„Lauter junge Leute jeglichen Alters“

von Redaktion

Ehrenabend der Alpenvereinssektion Traunstein mit vielen Anekdoten aus „alten Zeiten“

Traunstein – Einen eigenen Abend, um in Erinnerungen zu schwelgen, hatte die Traunsteiner Alpenvereinssektion jüngst beim Aubräu für ihre langjährigen Mitglieder veranstaltet. Vor ein paar Jahren hatte sich die Sektion zu diesem Format entschlossen, nachdem zuvor jeweils im Anschluss an die Jahresversammlung die Aufmerksamkeit für die Geehrten stark nachgelassen hatte.

Erstbesteiger Karl Schrag
kam aus Hausham

Dass dies gut angekommen ist, zeigte die zahlreiche Teilnahme im vollbesetzten Aubräu-Saal, bei dem der Vorsitzende Hans Gfaller, Geschäftsführer Andreas Thiele und die Mitarbeiterin Susanne Schneider von der Geschäftsstelle umfangreiche Vorarbeiten geleistet hatten. Einer der prominentesten Traunsteiner Bergsteiger hatte ebenfalls den Weg nach Traunstein gefunden, nämlich der jetzt in der Gegend von Hausham lebende Karl Schrag, der als deutscher Erstbesteiger der sturmumtosten Felsnadel des Cerro Torre in Patagonien, einem der schwierigsten Berge der Welt, zusammen mit Hartmut Münchenbach 1985 für weltweite Aufmerksamkeit in der Bergsteigerszene gesorgt hatte.

Diese alpinistische Großtat hatte Karl Schrag allerdings in bescheidener Weise nicht erwähnt, als ihn Hans Gfaller – wie auch alle übrigen anwesenden Geehrten – zu einem Gespräch bat. Jedenfalls blickte Schrag auf die seinerzeitige sehr aktive Jungmannschaft zurück, deren Förderer Alfhart Amberger er besonders erwähnte: „Er hatte den Grundstein gelegt für unsere Bergsteigerei.“

Unter denen, die seit 60 Jahren der Sektion angehören, waren auch die Ehrenmitglieder Anton und Sebastian Angerer: Anton war jahrzehntelang Hüttenreferent der Winklmooshütte und konnte seine Kenntnisse als selbstständiger Bautechniker einbringen. Sein Bruder Sebastian sorgte 42 Jahre lang als Schatzmeister dafür, dass die Finanzen der Sektion in geregelten Bahnen verliefen.

Manfred Birle sprach vielen weiteren Mitgliedern aus dem Herzen, als er betonte, dass er „immer die Vorteile des Alpenvereins genutzt“ habe, vor allem von jenen, die sich um die Wege und Hütten der Sektion kümmern. Adi Fritsch, legendärer Trainer der Turnabteilung im TuS Traunreut und Mitglied der dortigen DAV-Ortsgruppe, organisierte viele Wanderungen für Senioren in die Berge.

Bei den Mitgliedern, die seit 50 Jahren der Sektion angehören, erinnerte Johanna Meisenecker an die legendären „Edelweiß-Kranzl“ in der Franz-Eyrich-Halle und outete sich als „Auftänzerin“ zusammen mit Hans Gfaller. „Den Trockenstrauß, den ich damals von der Elfriede Bierdimpfl erhalten hatte, habe ich immer noch zu Hause.“ Diese Tanzveranstaltung, bei der vorwiegend Tracht getragen und Volksmusik gespielt wurde, erwies sich in einigen Fällen sogar als „Eheanbahnungsinstitut“, wie an diesem Abend bekannt wurde. Bergwachtmitglied Franz Mittermaier, „Tausendsassa“ der Sektion, wenn es um handwerkliche und organisatorische Dinge geht, erinnerte daran, dass er dem heutigen Vorsitzenden auf Skitouren die Spitzkehren beigebracht hatte. Und Margot Pinegger brachte es kurz und knapp auf den Punkt: „Es ist einfach bärig bei euch!“

Dr. Jürgen Schmid, als Vorsitzender des Skiclubs Bergen Organisator des Hochfelln-Berglaufs, bekannte, dass er und seine Familie wegen des Kletterturms zur Sektion gegangen seien, und er zeigte weiterhin großen Unternehmungsgeist: „Die wilden Jahre sind noch nicht vorbei.“ Und am Kletterturm tummelten sich „lauter junge Leute jeglichen Alters“. Von den drei Weininger-Brüdern fanden Sepp und Hannes vom Felsen in die Lüfte und wurden als geniale Gleitschirmpiloten bekannt.

Mit dem „Edelweiß“ ausgezeichnet wurden auch jene, die seit 40 Jahren der Sektion die Treue halten. Unter ihnen auch Franz Parzinger, der Altbürgermeister von Traunreut, der über die dortige Ortsgruppe den Weg in die Sektion fand und gern an deren jährlichen Wochentouren teilnimmt. Auch er lobte die Arbeit vor allem der Wegewarte und meinte: „Wer so lange bei der Sektion ist, der ist überzeugt von den Zielen des Alpenvereins.“

„Die wilden Jahre
sind noch nicht vorbei“

Das ist auch die Ansicht von Gernot Pültz, der neben seinem Beruf als Journalist und als Tischtennisspieler natürlich nur in reduziertem Maße den Weg in die Berge fand und sich deshalb als „passives Mitglied“ bezeichnete. Aber auch er lobte die Menschen in der Sektion: „Macht weiter so!“

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