Traunstein – „Ich bin immer mit Leib und Seele im Laden“, sagt Rainer Eineichner beim Besuch der Chiemgau-Zeitung, „aber man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist.“ Nach 29 Jahren wird er seinen Modeladen „Calla“ in der Bahnhofstraße in Traunstein schließen. Momentan läuft der Abverkauf mit 70 Prozent Rabatt aufs gesamte Sortiment – nicht nur auf Eineichners Mode, sondern auch auf Möbel, Puppen oder Regalwände. „Alles muss raus“, ist in den Schaufenstern schon seit Wochen zu lesen. Zum Jahresende läuft der Mietvertrag aus, spätestens dann ist Schluss. 65 Jahre alt ist Rainer Eineichner. „Jetzt will ich mehr Zeit für mein Leben“, nennt er als Hauptgrund für die Entscheidung. Sein ganzes Berufsleben war er in der Modebranche tätig: zu Beginn in München, dann bei Güthlein in Rosenheim und schließlich zog es Eineichner aus privaten Gründen nach Traunstein. Der eigene Laden sei immer sein Wunschtraum gewesen – aber als Auswärtigem sei ihm damals 1996 in Traunstein „keine Chance gegeben“ worden. Es sollte anders kommen. „Wir sind eine Institution. Ich dachte mir auch nicht, dass wir so erfolgreich werden.“
Begonnen hatte Eineichner noch in der Ludwigstraße, dann der Umzug in die Bahnhofstraße in das auffällige, gelbe Bauwerk mit der Jugendstildeko. Zwischenzeitlich bespielte „Calla“ beide Standorte. „Klassisches und Modisches“ im mittleren bis gehobenen Bereich, auch Abendmode, so beschreibt der Geschäftsführer sein Sortiment. Es habe Pullover für 59, aber auch für 399 Euro gegeben. „Wenn man sich für einen Anlass was Schönes kaufen will“, so der Geschäftsführer. Angeboten wurde das ganze Outfit, auch Schmuck, Schuhe oder Taschen. Und: „Calla“ war und ist kein „Selbstbedienungsladen“, darauf hat Eineichner immer Wert gelegt. „Da wird man namentlich begrüßt, bekommt einen Kaffee, einen guten Service und man kann ratschen.“ Alles, was es online nicht gibt. Die potenzielle Konkurrenz aus dem Internet habe er deshalb nicht wirklich gefürchtet. Die Reaktionen vieler Stammkunden auf die sich abzeichnende Schließung seien dementsprechend gewesen. Von einem „Desaster“ sei da die Rede gewesen, manche wüssten nicht mehr, wo sie jetzt hingehen sollen, erzählt Rainer Eineichner.
„Das war wahnsinnig emotional für mich. Ich habe mit vielen Kunden geheult, aber sie verstehen meine Gründe.“ Von Salzburg über Mühldorf bis München habe sich das Einzugsgebiet erstreckt. Es gibt jedoch ein Trostpflaster: Eine eingespielte „Calla“-Mitarbeiterin, seit 23 Jahren an Bord, wird an derselben Stelle ihren eigenen Modeladen eröffnen – mit einigen Marken, die es auch schon bei Eineichner gab, und voraussichtlich im März. „Ich bin wahnsinnig froh darüber: Es gibt keinen Leerstand, der Laden bleibt mit einem ähnlichen Konzept belebt und die Mitarbeiter werden übernommen.“
Xaver Eichstädter