Fragezeichen bei Verkehrsänderungen

von Redaktion

Oberbürgermeister Christian Hümmer äußert sich zu Fahrradstraße, Parkhaus und zugebauten Wiesen

Traunstein – Eher kleine Themen wurden von den Traunsteinern bei der jüngsten Bürgerversammlung im Aubräu angesprochen – doch vor allem der Verkehr brennt den Menschen unter den Nägeln. Immer noch scheinen Fragezeichen bei der Fahrradstraße zu herrschen, die die Stadt dieses Jahr von Haslach bis zum Maxplatz verwirklicht hat. „Alle sind irritiert“, meinte eine Bürgerin, denn die Autos würden von der Rosenheimer in die Haslacher Straße die rotmarkierten Radler-Flächen überfahren. Auch die neue Anlieger-Regelung in der Haslacher Straße würden viele nicht verstehen und überhaupt seien Radler dort gefährlich schnell unterwegs.

„Schilderwald“
bereinigen

Oberbürgermeister Christian Hümmer (CSU) versprach, den „Schilderwald“ an der unteren Haslacher Straße zu bereinigen. Vor allem in der Innenstadt habe man auch immer wieder das Problem von Radfahrern auf dem Gehsteig. „Als Radler kann man sich sicher sein, dass das eigene Verhalten nicht sanktioniert wird. Dem gilt es Einhalt zu gebieten“, sagte er. Er kündigte an, dass ab nächstem Jahr auch eine Fahrradstreife der Polizei in der Stadt unterwegs sein wird, um hier nachzubessern. Durch die Fahrradstraße fielen auch an der Haslacher Straße wieder Parkplätze weg. Hümmer gestand dort einen „hohen Parkdruck“ und stellte „Anpassungen“ in Aussicht.

Eine weitere Anfrage betraf die Tiefgarage am Bahnhof. Ihr sei schon vor fünf Jahren durch ein Ingenieurbüro keine Standsicherheit mehr attestiert worden. Auch der Oberbürgermeister sieht dort Sanierungsbedarf. Von den ehemals 250 Stellplätzen gebe es dort nur noch 170. Er versprach, dem Stadtrat ein Sanierungskonzept vorzustellen – denn das Thema ist sensibel: „Ich habe heute noch im Ohr, warum das Parkhaus an der Scheibenstraße abgerissen werden musste“, so Hümmer. Ein Traunsteiner wünschte sich an der Salinenstraße einen Zebrastreifen anstatt der Querungshilfe. „Das war leider bisher nicht möglich“, so der Oberbürgermeister.

Zuständig ist bei der Salinenstraße nicht die Stadt, sondern das Staatliche Bauamt. Zebrastreifen seien aber kein Allheilmittel: „Sie führen oft zu gefährlichen Situationen, wenn der Fußgänger davon ausgeht, dass das Auto stehenbleibt, es dann aber weiterfährt.“ Auch die Polizei spreche sich in der Regel gegen neue Zebrastreifen aus. Einer Forderung nach Tempo 30 in Haslach stand Christian Hümmer kritisch gegenüber. Auch wenn das Gesetz den Kommunen mehr Spielraum erlaubt, sei Tempo 30 noch immer an Bedingungen geknüpft – und nicht immer würde sie Klagen standhalten: „Dann fällt die ganze Anordnung in sich zusammen.“

Den Vorwurf eines Traunsteiners, die Stadt würde „grüne Wiesen zubauen“, wollte der Rathauschef nicht gelten lassen. Man habe dafür gesorgt, dass an der Südspange kein Baurecht entsteht. Die Sparkasse hatte dort ursprünglich Pläne, sich anzusiedeln. Und bei den neuen Baugebieten der städtischen Wohnbaugesellschaft achte man immer aufs Flächensparen. Auch aus diesem Grund werde bei Seiboldsdorf zum Teil vierstöckig gebaut. „Die Zeit der Villengrundstücke ist vorbei“, so Hümmer.

„Wir sitzen
in einer Oase“

Auch die Klagen über Leerstände und niedergehendes Gewerbe konnte Christian Hümmer nicht teilen. Die Gewerbesteuereinnahmen zwischen dem Jahr 2020 und 2024 seien um 60 Prozent gestiegen – „in einer Zeit, in der das Land wirtschaftlich nicht mehr gewachsen ist“. Es werde mehr erwirtschaftet als je zuvor. Überhaupt rief der OB der Bürgerversammlung in Erinnerung: „Im Vergleich mit dem Rest Deutschlands haben wir weder soziale noch wirtschaftliche Probleme. Wir sitzen in einer Oase.“

Artikel 1 von 11