Grassau braucht mehr Mietwohnungen

von Redaktion

Analyse der Gemeinde zeigt dringenden Bedarf auf

Grassau – Im Grassauer Gemeinderat stellte Dr. Tekles vom „Ingenieurbüro Demosplan“ neben dem Bedarf für die Kinderbetreuung (wir berichteten) auch eine Analyse für den Wohnraumbedarf vor. Auch hier liefern die demografischen Zahlen die wichtigsten Daten: Es werde zu wenig gebaut.

Die Bestandsmiete, also mit langfristigen Mietverträgen, liege bei 7,70 Euro pro Quadratmeter, in München bei 13 Euro. Der Angebotsmietpreis bei Neuvermietung variiere zwischen 9,30 und 11,40 Euro pro Quadratmeter bei neu auf dem Markt angebotenen Wohnungen. Dies sei der Durchschnitt, also vereinzelt werden höhere Mietpreise aufgerufen.

Wohnungsbedarf bestehe bei jungen Familien und bei jungen Erwachsenen, die das Elternhaus verlassen wollen. Wohnraum wird auch für die Arbeitsmigration benötigt und auch für Alleinerziehende oder Partner nach Trennungen wird es schwierig. Es fehlen Wohnungen. „Der Bau von Eigentumswohnungen geht an dem Bedarf vorbei“, erklärte er.

Dr. August Trimpl (CSU) fasste zusammen, dass sich die Gemeinde auf den Bau von Mietwohnungen und nicht auf die Ausweisung von Einheimischen-Modellen konzentrieren sollte. Bürgermeister Stefan Kattari sah hier keinen Widerspruch und meinte, das Modell solle weiterverfolgt werden. Ob auch für die älteren Bürger Mietwohnraum benötigt wird, interessierte Tom Göls (CSU). Wohnraum für über 65-Jährige zu schaffen, sei nicht Aufgabe der Gemeinde, so Tekles. Vielmehr sei es Aufgabe der Gemeinde, für die Gruppe, die noch bei den Eltern wohnt, Wohnraum zu schaffen, damit diese in der Gemeinde bleiben.

Den Flächenverbrauch sprach Dr. Winfried Drost (UGL) an. Oftmals stehen kleine Einfamilienhäuser auf großem Grund. Eine Steuerung halte er für schwierig, außer die Gemeinde betreibe eine eigene Wohnungsbaugesellschaft. Auch Olaf Gruß (SPD) sieht für die Gemeinde wenig Steuerungsmöglichkeiten. Senioren leben teilweise in Häusern allein, in denen auch fünf Familien Platz hätten. Man müsse sich Modelle überlegen, um diesen den Altersruhepunkt in attraktiven Wohnungen zu sichern. Für manche Firmen sei es interessant, in den Wohnungsbereich zu investieren, wie bereits beim Hotel „Das Achental“ realisiert, das Wohnungen für seine Mitarbeiter baut. „Wir brauchen 145 bezahlbare Wohnungen“, resümierte Daniela Ludwig und fragte, was Wohnen kosten darf. Laut Tekles sollte die Kaltmiete ein Drittel des Verdienstes nicht überschreiten. Sie riet dazu, Weitsicht walten zu lassen und Eigentumswohnungen auf der grünen Wiese nicht zuzulassen. Junge Familien können sich meist Eigentumswohnungen mit einem Quadratmeterpreis von derzeit 4500 Euro mit Zinsen, Tilgung und Hausgeld nicht leisten. Gemäß Tekles gebe es großen Handlungsdruck, da Wohnraum so knapp ist.

Die Empfehlung, 140 neue Wohneinheiten in den nächsten fünf Jahren zu realisieren, sieht Sepp Grießenböck (FW) skeptisch. Dies würde sieben Mehrfamilienhäuser pro Jahr bedeuten und damit ein halbes Fußballfeld pro Jahr. Der Druck auf den Wohnungsmarkt würde erst abnehmen, wenn die Babyboomer in etwa 20 Jahren verstorben seien und deshalb Wohnraum frei werde.

Die Informationen der Wohnraumanalyse helfen dem Rat bei der Fragestellung, ob ein Projekt für die Gemeinde geeignet sei, so der Rathauschef. Ohne Beschlussfassung wurde auch dieser Punkt abgeschlossen.

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