2018 waren die „Toten Hosen“ mit Sänger Campino in den Schlagzeilen und es drohte in Dresden eine Anzeige, nachdem der offizielle Band-Account auf Instagram ein Foto von Campino von einem nächtlichen Aufenthalt im Freibad postete. Nächtliche Freibadbesuche dürften weitverbreitet sein. Sachbeschädigung und ein Sprung in ein beheiztes Außenbecken im kühlen Herbst sind dagegen ungewöhnlich.

Bürgermeister Lorenz ist froh, dass die Kameras und das Überwachungssystem im gemeindlichen Badepark, erst im September nach Umbau wiedereröffnet, sehr gut funktionieren. Stresstest bestanden. Früher habe es schon Fälle gegeben, dass nachts Leute unerlaubt badeten und Gläser oder Flaschen zu Bruch gingen. Danach musste dann das Becken geleert und gereinigt werden, „im blödesten Fall war dann das Außenbecken ein bis zwei Tage nicht zugänglich und dadurch der Schaden auch wegen vermindertem Eintritt höher“, so Lorenz.

In diesem Fall gab es bis auf die beschädigte Zauntür keine weiteren Schäden. Und immerhin hielten sich die illegalen Badenden, zumindest auf den veröffentlichten Fotos, an die Kleiderordnung. Patrick Nägele

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